Wenn ich groß bin, wandere ich den Arizona Trail – die Erfüllung eines Lebenstraums

Februar 28, 2016

Arizona Trail title1

 

Ihr habt ihn vielleicht schon gesehen, den Spenden-Button auf meiner Seite. Einige Blogger haben ihn und bitten damit um eine kleine Unterstützung für ihre Seite, quasi als „Kaffeekasse“. Mein digitales Sparschwein soll sich für einen anderen Zweck als koffeinhaltiges Heißgetränk füllen: die Erfüllung eines Lebenstraums! Aber warum und wieso sind dafür Spenden notwendig?

Es ist kein Geheimnis, dass ich für mein Leben gern wandere. Leider lässt sich dieses wunderbare Freiheitsgefühl, was ich dabei verspüre, immer nur kurzzeitig, nämlich im Urlaub erleben. Während meiner zwei USA-Urlaube habe ich eine Gegend kennengelernt, die mich unbeschreiblich in den Bann gezogen hat: das Rechteck, welches die vier Staaten Utah, Colorado, New Mexiko und Arizona bilden. In letzterem liegt der für mich persönlich schönste Ort auf Erden: die Horseshoe Mesa im Grand Canyon.

Copyright: National Park Service

Copyright: National Park Service

horseshoe mesa at night2

Überhaupt hat mich der Grand Canyon in seinen so klischeehaften Bann gezogen. Nicht einmal nur diese unglaubliche Größe von oben zu bestaunen. Vielmehr das Erleben des Inneren, des lebensfeindlichen Klimas dort unten. Das ist es, was für mich die Faszination ausmacht. Die unfassbare Stille und Dunkelheit, fernab jeglicher Lichtquellen, die Milchstraße klar und deutlich über Dir.

Warum ausgerechnet der Arizona Trail?

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich genau diesen Trail wandern will: den Arizona National Scenic Trail. Nicht den Jakobsweg in Spanien, nicht den Appalachian Trail an der Ostküste der USA. Nein. Diesen hier will ich wandern. Diesen mit seinen vielen Wüsten und steilen Felswänden, Wäldern, Klapperschlangen und Wasserarmut, sengender Hitze und klirrender Kälte. Diesen, der in einer Passage die Durchquerung des Grand Canyon abverlangt.

Arizona Trail Bucksin Passage 2

1.300 km führt er durch den Bundesstaat Arizona. Von der Grenze Mexikos bis zur Grenze Utahs. Das ist so weit wie von Berlin nach Nizza zu wandern! Der Arizona Trail ist ein Feuerwerk der Landschaften. Karge Wüsten erstrecken sich kilometerweit und wandeln sich plötzlich in Kiefernwälder. Graslandschaften erwachsen und verschwinden nach der Überquerung des nächsten Berges wieder. Kleine und große Seen säumen selten den Weg, geben trügerische Sicherheit angesichts der sonstigen Wasserknappheit. Canyons öffnen sich vor und schließen sich wieder hinter dir. An deren tiefsten Punkten läuft dir der Schweiß vor Hitze nur so runter, während dir auf den Bergspitzen oder der Nordseite des Grand Canyon zur selben Jahreszeit sogar Schnee begegnen kann.

Der Trail ist in 43 Etappen aufgeteilt, von denen jede folglich im Schnitt 30 km lang ist. Im Prinzip wäre man also nach anderthalb Monaten durch mit der Nummer. Aber nicht nur angesichts der kumulierten 22.500 Höhenmeter und des teilweise zu erwartenden Schnees ist es wohl illusorisch, jeden, aber wirklich JEDEN Tag 30 km zu wandern. Realistisch sind eher 20 km pro Tag. Und es wird Orte geben, wo ich nicht weg will. Wo ich mindestens einen Tag innehalten und diese grandiose Landschaft erleben und aufsaugen will.

Arizona Trail Bucksin Passage

Die Herausforderungen

Zelt, Kleidung, Trekking-Essen, Kocher, Schlafsack, Isomatte, 4 Liter Wasser minimum, Wasserfilter und Kleinkram mitschleppen. Also etwa 15 Kilo auf dem Rücken. Jeden Tag. Jeden Tag Zelt aufbauen, Feuerchen machen, essen, schlafen, Zelt abbauen, weiter. Bei Wind und Wetter. Höchstwahrscheinlich alleine. Jeden Tag aufs neue eine Wasserquelle finden, was nicht selbstverständlich ist.

Hiking Food

Hoffen, dass man nicht auf eine Klapperschlange tritt oder vom Kojoten angefressen wird. Dass die Geier sich nicht schon ihr Lätzchen umbinden und keine giftige Spinne in den Schlafsack krabbelt.

Na klar. Das sind alles Dinge, die dazu gehören. Die größte Herausforderung ist aber wohl die Zeit, die das Abenteuer in Anspruch nehmen wird. Bei angenommenen 20 km pro Tag sind das bereits 65 Tage. An- und Abreise ausgenommen. Wenn ich noch 10 Puffertage für Unvorhergesehenes oder Pausentage hinzurechne, bin ich schon zweieinhalb Monate unterwegs. Soviel Jahresurlaub habe ich leider nicht. Selbst wenn ich ein paar Überstunden anspare, was im öffentlichen Dienst schon tarifvertraglich schwierig ist, bleibt immer noch ein Kontingent an Tagen, das auf unbezahlten Urlaub hinausläuft. Mal abgesehen von den laufenden Kosten, die zu Hause ja trotzdem anfallen, kommen auch die vor Ort hinzu.

Das ist also genau die Herausforderung, die solch ein „Projekt“ so schwierig macht. Und das ist es, was meine „Kaffeekasse“ ist: eine Unterstützung für genau diese Zeit. Man könnte sagen, jede noch so kleine Spende ist ein weiterer Meter, den ich auf dem Arizona Trail laufen können werde.

Mit 40 möchte ich mir diesen Traum erfüllen. Die Sehnsucht danach ist schier grenzenlos. Wenn ich könnte, würde ich mich lieber heute als morgen mit Sack und Pack ins Flugzeug setzen und die 1.300 km antreten. Mal sehen, wieviele Meter ich bis dahin zusammen bekomme. Ihr werdet mich begleiten. 2018 2019 auf dem Arizona Trail!

Die ersten Schritte meiner Planung gibt es hier:

999 Fragen zu einer Langstreckenwanderung
Einfach mal ein paar Monate raus – mit dem Sabbatical zum Arizona Trail

Arizona Trail Carola Keßler

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4 Comments

  • Reply Eric Sonntag, der 6. Mrz 2016 at 07:15

    Was für ein wundervolles Ziel. Es klingt fantastisch und herausfordernd gleichermaßen. Ich hoffe das du dir diesem Traum erfüllst…eigentlichen gibt daran gar keinen Zweifel 😉 Wir leben mit unseren Träumen und wären arm dran wenn wir keine hätten. 🙂

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 7. Mrz 2016 at 06:31

      Danke, lieber Eric! Wenn nicht etwas Gravierendes dazwischen kommt, steht dieser Traum fest. Mal sehen, ob das mit dem Zeitrahmen klappt, aber es gibt Dinge, die muss man einfach gemacht haben. Und dazu gehört bei mir diese Wanderung!

  • Reply Daryush Ghassemi Freitag, der 27. Mai 2016 at 06:09

    Hey Caro,
    ich freue mich schon jetzt auf deinen Touren Bericht! Aber bitte vergiss nicht, eine powerbank mitzunehmen – wie sollen wir sonst auf dem laufenden gehalten werden 😉

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 30. Mai 2016 at 14:32

      Das werde ich, ist ja selbstverständlich. Aber zur digitalen Aufzeichnung wird auch noch ein klassisches kleines Notizbuch mit Stift zur Anwendung kommen. Falls der Akku mal alle ist und weil es so schön oldschool ist 🙂

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