3. Mammutmarsch-Training, 40 km: „Kommen Sie gerade aus Syrien?“

März 2, 2016

Wenn sich ein großer Wurm Wanderer durch die Berliner City und über den Mauerweg schlängelt, dann zieht das Blicke auf sich. Nachdem der Wurm beim Auftakt schon mit 40 Leuten mächtig Aufmerksamkeit erregte, könnt ihr euch die ungläubligen Gesichter bei rund 65 Wanderern vorstellen. Aber dazu später mehr.

Mammutmarsch 3 - sonnenaufgang

Samstag morgen um 7 Uhr war die Nacht für mich zu Ende. Schließlich musste noch der Rucksack gepackt, die Semmeln geschmiert, der Kaffee gekocht und eine Stunde Fahrzeit einberechnet werden. Nicht schlimm, denn die Sonne winkte mir schon entgegen und versprach einen schönen Tag und das Verpflegungspaket war wie immer viel zu ungesund lecker.

Mammutmarsch 3 - Verpflegung

Als ich während der Bahnfahrt zum Startpunkt Heiligensee nochmal kurz in die Veranstaltung schaute und da 71 angemeldete Facebooker sah, war ich schon wieder baff. Abzüglich des üblichen Schwunds von ca. 20 % rechnete ich immer noch mit 50 Teilnehmern. Da hatte ich mich aber geschnitten, denn der Schwund betrug augenscheinlich nicht mal 10 %. Unfassbar!

Der Bahnhof war schon um viertel vor 10 prall gefüllt mit wanderwütigen Berlinern. Da wir noch den nächsten Zug abwarten mussten, hatte ich ein wenig Zeit, mich mit den Schuhauswahl der Mitwanderer zu beschäftigen. Ich hatte mich diesmal gegen meine schweren Wanderstiefel und für die leichten Salomon Speedcross entschieden. Wanderstiefel werden nach 35 km einfach verdammt schwer an den Beinen. Tim dagegen war mal ganz puristisch unterwegs mit seinen ToeShoes.

Mammutmarsch 3 - salomon speedcross

Mammutmarsch 3 - vibrams

Mit dem Zug um 10:04 Uhr trafen dann die letzten Nachzügler ein und ich entschloss sich diesmal, gleich zu Anfang das Gruppenfoto zu schießen. Bei der schieren Masse an Leuten musste ich sogar die Panoramafunktion einschalten. Viele bekannte Gesichter waren von den ersten zwei Wanderungen dabei, aber auch einige Ersttäter. Ich spulte mein Sprüchlein zu eigenem Risiko, Fotos und Ausstiegsmöglichkeiten ab. Ein bisschen komme ich mir dabei inzwischen vor wie eine Flugbegleiterin. „Die geschätzte Wanderzeit beträgt 8 Stunden, die Notausgänge befinden sich in 22,5 und 30 km.“ 🙂

Mammutmarsch 3 - Gruppe

Und dann machte sich unser Tross auf den Weg Richtung Mauerweg. Der war schon nach wenigen Minuten erreicht. Ein Glück, dass Berlin 160 km Mauerweg bietet. Da hat man einiges zu entdecken. Dieses Mal war der nördliche Teil dran.

Mammutmarsch 3 - Gruppe Mauerweg2

Mammutmarsch 3 - Gruppe Mauerweg3

Mammutmarsch 3 - Gruppe Mauerweg4

Mit dieser invasionartigen Masse zogen wir wieder einmal alle Blicke auf uns. Ein Vater mit Kind nahm seine kleine Tochter vorsichtshalber bei Seite. Die fragte: „Papi, wo wollen die dann alle hin?“ Und ein paar Kilometer weiter schauten uns sechs wandernde Senioren mit offenem Mund an. Sowas hat die Brandenburger Pampa noch nicht gesehen. Tatsächlich war trotz des gigantisch schönen Wetters sehr wenig los auf unserer Route.

Mammutmarsch 3 - Meisenknödel

Katharina, die Gute, hatte mich natürlich auch nicht vergessen und mir eine Packung ihrer selbstgemachten „Meisenknödel“ mitgebracht. Diesmal auf Wunsch einer einzelnen Dame mit Zartbitterschokolade-Chunks. Waren die gut! Mehr davon!

Wir kamen an einem kleinen Gelände vorbei, das wie ein großer Spielplatz für Hindernisläufer aussah. Leider war es abgesperrt und wahrscheinlich auch eher für Mountainbiker gedacht.

Mammutmarsch 3 - hindernisspielplatz

Überhaupt boten sich auf dem Weg einige kuriose Anblicke. Angefangen von einem Indianer-Tipi, das wohl schon bessere Zeiten gesehen hatte, über einen alten Grenzturm, der nun den hübschen Namen „Naturschutzturm“ trägt.

Mammutmarsch 3 - Mauerweg Tipi

Mammutmarsch 3 - Naturschutzturm

Wir kamen am Bifröstweg vorbei. Bifröst. Das ist das Ding, was Asgard und Midgard verbindet. Und das mitten in Berlin-Brandenburg. Wahnsinn! Thor begegnete uns hier leider nicht. Dafür hatte ein Anwohner sich einen glatzköpfigen Schwertträger in den Garten gestellt, der mein persönliches Highlight an Kuriosität darstellt.

Mammutmarsch 3 - schwertkämpfer

Wahrscheinlich boten wir aber selbst das kurioseste Bild. Während wir vom Mauerweg entfernt auf kleinen Pfaden wanderten, einer nach dem nächsten, fühlte ich mich sehr an Lemmings erinnert. Ich fragte mich, was wohl passieren würde, wenn ich mich einfach mit ausgebreiteten Armen vor die „Lemminge“ stellen würde? Nächstes Mal muss ich das ausprobieren!

Mammutmarsch 3 - Lemminge

Da ich die Strecke selbst noch nie gewandert war, hatte ich alle Hände voll zu tun, die Lemminge auf dem richtigen Weg durch Wald und  Wiesen zu führen. So schaffte ich es irgendwann zumindest mal, mir eine Banane aus dem Rucksack zu holen/ holen zu lassen. Statt sie zu essen führte ich sie aber bestimmt noch 3 km mit mir spazieren.

Mammutmarsch 3 - Carola Keßler

Nach 14 km gab es dann die erste richtige Pause in der Koppelschänke. Oder doch Koppelschenke? Egal! Auf jeden Fall gab es eine Toilette für Männlein und Weiblein und für einige auch eine Tasse Kaffee oder Tee. Die meisten setzten sich jedoch pragmatisch einfach auf den Boden. Für diese große Masse an Leuten findet sich hier draußen einfach keine andere Örtlichkeit, die soviele Sitzplätze bietet. Zum Glück sind Mammutmarschler da sehr pflegeleicht! Selbstverständlich war auch mein kleines Plüschmammut wieder mit von der Partie.

Mammutmarsch 3 - Koppelschenke

Mammutmarsch 3 - Koppelschänke

Mammutmarsch 3 - Pause

Nach der doch recht ausgedehten Pause hatten einige schon Hummeln im Hintern und machten sich auf die Socken, während ich noch mit den meisten auf diejenigen wartete, die noch in Ruhe ihren Kaffee schlürfen sollten. Das Problem zu langer Pausen ist einfach, dass man sehr schnell auskühlt und sich daher nach nicht allzu langer Zeit wieder auf den Weg machen sollte.

Vorbei ging es am Hubertus- und Köppchensee, über feuchte bis sumpfige Wiesen, die wohl allen, die nicht gerade mit wasserdichten Schuhen unterwegs waren, nasse Socken bescherten. Inklusive mir, denn die wasserdichte Variante meiner Schuhe stand natürlich brav zu Hause.

Mammutmarsch 3 - Mauerweg Köppchensee

Mammutmarsch 3 - Matschfeld

Mammutmarsch 3 - Kindelfließ

Da wir aber flotten Schrittes unterwegs waren, trockneten die Funktionssocken zum Glück recht schnell und der Boden wurde auch wieder eher wüstig.

Mammutmarsch 3 - Mauerweg Sandstreifen

Nach ziemlich genau 20 km konnten wir in weiter Ferne (nämlich weitere 20 km) den Berliner Fernsehturm erspähen. Die Stadt kam also unaufhaltsam näher. Aber ich hatte ja auch eine Wald- & Wiesen & Sightseeing-Tour versprochen.

Mammutmarsch 3 - fernsehturm

Mammutmarsch 3 - Carola Keßler1

Wie bei den letzten Wanderungen schon, machte sich bei mir wieder das Hulk-Syndrom breit. Nein, ich entwickelte leider keine übermenschlichen Kräfte und meine Kleidung zeriss auch nicht unter der sich spontan vergrößernden Muskelmasse. Aber meine Hände. Mein Gott, die waren doppelt so groß wie zum Beginn der Tour. Dick geschwollene Wurstfinger! Muss wohl eine Mischung von Kälte und Bewegung sein. Schön ist anders.

Mammutmarsch 3 - Hulkhände

Für den Stadtteil hatte ich eine Route zusammengeklickt, die uns immer an der Panke entlang führte und so noch ein wenig Natur mit in die Stadt hinein nahm. Dass wir in Berlin angekommen waren, merkten wir dann entgültig am S-Bhf Wollankstraße  als uns ein älterer Herr fragte, ob wir gerade aus Syrien kämen. Ja, wir sind die Hightech-Syrer mit echt guten Deutschkenntnissen.

Mammutmarsch 3 - Panke

Ab hier begann dann auch die Perlenschnur an möglichen Ausstiegspunkten, die auch dankbar genutzt wurden. Unser Riesenwurm wandelte sich langsam zu einer kleiner Schlange, so dass nicht alle mehr den Sightseeing-Teil unserer Reise mitbekamen. Dafür gibt es ja hier den Bericht! Das erste imposante Objekt war das Sowjetische Ehrenmal in Schönholz. Ordentlich, was die hier hin gebaut haben.

Mammutmarsch 3 - Sowjetisches Ehrenmal Schönholz

Unser Trüppchen trennte sich ein weiteres mal in zwei Hälften. Die größere wollte noch einmal kurz Pause machen und lief mit mir zum S Bahnhof Gesundbrunnen. Die andere Hälfte wollte lieber pausenfrei durchziehen und setzte die Route wie geplant fort. In der Pause merkte ich, dass ich an alles gedacht hatte. Alles außer Kleingeld, welches ich aber für die Blutsauger von Sanifair brauchte. Bei den Preisen wundert es mich fast, dass nicht Kreditkartenzahlung angeboten wird. DIE hätte ich dabei gehabt! Da Gesundbrunnen von der Route abwich, suchte ich eine alternative Rückkehrmöglichkeit und fand diese im Humboldthain. Auch nicht so schlecht.

Mammutmarsch 3 - Berlin Gesundbrunnen

Mammutmarsch 3 - Pause2

Die Sonne verabschiedete sich langsam und gab nun einen tollen Blick auf die Lichter der Stadt frei. Genauso hatte ich es mir gewünscht. Sonne in der Natur und Dämmerung mit Lichtermeer in der Stadt. Unsere Sightseeing-Tour führte uns an die Spree, zum Hauptbahnhof, über die Siegessäule zum erleuchteten Brandenburger Tor.

Mammutmarsch 3 - Stadtlichter

Mammutmarsch 3 - Berlin Hauptbahnhof

Mammutmarsch 3 - auster

Mammutmarsch 3 - Siegessäule

Mammutmarsch 3 - Brandenburger Tor

Um die 40 km auch voll zu kriegen, hatten wir vorher noch eine Runde durch den stockdunklen Tiergarten gedreht. Überaus glücklich, mit allerlei Zipperlein, aber auf den Punkt genau kamen wir nach 40 km am Potsdamer Platz an. 18 Leute waren wir in unserer Gruppe gewesen. Die Gruppe, die auf die Pause verzichtet hatte, hatte sich teilweise unterwegs noch weiter aufgeteilt, so dass am Potsdamer Platz nur noch vier Wandersleut ankamen. Eine weitere Gruppe war noch früher hier angekommen.

Es war in meinen Augen wie die letzten Male eine wunderschöne gelungene Wanderung mit so vielen netten Menschen. Ich habe fast die gesamte Zeit gequatscht und gelacht. Ich weiß jetzt schon: das wird mir fehlen, wenn der Mammutmarsch vorbei ist.

Umso mehr freue ich mich auf die spontane Nachtwanderung, die Manuel am 12.03.2016 ausgerufen hat. Passt zwar gar nicht in meinen Trainingsplan, aber was solls? Ich freu mich auf euch!

Die Veranstaltung zur Nachtwanderung gibt es hier. Meine nächste Veranstaltung ist am 26.03.2016. Da geht es 44-45 km durch den Grunewald und immer am Wannseeufer bzw. Griebnitzsee entlang. Die findet ihr hier.

Der liebe Benni hat übrigens noch ein tolles Video von unserer Wanderung erstellt! Viel Spaß beim Ansehen.

Ach ja, was die Hände angeht. Die haben sich inzwischen wieder beruhigt. Auf der Fahrt nach Hause war ich aber Gregor so dankbar für seine Hilfe. Ich hab weder den BabyBel aufbekommen, den er mir liebenswerter Weise angeboten hat, noch meine Flasche. Zur besseren Vorstellung hab ich mal ein Vorher-Nachher-Bild meiner Hände hier. 🙂

Mammutmarsch 3 - Handvergleich

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2 Comments

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    Reply Angela Sonntag, der 27. März 2016 at 17:20

    Liebe Carola,
    ein toller und sehr informativer Bericht. Vielen Dank dafür. Das Problem mit den Händen lässt mich auch stets verzweifeln.
    Freue mich schon auf den Bericht vom 26.03.. Super Organisation, tolle Strecke und nette Gruppe.
    Leider hat es für die letzten 1,7 km bei mir nicht mehr gereicht, muss mir dringend noch was wegen der Schuhe einfallen lassen.
    Liebe Grüße Angela

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 28. März 2016 at 13:16

      Vielen lieben Dank 🙂
      Meine Hände waren diesmal nicht ganz so schlimm. Ich denke, das hing letztes Mal auch mit der Kälte zusammen.
      Freut mich, dass du dabei warst. Das Schuhproblem haben wir anscheinend alle irgendwie. Vielleicht seh ich dich ja in zwei Wochen!

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