XLETIX Challenge Berlin City – Laufen in Neopren und Schwimmen mit Schuhen

Oktober 18, 2015

Nachdem ich im Sommer das große Vergnügen hatte, an der XLETIX Challenge Berlin in Kallinchen teilzunehmen, hatte es keine Woche gedauert, da hatte ich mich schon zur City Challenge im Oktober auf der Trabrennbahn Karlshorst angemeldet. Sowohl für die Sommer-Challenge, die 2014 zum ersten mal stattfand, als auch für die City Challenge war es schon die zweite „Runde“.

Während Ende Mai angenehme 22 Grad und Sonnenschein die Teilnehmer aufwärmten, waren für dieses Oktoberwochenende nur gänsehautbringende 8 Grad und Wolken mit recht hoher Regenwahrscheinlichkeit vorausgesagt. Igitt! XLETIX Berlin City titleMan sollte meinen, das mache einem Hindernisläufer nichts aus. Nass wird man durch die Hindernisse ja sowieso schon von Anfang an, ganz zu schweigen von Sand, Schlamm und sonstigem Dreck. Das stimmt natürlich. Aber man springt ja nun nicht von Hindernis zu Hindernis, sondern überbrückt teilweise nicht ganz triviale Distanzen dazwischen. Da ist es schön, wenn die klatschnassen quietschenden Schuhe und Klamotten mal die Möglichkeit bekommen, durch Sonne und Wärme von tropfend auf nur noch klamm zu trocknen. Steht man dann auch noch an einigen Hindernissen an, ohne sich durch Bewegung warm halten zu können, setzt ganz schnell der Bibbermodus ein.

Was zieh ich bloß an?

Insofern machte ich mir diesmal weit weniger Gedanken über Strecke und Hindernisse als darüber, was ich um Himmels willen anziehen soll. Oben kurz, unten kurz, um nicht die ganze Zeit nasse Sachen am Körper zu haben? Oben und unten lang, um wenigstens ein wenig Windschutz zu haben? Handschuhe gegen den drohenden Klaueneffekt bei Wind, Kälte und Nässe?

Quasi kurz vor zwölf bestellte ich mir einen kurzen Neoprenanzug, der ungefähr das bedeckt, was ein Badeanzug bedecken würde. Um 23 Uhr am Vorabend der Challenge brachte mir meine Nachbarin das heiß ersehnte Paket. Ein paar Stunden zuvor hatte ich mir noch ein paar günstige Windstopper-Handschuhe gekauft, da ich meine guten Gore-Handschuhe nicht durch den Schlamm und über Draht ziehen wollte.

Los geht’s

Am Samstag um 12 Uhr war dann Start für mein diesmal nur aus vier Köpfen bestehendes Team. Dass die Herbst-Challenge weit weniger beliebt zu sein scheint, konnte man daraus schließen, dass zum einen nur der Samstag statt zusätzlich noch Sonntag angeboten wurde, zum anderen gab es die kurze S-Distanz (6-8 km) und die längere M-Distanz (12-16 km) zur Auswahl, nicht aber die über 18 km lange L-Distanz. Auf uns warteten also 12 km Spaß!

XLETIX Trabrennbahn KarlshorstEin bisschen was vom Spaß konnte man schon sehen, wenn man auf die Tribüne der Trabrennbahn trat. Leider gab es diesmal niemanden, der Fotos von der Strecke machen konnte, daher muss der grobe Überblick inklusive Beschreibungen leider reichen.

Die Anmeldung ging recht flott. Es gab ein gelbes Teilnehmerarmband für die M-Distanz und ein pinkes für die S-Distanz. Dazu ein weißes und ein blaues für die Gepäckabgabe. Warum es die unterschiedlichen Farben für die Strecken gibt, erschließt sich mir noch immer nicht. Es gibt keine getrennten Startblöcke/-zeiten, keine anderen Bändchen, Shirts oder Goodies, keine Zeitnahme oder Urkunden. Und bei Entgegennahme der Einheitsshirts, wird einem das Distanz-Bändchen sowieso abgenommen. Lediglich auf der Strecke kann man so erkennen, wer welche Distanz läuft.

XLETIX UmkleideNeu war diesmal das Stirnband mit aufgedruckter Startnummer. Bislang wurde diese mit Filzstift direkt auf die Stirn oder sonstige (sichtbare) Körperteile gepinselt. Da die aber meist eine Halbwertszeit von 5 Hindernissen hatte (und die Sportfotografen auch zuordenbare Fotos verkaufen wollen), gab es diesmal diese Lösung.

Ab ging es in die überraschend leere Umkleide bei den Frauen. Meine Kleiderwahl gestaltete sich heute also in den folgenden Schichten: Bikini, Neopren-Shorty, lange, warme Lauftight, windabweisendes Laufjäckchen und Handschuhe. Und natürlich das Startnummernstirnband. Ich bin an sich gar kein Freund von Stirnbändern oder
Kopfbedeckungen jeglicher Art. Aber wat mut, dat mut.

Um viertel vor zwölf Stand das Warm up an und kurz danach trabten wir wie die Pferdchen los über die Rennbahn. Gleich das erste Hindernis, Creepy Crawl, machte uns schön sandig-matschig. Schnell beim Team Tug I den schweren Reifen durch den Matsch gezogen und schon danach wurde es richtig nass.

XLETIX warm_upDer Freak Froster stand an. Ein Container voll „normal XLETIX wooohaakaltem“ Wasser zum Untertauchen und dahinter gleich noch einer mit Eiswasser und Eiswürfeln. Natürlich auch zum Eintauchen. Obschon meine angekündigte Taktik, mir das Oberteil vorher auszuziehen und hinterher wieder in das trockengebliebene zu schlüpfen, am Anfang belächelt wurde, folgte mein Team meinem Beispiel und machte sich nackt. Ich war ja noch gut bedeckt durch meinen Neoprenanzug. Die Eisbecken waren gar nicht so schlimm wie ich erwartet hatte, fanden auch meine Mitstreiter. Weiter ging’s.

Ich will diesmal gar nicht jedes einzelne Hindernis aufführen. Das gibt es dann wieder im Steckbrief zum Lauf. Daher an der Stelle nur die Highlights und Eindrücke von dem, was besonders hängen geblieben ist oder anders als bei der Sommer-Challenge war.

Die Location Trabrennbahn brachte zumindest zwei einzigartige Hindernisse hervor: Sticky Straw und Team Tug II. Bei ersterem mussten hohe Strohballen überwunden werden, die mittig zwischen Pferdedung aufgebaut waren. Einen ultraschweren Pferdepflug mussten wir zu viert beim Team Tug II im Kreis ziehen. Ein fieses Hindernis. Die lange Rutsche mit Abschluss im Wasserbecken – Speed Slide – war über die gesamte Länge der Tribüne von oben nach unten aufgebaut. Hier war die Wartezeit, aber auch der Spaß am größten, wenn auch der Weg aus dem Wasserbecken heraus wirklich bitterkalt war.

Nach Hindernis 12 von 31 gab es Wasser. Zum Trinken. Nicht zum drin Baden, Tauchen oder Planschen. Und Bananen. Mensch, die Veranstalter haben gelernt. Vielleicht hilft die Teilnahme an Umfragen ja doch. Zum zweiten Mal ging es durchs Creepy Crawl. Allerdings waren die Gitter diesmal noch tiefer (ca. 30 cm über dem Boden) und der Matsch noch matschiger. Dann begannen auch die längeren Laufabschnitte zwischen den Hindernissen. Letztendlich wand sich der Kurs aber immer irgendwie über oder am Rand der Trabrennbahn entlang. Im Muddy Maniac zog es mir fast die Schuhe aus. Der ca. 50 cm hohe Matsch im Container hatte genau die Konsistenz, um richtig tief einzusinken, aber so schwer zu sein, dass man die Füße kaum noch heraus bekam.

Den Clumsy Cliffhanger schaffte ich auch diesmal nicht, sondern entschied mich fürs Durchwaten des darunterliegenden Wasserbeckens. Eine Teilnehmerin hangelte sich mit Händen und Füßen durch die Sprossen. Aber ich kam ja nicht mal an die erste Sprosse heran, nicht mal mit strecken. Vielleicht ist das aber auch eine Taktik, die ich beim nächsten Mal versuche. Muss ich mal auf dem Spielplatz üben 🙂

XLETIX VerpflegungDie letzten 900 m hatten es dann mit 8 Hindernissen hintereinander noch einmal in sich, aber dann war es geschafft. Nach gut zwei Stunden hatten wir 12 km und 31 Hindernisse überwunden. Meine Garmin zeigte jedoch nur 10 km an… so vermessen kann das doch nicht sein!? Insgesamt fand ich die Strecke durch Kiefernwäldchen und den Offroad-Park im Sommer deutlich schöner und abwechslungsreicher. Aber ist nunmal die City-Challenge.

XLETIX Berlin AchievementIm Ziel gab es Wasser, heißen Tee, Bananen und Bier. Leider wieder nur mit Alkohol. Mir ging’s danach richtig gut! Nur gut, dass ich nicht gleich fahren musste. Da ich diesmal schon zum zweiten Mal bei der XLETIX dabei war, sollte ich ein entsprechendes Armbändchen bekommen. Das hatte für Teilnehmer unseres Teams beim letzten Mal nicht gut funktioniert. Auf den Papierlisten hatte nur der Teamkapitän gestanden, so dass nur er das Bändchen vor Ort erhielt und die anderen Mails schreiben und lange warten mussten. Auch diesmal wieder nur Papierlisten, aber zumindest unser Team stand komplett drauf. Andere hatten weniger Glück und wurden wieder
auf Mails schreiben verwiesen.

Auch mein Finisher-Shirt holte ich mir gleich ab. Einem Vormann wurde gesagt, Größe S sei schon vergriffen. Um 14:30 Uhr. Etwas grummelig, da mir S schon zu groß war, fragte ich dennoch nach und die nette Helferin zauberte tatsächlich noch das letzte Shirt in S für mich hervor. Leider wieder Einheitsgröße für Männer und Frauen. Liebe Veranstalter, ich werde nicht müde zu sagen, dass Frauenshirts hier mehr als angebracht sind. Bestimmt 40 Prozent der Teilnehmer sind weiblich. Fragt doch einfach, wie andere auch, bei der Anmeldung die Shirtgröße ab. Das Geschlecht wird doch sowieso schon abgefragt. Dann kommt es auch nicht zu solchen Engpässen und wir würden Euer Shirt viel öfter tragen.

Einen Protein-Drink konnte man sich beim Sponsor Muscle Milk Protein abholen. Zumindest wenn dem dort beschäftigten Mitarbeiter die Nase des Sportlers passte. Meine passte offensichtlich, denn ich bekam gleich zwei Drinks mit dem gewünschten Geschmack. Meinen Mitstreitern dagegen wurde trotz geäußertem Geschmackswunsch bewusst ein anderer in die Hand gedrückt mit den Worten „Dein Einstieg hier war schlecht“. Sorry, aber das ist keine gutes Marketing und sorgt für keinen positiven Eindruck der Marke.

XLETIX Berlin City Team 2015a

Und die Kleidung?

Der Neoprennanzug war super! Mir war zu keinem Zeitpunkt zu kalt, auch wenn Potential dafür dagewesen war. Den kalten Wind spürte ich durch meine nasse Tight, die die Challenge zudem nicht überlebt hat. Lauftights sind einfach nicht dafür gemacht, um auf den Knien durch Schlamm und Kies zu robben. Aber die Handschuhe taten ihren Dienst. Zwei von uns waren behandschuht gewesen, zwei nicht. Die hatten dann kalte Finger und wollten schneller rennen. Mir dagegen war wohlig warm und gemütlich zumute. Auch Scheuerstellen sind ausgeblieben. Für einen Hindernislauf bei kaltem, nassen Wetter kann ich das Schichtenmodell nur empfehlen.

Trotzdem freue ich mich auf die Sommer-Challenges!

M-Distanz, Quelle: runtastic, Open Street Map

M-Distanz, Quelle: runtastic, Open Street Map


XLETIX Shirt Band

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply Mietze Montag, der 19. Oktober 2015 at 12:07

    okay…ich erkläre dich offiziell als bekloppt!
    Eiswürfel….ich glaub ich spinne.

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 19. Oktober 2015 at 13:46

      Ein Glück, dass es noch so viele Bekloppte gibt, sonst wäre ich ja alleine in Eiswürfeln schwimmen gegangen. 🙂
      Und es ist immer noch Luft nach oben!

  • Reply Rüdiger Dienstag, der 20. Oktober 2015 at 15:17

    Das war schon eine Klasseleistung. Ich hätte aber erwartet, dass Du wenigstens das Hindernis erwähnst, bei dem Du es Dir gemütlich machen konntest und wir Dich tragen mussten. Das war doch bestimmt Dein „Highlight-Hindernis“. 🙂

    • Carola
      Reply Carola Dienstag, der 20. Oktober 2015 at 15:44

      Da hast du natürlich völlig recht! Komplett unerwähnt blieb das Hindernis Crew Carry, bei dem ihr mich quasi auf Händen getragen habt 🙂 Danke nochmal an die Herrlichkeit! Nur noch schöner war dagegen das Hindernis im Sommer, wo ich es mir im Schwimmreifen gemütlich machen durfte. Nächstes Mal tragen wir dich!

    Leave a Reply