Frostwiesenlauf 2016 – Wo die Anchovis auf Feldern wachsen

Februar 14, 2016

frostwiesenlauf2016 titel

Endlich! Endlich wieder Wettkampfzeit. Was hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. So sehr, dass ich tatsächlich im Mai 2015, als ich mich anmeldete, die Erste und Einzige war, die in der Meldeliste stand. Die Durststrecke seit dem letzten Lauf im November im Tropical Islands endete hier und heute am 07. Februar 2016. Apropos Durststrecke: auch diesjahr sollte es wieder Glühwein an den Verpflegungspunkten geben.

Um 8:45 Uhr brachen wir von Berlin auf, um genügend Zeit für die Anfahrt vor dem Start um 11 Uhr zu haben. Kurz vor 10 waren wir schon im Spreewald und fuhren an Feldern mit – für Berlin Augen – seltsamen Gewächsen vorbei.

frostwiesenlauf2016 rosenkohl

„Sind das nicht Anchovis?“ Nee, Judith (Boosthemietz). Anchovis sind das sicher nicht. Würde auch komisch riechen. Nur mal zum Vergleich, DAS sind Anchovis:

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Und auch die eigentlich gemeinten Artischocken waren es nicht. Rosenkohl! So sieht Rosenkohl also aus, wenn er noch nicht in Beutelchen verpackt im Supermarkt liegt. Wieder was dazu gelernt. Und auch, dass Anchovis kein Gemüse sind.

Mit ausreichend Zeitpuffer trudelten wir im idyllischen Spreewald ein. Wunderschönstes sonniges Frühlingswetter empfing uns. 12 Grad sollten werden. Von Frostwiesen also keine Spur.

frostwiesenlauf spreewald

Wie immer war die Organisation der Parkplätze für die aus weiter Ferne Anreisenden perfekt. Auf der großen Wiese waren mindestens zwei Helfer damit beschäftigt, die ankommenden Läufer in ihren Autos unweit des Starts in Reihen zu arrangieren. Große Veranstalter, die gerne mal noch 5 Euro extra an den Parkplätzen verdienen, dürfen sich hier mal eine Scheibe abschneiden.

frostwiesenlauf parkplatz

Die Abholung der Startunterlagen ging richtig fix. Zumindest für die Läufer, die sich schon vorab angemeldet hatten. Eine Möglichkeit zur Nachmeldung gab es, aber die war mit Schlangestehen verbunden. Und zwar nicht zu knapp. So richtig nachvollziehen kann ich das nicht, denn bei den geringen Gebühren von 8 -10 Euro kann man sich doch wirklich schon vorher registrieren und muss nicht bis auf den letzten Drücker warten.

frostwiesenlauf nachmeldung

Schlange zum Nachmelden bis vor zur Tür

Aber gut, wir nutzten die Zeit, um Läufer’s liebstes Örtchen vor einem Wettkampf aufzusuchen: das Klo! Hier besteht allerdings noch Nachbesserungsbedarf. Alle 1.100 Teilnehmer mit einer Hoteltoilette abzuspeisen, funktioniert einfach nicht. Da war es nicht weiter verwunderlich, dass die Schilder „Nur für Hotelgäste“ ab einer gewissen Schlangenlänge ignoriert und auch die Toiletten im Wellnessbereich mitgenutzt wurden.

Im Raum für die Kleiderablage (ja, Ablage, nicht Abgabe), standen schon die Glühweinbehälter in der für mich ausreichenden Größe bereit. Selbstredend gibt es den Glühwein im Spreewald aus Gurkenbehältern. Eine Frau war zudem eifrig dabei, Leberwurst- und Schmalzstullen für die Finisher zu schmieren. Mmmm, Schmalz!

frostwiesenlauf glühweinbehälter

frostwiesenlauf2016 schmalzstullen

Zum Startbereich ging es vorbei an den Tiergehegen, wo man zur Beruhigung noch einmal ein Eselchen streicheln konnte (wenn man denn rankam).

frostwiesenlauf2016 esel

frostwiesenlauf2016 start

Angesichts der unerwartet hohen Anzahl an Nachmeldern sollte sich die Startzeit um 10 Minuten nach hinten verschieben. Man könnte es einen glücklichen Zufall nennen, denn kurz vor 10 ging dem Start-/Zielbogen spontan die Luft aus. Zeit, sich schon mal die Medaillen aus nächster Nähe anzusehen. Die hatten allerdings dasselbe Design wie im Vorjahr.

frostwiesenlauf2016 bogen2

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frostwiesenlauf2016 medaillen

Nachdem alle Nachmelder mit improvisierten Startnummern ausgestattet waren und der Bogen wieder Luft hatte, ging es dann los. Zeitmessung gab es traditionell auch diesmal nicht. Passte perfekt in meinen Plan, am Glühweinstand… äh Verpflegungspunkt eine längere Pause einzulegen. Da der Lauf direkt in mein Marathon-Training fiel, hatte ich mir auch keine übermäßig schnelle Pace vorgenommen. 6er-Pace sollte langen. War dann aber mit 5:30 bis 5:40 doch schneller dabei als ich dachte. Das Marathon-Training zeigte wohl Wirkung, denn ich fühlte mich deutlich fitter als im Vorjahr.

Da war sogar noch Energie für Lächeln und Wedeln vorhanden.

carola keßler 3 frostwiesenlauf

carola keßler frostwiesenlauf

Eigentlich schreibe ich meine Berichte über die Wettkämpfe auch für mich selbst, um sie mir im Wiederholungsfall noch einmal zur Vorbereitung durchzulesen. Wie gut, dass ich das mal nicht gemacht hab. Dann hätte ich wieder gewusst, dass sich das irrsinnig lange Stück am Nordumfluter ganze 2 km hinzieht. Bei mir war nur 1 km hängengeblieben, vielleicht anderhalb.

frostwiesenlauf2016 nordumfluter

carola keßler2 frostwiesenlauf

Anders als im letzten Jahr liefen wir diesmal oben auf dem, ich nenn ihn mal Deich. Diesmal wurde die Läuferschar auch nicht von fiesem Gegenwind gepeinigt, sondern konnte den Ausblick von oben über das Gewässer genießen. Und da winkte er auch schon in der Ferne: der Verpflegungspunkt.

Selbst beim Schreiben läuft mir gerade wieder das Wasser im Mund zusammen, wenn ich daran denkte, was hier alles geboten wird, damit die Läuferchen nicht einfach vorbei flitzen. Viele taten das trotzdem. Ich glaube, die haben keine Ahnung, was ihnen da entgangen ist. Deswegen zeige ich es euch jetzt: Spreewälder Gurken, Rosinen, Erdnüsse, Brezeln, Prinzenrollenkekse, Schokolade, mehr Kekse, Bananen, Glühwein, Tee und natürlich Wasser. An so einer Auswahl kann man/ ich doch nicht einfach vorbei rennen.

frostwiesenlauf2016 verpflegungsstand

Aber halt, das wichtigste hab ich vergessen: die Pfannkuchen/ Berliner! Die und der Glühwein haben mich alleine sechs Minuten am Verpflegungspunkt pausieren lassen. Damit habe ich den Rekord vom Vorjahr um eine Minute überboten!

frostwiesenlauf2016 berliner

frostwiesenlauf2016 verpflegung

Nachdem sich meine Laufuhr schon beleidigt in den Standby-Modus verabschiedet hatte, machte ich mich wieder auf den Weg. Nur noch 3 km, denn 7 waren schon gelaufen. Die flutschten auch besser als im letzten Jahr. Nicht nur, weil statt Frostwiesen diesmal nur Matschwiesen zu finden waren.

frostwiesenlauf2016 matschwiese

Nach gut achteinhalb Kilometern schrieb ich Judith eine Nachricht, sie möge doch bitte ein bis zwei Schmalzstullen im Ziel für mich retten. Wer das liest, könnte auf die Idee kommen, ich kriege den Rest der Woche nichts zu essen. Nein, das ist mitnichten so. Ich bin einfach eine siebenköpfige Raupe. Eine laufende, siebenköpfige Raupe!

Natürlich war im Ziel noch genug Schmalzstulle für die Raupe vorhanden. Mag auch daran liegen, dass nicht jeder dieselbe Leidenschaft für Tierfett auf Kohlenhydraten teilt. Dazu gab es Fruchtcocktail aus dem Becher. Und weil man uns unseren gierigen Raupenblick wohl ansah, bekamen wir gleich eine ganze Tafel Schokolade in die Hand gedrückt.

frostwiesenlauf2016 ziel

Nachdem der (erste) Hunger gestillt war, holten wir uns unsere Sofort-Urkunden ab. Diesmal dachte ich wenigstens dran. Letztes Jahr hatte ich das vergessen und ging leer aus, denn es gibt beim Frostwiesenlauf keine Möglichkeit, sich die Urkunde über das Internet herunter zu laden. Noch kurz das Saunaangebot gecheckt (war übersichtlich und wir nicht in der Stimmung, uns jetzt dafür auszuziehen) und dann taten wir, was Bloggerinnen nunmal so machen: schöne Fotomotive suchen. Medaille im Baum, Medaille im Maulwurfshügel. Medaille in der Hand kann ja jeder!

frostwiesenlauf bloggerinnen

Schön war er wieder, der Frostwiesenlauf!

Eine kleine Kritik sei jedoch angebracht. Sowohl in den Teilnahmebedingungen als auch vor Ort war stets ein Passus zu finden, der es uns Bloggern unnötig schwer macht, über solch tolle Veranstaltungen zu berichten:

„Die Aufnahmen und / oder Weiterleitung mit Foto-, Film oder Videokameras bzw. mit anderen Geräten sind unzulässig, soweit diese über den privaten Bereich hinaus an Dritte oder in den Medien oder im Internet veröffentlicht werden. Zulässig ist eine derartige Verbreitung nur, wenn zuvor eine schriftliche Zustimmung des Veranstalters beantragt und bewilligt wurde. Bei Zuwiderhandlungen wird unbeschadet weiterer Ansprüche eine Vertragsstrafe fällig, deren Höhe nach billigem Ermessen vom Veranstalter festzusetzen ist, höchstens jedoch je Verstoß 3.000,00 EUR.“

Ich schreibe diesen Artikel mit gemischten Gefühlen. Zum einen, weil ich seit November versuche, die erwähnte schriftliche Zustimmung zu erhalten, aber meine Emails nicht beantwortet werden. Zum anderen, weil ich nicht sicher bin, diese wirklich im Rahmen meiner Berichterstattung als Blogger zu benötigen. Liebe Veranstalter, wollt ihr wirklich, dass niemand über eure Events berichtet oder nur in Schrift ohne Bild? Ich gehe davon aus, dass sich dieser Absatz an professionelle Fotografen richtet, die Geld mit ihren Bildern machen möchten. Ich nutze sie hingegen lediglich zur Berichterstattung. Wünschenswert wäre eine klare Differenzierung, welchen Personenkreis der Veranstalter hier ansprechen möchte. Es wäre wirklich schade, den liebevoll ausgerichteten Veranstaltungen nicht mehr den Rahmen geben zu können, den sie verdienen.

14. Frostwiesenlauf, 2016

14. Frostwiesenlauf, 2016

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4 Comments

  • Reply Uwe Sonntag, der 14. Februar 2016 at 19:56

    Cool geschrieben….gefällt mir…. wenn du soviel gegessen hast, war dein Kühlschrank wohl im Vorfeld leer 🙂 🙂 🙂
    http://www.die-Schildis.de

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 15. Februar 2016 at 07:22

      Ach Uwe, ich wünschte, das wäre so. Die Wahrheit ist, ich kann immer futtern. 🙂 Der Kühlschrank war randvoll.

  • Reply Marcus Maximus Montag, der 15. Februar 2016 at 15:32

    Hallo Carola,
    Ein toller Bericht,schon zu lesen, habe auch über legt dort mitzumachen,bin aber beim Plänterwaldlauf hängen geblieben, werde öfters deine Berichte lesen, ich finde sie spitze 🙂

    Gruss Marcus Maximus

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 15. Februar 2016 at 17:44

      Danke, lieber Marcus, sowas liest man/ ich natürlich gern. Jetzt fängt ja erst die Wettkampfsberichtssaison (schönes Wort) richtig an. Ich freu mich schon sehr und werde wieder eifrig aus dem Geschehen berichten.

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