Traumhaftes Alpenvorland: Mountainbiken für Anfänger – Das geht ja doch!

Juni 26, 2016

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Ein wenig mulmig war mir ja schon gewesen, als ich mich im Januar für meine erste Mountainbike-Tour angemeldet hatte. Mulmig deswegen, weil ich eigentlich vorher noch eine Technik-Schulung machen wollte, die aber leider ausgebucht war. Zudem war die Tour hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads beschrieben mit „Für Teilnehmer geeignet, die diese Sportart schon etwas kennen, körperlich belastbar sind und gern ihre Fähigkeiten vertiefen wollen.“ Von Vertiefen konnte bei mir keine Rede sein. Ich hatte noch nie auf einem Drahtesel fürs Gelände gesessen. Aber die geplanten 40 km sollten ausreichen, das zu lernen.

Durch das traumhafte Alpenvorland ab Oberammergau war die Tour geplant. Da denkt man sich sonniges Frühlings-/Sommerwetter, Sonnenstrahlen auf dem Gesicht und blühende Wiesen. Genau dafür hatte ich mich auch ausgestattet: bunt, kurzes Shirt, kurze Hose. Ach ja, die Hose. Die hatte ich mir für die Tour ausgeliehen. Ihr könnt euch vielleicht meine Überraschung vorstellen, als ich, die noch nie Radfahrkleidung anhatte, auf die riesige „Slipeinlage“ stieß, die die empfindlichen Körperteile vor Stößen schützen soll. Praktisch, aber höchst ungewohnt.

Am Morgen der Tour hatte das Wetter aber anscheinend vergessen, dass Sommer ist. Es schüttete, was der Himmel her gab. Und warm war es auch nicht wirklich. Also zog ich eben meine Regenlaufjacke mit wasserdichten Schuhen an und dazu mit nicht angemessenem Optimismus die kurze Radhose. Weil die so schön gepolstert war. Als ich dann so vor dem Tourenguide stand, überzeugte er mich nach ein paar Minuten aber doch, dass mein Outfit wohl doch nicht so passend war. Also watschelte ich zum Gipfeltreffen-Zelt und holte mir eine lange wasserdichte Radhose – ohne Polsterung. Mein Leih-Mountainbike gab es gleich nebenan. Eine höchst alternative Form des Schützens vor Wasser lernte ich noch dazu: Füße in Gefrierbeutel, die dick mit Tape um die Fesseln kleben und ab in die Schuhe. Sah nicht schön aus, aber dicht war das sicher. Ich verzichtete und vertraute auf meine wasserdichten Schuhe.

Nur sechs Leute trotzten dem Regen heute, dazu kamen drei Guides. Kein so schlechtes Verhältnis für uns Teilnehmer. Kurz nach halb 10 machten wir uns auf in den Regen. Wie ich mich auf den ersten Metern auf meinem Moutainbike ohne Vorkenntnisse fühlte? Klasse! Es lief richtig gut. Schalten, Lenken, Fahren… das geht, wenn man kein völliger Radfahranfänger ist. Schalten ist im Übrigen DER Geheimtip für bergiges Gelände. Wer in der Stadt schaltfaul ist, wird hier dazu erzogen, sonst geht es keinen Berg hinauf. Einige Anstiege waren dann aber doch so steil, dass selbst der kleinste Gang nicht half und das Radl geschoben werden wollte. Wer sein Rad liebt, der schiebt.

Ziemlich baff war ich, als eine ältere Teilnehmerin völlig gelassen und unbeeindruckt den Berg an mir vorbei hoch fuhr, während ich mühsam schob. Erst einige Kilometer später stellte ich fest, dass sie ein Elektrobike mit Motor fuhr. Cheater!

Die Route führte uns durch kleine Dörfer, über Felder, durch Matsch und Wälder. Kühe standen auf unserem Weg und schauten uns bedröppelt an. Eine versteckte sich im Busch vor dem Regen. Nach etwa 20 km machten wir eine Pause an einer kleinen Kapelle mit Blick auf das Dörfchen Bad Bayersoien. Die geplante Einkehr wurde von den Teilnehmern einstimmig abgewählt. Keiner hatte Lust, in den komplett nassen Klamotten irgendwo zu sitzen. Die Bewegung war das einzige, was noch warm hielt. Eine Bifi und einen Energieriegel später ging es daher weiter.

Mein klassisches MTB tauschte ich für die letzten Kilometer mal aus Neugier gegen eins der eBikes. Auf dem ersten Kilometer kam ich damit ja mal gar nicht klar. Die Schaltung war komisch, der Motor sowieso. Wahrscheinlich lag es aber auch daran, dass ich mich innerlich gegen die Technik wehrte. Ich wollte das ja alles mit eigener Muskelkraft schaffen. Irgendwann platzte der Knoten und manchmal, aber nur selten schaltete ich die kleinste Stufe des Motors hinzu, wenn es bergauf ging. Zumindest einmal musste ich aber auch noch den „Turbomode“ ausprobieren. Mein lieber Schwan, ging das ab! Mit 25 km/ und 75 Nm-Unterstützung flitzte ich an allen anderen den schier endlosen Berg hoch. Ok. Das war schon geil. Aber trotzdem. Ich brauch das nicht. Dann trainiere ich halt so lange, bis ich den Berg alleine hoch komme.

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Der Regen legte gegen Ende noch mal zu. Dass das überhaupt möglich war! Meine wasserdichten Schuhe waren inzwischen komplett durchgeweicht und quietschten als hätte ich Frösche in den Socken. Mein Hintern war schlammig-matschig, so ein Mountainbike hat ja keine Schutzbleche. Aber das war inzwischen auch schon alles egal. Hauptsache kontinuierliche Bewegung, um nicht auszukühlen. Eine heiße Dusche würde mich ja bedauerlicherweise nicht erwarten, da ich aus der Unterkunft in Oberammergau schon ausgecheckt hatte. Doofe Idee, aber nicht zu ändern.

Nach etwa 36 km kamen wir wieder am Startort an. Die besonderes schlammigen Passagen hatten die Guides ausgelassen. Schade eigentlich. Die Tour hatte mir richtig viel Spaß gemacht. Ich hatte schon immer befürchtet, dass ich Mountainbiken lieben würde, aber nun weiß ich es. Solche dicken Räder geben ordentlich Sicherheit und Unterstützung im Gelände. Sicherlich muss ich noch lernen, wie das Rad sich in verschiedenen Situationen verhält. Aber dafür brauche ich genau das: ein Mountainbike. Oh oh!

Abschließend gibt es die Tour hier noch in bewegten Bildern…

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