Mauerweglauf – Der etwas andere Lauf oder: Das Team ist das Ziel

August 24, 2016
Autorin Sam

Autorin: Sam

Sicherlich habt ihr schon öfter mitbekommen, dass ich bei meinen Trainings und Events nicht immer alleine bin. Viel und gerne reiße ich Kilometer und Wettkämpfe mit „meinen Mädels“ ab. Eins davon ist die liebe Sam. Natürlich schaffen wir es nicht immer alles gemeinsam zu tun. Während ich mit euch von Spandau nach Mühlenbeck gewandert bin, hat sie tapfer an den den 100 Meilen von Berlin – dem Mauerweglauf teilgenommen. Heute lest ihr also mal ganz exklusiv einen Bericht von Sam. Viel Spaß!

 


Mauerweglauf

Was ist der Mauerweglauf?

Mindestens 138 Menschen verloren an der Mauer, die Berlin fast 40 Jahre teilte, ihr Leben. Der Mauerweglauf erinnert seit 2012 alljährlich an den Mauerbau und die Opfer der Grenze. Die Finisher-Medaille trägt deshalb jedes Jahr das Konterfei eines Maueropfers. In diesem Jahr war es Karl-Heinz Kube, der 1966 im Alter von 17 Jahren an der Teltower Grenze mit 44 Schüssen in den Rücken auf seinem Weg in die Freiheit ermordet wurde. Die Todesschützen wurden kurz nach der Tat mit der „Medaille für vorbildlichen Grenzdienst“ beziehungsweise mit dem „Leistungsabzeichen der Grenztruppen“ dekoriert. Heutzutage unglaublich, aber es ist wichtig, ohne mahnenden Zeigefinger an die Zeit der Deutschen Teilung und deren Opfer zu erinnern. Da ich das geteilte Berlin und Deutschland noch erlebt habe, bin ich gerne Teil dieses Mauerweglaufes.

 

Welche Wettbewerbe gibt es?

Der Lauf selbst führt auf dem ehemaligen Grenzstreifen, dem heutigen Mauerweg, genau 160 km bzw. 100 Meilen einmal um das ehemalige West-Berlin herum. Start und Ziel der 100MeilenBerlin befinden sich im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark  in Prenzlauer Berg. Ursprünglich war es ein Ultramarathon, d.h. dass  die gesamte Strecke von 160 km in maximal 30 Stunden von einem einzelnen Menschen zu Fuß bewältigt wird. Eine unfassbare Leistung für mich. 350 Startplätze stehen zur Verfügung.

Bei den ersten drei Ausgaben waren nur Einzelstarter zugelassen. Damit aber nicht nur Ultrasportler in den Genuss dieses Laufes kommen, wurde 2014 der Lauf für 2er und 4er Staffeln geöffnet; 2015 kamen die 10plus Staffeln dazu, die sich die Strecke aufteilen. Diese Öffnung hat sich definitiv gelohnt: Über 100 Staffeln waren dieses Jahr angemeldet.

Die Verpflegungspunkte

Die Verpflegungspunkte sind mein Highlight der Veranstaltung. Die 100-Meilen-Läufer müssen natürlich engmaschig und gut versorgt werden. Deshalb gibt es insgesamt  27 Verpflegungspunkte (VPs) in Abständen von 5 bis 8 Kilometern die alles bieten, was das (Ultra-)herz begehrt: Magnesium- und Salztabletten, Schmalzstullen, Obst, Kuchen, Bouletten, Cola, Wasser, Isogetränke u.v.m. Es gibt Sitzgelegenheiten und teilweise sind Liegen aufgestellt, was die Einzelläufer besonders zu späteren Zeitpunkten auch gerne in Anspruch nehmen. Liebevoll in ehrenamtlicher Eigenregie gestaltet wäre es ein Frevel, dort einfach durchzurennen. So habe ich dort immer ein Schwätzchen gehalten, respektvoll die Einzelläufer motiviert und natürlich etwas gefuttert und getrunken. Bestzeiten laufe ich woanders. Hier genieße ich die Stimmung.

Außerdem sind die Verpflegungspunkte zugleich Kontrollstellen, an denen über einen Chip am Handgelenk die Zeit genommen wird, und Wechselpunkte für die Staffeln.

 

Das Briefing

Pflichttermin ist das Briefing am Abend vorher. Neben einem großzügigen Carboloading-Buffet und dem Austeilen der Startnummern und Beutel werden noch mal die wichtigsten Dinge mitgeteilt: Handypflicht, Warnwesten und Stirnlampen für die Läufer in der Nacht, Beachten der Verkehrsregeln usw. Aber das wichtigste: Die Staffel trifft sich zu letzten Mal vor dem großen Sport! Stefan war so lieb und teilte kleine Herzchen als Glücksbringer aus …

Mein Mauerweglauf 2016

Ich war das zweite Mal Teil der 10Plus-Staffel „Grenzläufer“. Letztes Jahr rutschte ich als Ersatzfrau in dieses Team, wo ich keinen einzigen kannte. Mittlerweile haben wir uns schon so oft bei anderen Veranstaltungen gesehen, dass mir alle sehr ans Herz gewachsen sind! Also war es klar, dass ich auch 2016 wieder dabei sein wollte!  In dieser Staffel finden sich Läuferinnen und Läufer mit völlig unterschiedlichem Potenzial und läuferischen Hintergrund.  Einige laufen schneller, andere langsamer oder legen die Strecke walkend zurück. Alles ist erlaubt (naja, Rad fahren, fliegen und skaten nun nicht), immerhin haben alle Staffeln 27 Stunden Zeit.

Der Lauf begann für die Staffeln um 7:00 Uhr im Jahn-Stadion mit unserer Startläuferin Simone.

 

Ich bin dieses Mal am Verpflegungspunkt in Teltow eingestiegen und habe Martina abgelöst. Das hat schon Tradition, wo wir beide im Süden Berlins zu Hause sind.

Sam und Martina

 

Organisation und Kommunikation

Die größte Herausforderung bei einer 10plus-Staffel ist die richtige Planung: Wer läuft welche Strecke?  Wie viel Zeit braucht er / sie für seine Strecke? Welcher VP ist günstig zum Wechseln? Wie kommt man dorthin und auch wieder weg? Das klingt leichter als gedacht. Ich habe meine 20 km mit sehr großzügigen 2h:20min angeben. Dabei dachte ich vorsorglich schon an die Zeit, die ich an Verpflegungspunkten verbringen werde (Ich habe aus dem letzten Jahr gelernt!!).

Beendet habe ich meine Strecke an der Meierei Potsdam – hier wurde uns leckeres Bier als Belohnung kredenzt!  Dort verbrachte ich nach getaner Arbeit einige Zeit und gönnte mir mit Pankrunnerin Antje das eine oder andere Hopfengetränk. Erwähnte ich schon, dass ich die VPs liebe?? Und das nicht nur wegen des Bieres.

Was man nicht planen kann, ist natürlich die Tagesform und das Wetter. Nach den eher kalten Wochen hatten so manche Körper mit der ungewohnten Wärme zu kämpfen. So verzögerten sich die avisierten Übergabezeiten Stück für Stück um einiges nach hinten.

zeitplan

Plan unser Durchgangszeiten und Wechsel

In der Dunkelheit zu laufen, teilweise auf unbekanntem Terrain, ist sehr anspruchsvoll und hat ebenfalls seine Tücken. Auch das beeinflusst die Durchgangszeit. Die Strecke ist mit Sprühkreide und Leuchtpfeilen markiert und perfekt abgeflattert, so dass man sich nicht verlaufen muss (passiert aber durchaus). Ich bin letztes Jahr im Dunkeln gelaufen und habe den Weg gut gefunden. Trotzdem: etwas unheimlich war es schon, weil nicht mehr viele Läufer unterwegs waren und diejenigen, die auf der Strecke waren, schon ganz schön fertig  waren. Sie hatten ja im Gegensatz zu mir frischer Staffelläuferin schon über 100 km in den Muskeln.

Ich habe da übrigens immer so ein schlechtes Gewisse, wenn ich die Einzelläufer überhole und fühle mich bisschen wie Läuferin 2. Klasse. Aber das ist völliger Unsinn. Keiner der Ultraläufer sah auf mich herab, sondern freute sich über meine guten Wünsche und meine Anerkennung!

strecke

Im Ticker kann man verfolgen, wann die Läufer die VPs passiert haben. Zudem sind alle 10 Teammitglieder permanent in Kontakt miteinander und sagen sich die jeweiligen Zeiten und eventuellen Verzögerungen durch. So vermeidet man zu lange Wartezeiten bei der Staffelübergabe. Überhaupt lebt der Erfolg und Spaß der Staffel von guter Kommunikation.

Wir haben auch den prominenten Einzelläufer Joey Kelly  über den Ticker verfolgt und unser Läufer Ronny hatte den Auftrag für ein Groupie-Selfie. Er kontrollierte tatsächlich brav bei allen Läufern die Startnummer. Nur einer entging dem Groupie-Netz: Er stand in eindeutiger Position an einem Bäumchen, da wollte Ronny nun doch nicht stören. Tja, verpasst. 27 Stunden brauchte Joey übrigens für die 160 km und leider kam er nicht zur Siegerehrung.

Den Lauf beendete für uns Elvira nach langen 21 Stunden, 20 Minuten und 49 Sekunden.

Siegerehrung

Alle Teilnehmer treffen sich am nächsten Tag um 12:00 Uhr zur Siegerehrung und Medaillenübergabe – die Nacht war also kurz, besonders für die Schlussläufer.

Der israelische Ultramarathonläufer Ariel Rozenfeld wurde mit sagenhaften 15:20:48 Stunden Sieger bei den Einzelläufern. Schnellste Frau wurde Tia Jones aus Australien in ebenfalls unglaublichen 17:03 Stunden.

Zum Vergleich: Unsere Staffel mit 10 Leutchen brauchte 21 Stunden!!

Stefans Beitrag

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2 Comments

  • Reply Din Sonntag, der 28. August 2016 at 15:36

    Ach sowas, schade, dass wir uns nicht gesehen haben. Oder nicht wahrgenommen haben. Ich war auch überall – zumindest beim Essen, Race Briefing und der Siegerehrung. Ich bin von Sacrow als 3. Läufer unterwegs gewesen (4er Staffel). Das war schon eine Orga, die einer unserer Läufer übernahm. Eine 10er Staffel ist wirklich eine Herausforderung. Respekt.

    • Carola
      Reply Carola Freitag, der 9. September 2016 at 08:01

      Liebe Din, ja, schade, dass Sam und Du sich nicht begegnet sind. Ich selber hoffe ja auch mal bei diesem geschichtsträchtigen Lauf dabei sein zu können. Wer weiß, vielleicht finde ich ja für nächstes Jahr eine Staffel oder mache selbst eine 🙂

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