Arizona Trail: Part 3 – Ein bisschen Magie

Juli 22, 2019

Die nächsten Tage versprechen wieder heiß zu werden. 25 Grad hören sich erstmal nicht wirklich viel an. Gepaart mit keinerlei Schatten und sengender Sonne möchte man sich aber auch nicht vorstellen, wie es denn bei 30 Grad und mehr ist. Sehr dankbar bin ich für die aktuellen Reports zu den Wasserquellen, die auf dem Weg liegen. Eine algige Kuhtränke erscheint mir schon als purer Luxus, denn kleinere Bäche, die vor ein paar Tagen noch als fließende Quelle gemeldet wurden, sind inzwischen nur noch ein Rinnsal oder gar nicht mehr vorhanden. Wirklich verlassen kann man sich auf den Abschnitten 5 und 6 in Süd-Arizona auf keine Quelle. Aber die Hoffnung wandert mit, denn 8 Liter Wasser für alle Fälle mitzuschleppen, habe ich keine Lust. Zumindest einmal wird es echt eng. Mein Wasser ist alle und die letzten potentiellen Wasser-Caches auf den Trail kreuzenden Straßen waren leer. Eine weitere Hinterlandstraße kreuzt den Arizona Trail. Und dort stehen zum Glück zwei Gallonen mit der Aufschrift „AZT hiker – public“. Ich kann den anonymen Trail Angels gar nicht genug danken.

Weiter geht es bei sengender Hitze. Bei einem Fotostopp meint eine rote Ameise, mich in den Fuß beißen zu müssen. Mein Fuß schwillt auf den nächsten Kilometern ordentlich an und das Gift der Arizona-Ameise quält mich nachhaltig. Erst nachdem rund 20 km geschafft sind, merke ich den Schmerz kaum noch, denn meine Knöchel tun mal wieder viel mehr weh. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Das kann nicht die nächsten 1.140 km so weiter gehen. Ja, genau. 100 Meilen und damit 160 km sind schon geschafft.

Der letzte Kilometer zum Tagesziel aber will nicht vergehen. Alle paar Sekunden schaue ich auf die Uhr und verzweifle daran, dass wieder nur etwa 100 Meter vergangen sind. Der Weg schlängelt sich durch einen Kakteengarten und fühlt sich an, als würde ich im Kreis laufen. Dass die einzige Wasserquelle „Twin Tanks“ weit und breit nur aus einem Matschloch mit äußerst viel Kuhkacke drin und drumherum besteht, ist mir völlig wurscht. Wozu gibt es Wasserfilter? Ich kann jedenfalls keinen einzigen Schritt mehr tun. Humpelnd wird das Zelt aufgebaut, das Abendessen verschlungen und dann haben die Füße endlich wieder Pause.

Erste Trail Magic

Die nächste Etappe verspricht Erleichterung an der Wasserfront. Garantiert fließendes Wasser voraus zu wissen, ist wie Schokomilch im Schlaraffenland! Das treibt voran. Zum ersten Mal nutze ich meinen Trekkingschirm, um mich vor der Sonne zu schützen. Am Highway 83 finde ich in einer Supplybox meine allererste Trail Magic: neben reichlich Gallonen an Wasser gibt es eine Plastikkiste randvoll mit Chipstüten, Riegeln, Keksen. Zeit für eine Pause und einen Eintrag im Trail register zu Chips und Wasser.

Es ist ein guter Tag, denn einige Zeit später komme ich am versprochenen Fließwasser an, dem Las Cienegas Creek. Glasklar fließt er da unter ein paar hohen Bahnbrücken entlang. Eine gute Gelegenheit für eine längst überfällige Ganzkörperwäsche. Und weil es schon recht spät ist, wird auch gleich noch das Abendessen vor Ort gekocht. Die Hamburger Wanderer tauchen auf einmal auf und tun es uns gleich. Ein Vollbad und Abendessen kochen. Eigentlich wollten sie hier zelten, aber das ist rund um den Creek verboten. Viel weiter wollen sie aber auch nicht mehr gehen. Nach dem Essen werden also wieder die Hühner gesattelt und ein geeigneter Zeltplatz gesucht.

Den finden wir wenige Minuten später auf einer Anhöhe mit Blick auf die Bahnschienen. Züge beobachten ist doch lustig. Hätte ich gewusst, dass die Züge die ganze Nacht alle halbe Stunde durchrauschen, hätte ich mir wohl doch was anderes gesucht. Dabei werde ich noch nicht mal durch die ratternden Züge geweckt. Das Zelt steht in Richtung der Signalanlage und leuchtet mir genau ins Gesicht. Ich werde wach, sobald das Licht grün leuchtet und weiß: in 5 Minuten kommt wieder ein Zug. Nie wieder zelten an Bahnschienen. Wieder was gelernt.

Päckchen und Pizza

Völlig unausgeschlafen starte ich in den nächsten Morgen. Den Hamburgern geht es nicht anders. Aber uns alle treibt ein Gedanke voran. Der Gedanke an Pizza und Bier in der Colossal Cave, einem Touristenpunkt, an dem Höhlenführungen angeboten werden. Der dortige Souvenirshop nimmt Pakete von und für Wanderer an. Ich hatte mein Resupply-Paket persönlich vorbei gebracht, die Hamburger hatten sich einiges dorthin schicken lassen. Ohne Pause wandern wir schnellen Schrittes durch den Vormittag und mächtige Saguaro-Kakteen-Felder, die uns ein ums andere Mal zum Staunen bringen.

Gegen 10 Uhr kommen wir bei Colossal Cave an. Zum Glück wird gerade der Pizzaofen angeschmissen. Ich hole mein Paket ab und fange an, einzupacken. Die beiden Hamburger haben richtig Pech. Zwei ihrer Pakete sind nicht angekommen. Ohne Filter und Verpflegung wollen sie nicht weiter laufen und brechen ihre Wanderung, die eigentlich bis Oracle gehen sollte, an diesem Punkt ab. Ganze vier Stunden vergehen in der Colossal Cave, aber irgendwann muss es ja weitergehen. Das Tagesziel am Rincon Creek liegt noch 10 km entfernt. Angeschickert durch das Bier suche ich den Weg zurück zum AZT, treffe eine Kanadierin, die ebenfalls bis Utah gehen will und wir gehen bis zum Ende des Tages zusammen.

Der Creek ist zu einem tiefenden, rasch fließenden Fluss angeschwollen. Weil es am strandartigen Ufer so schön ist, beschließen wir, ein nasses Zelt durch die drohende Kondensation hinzunehmen und schlagen unser Lager hier auf. Am Lagerfeuer sitzend merken wir gar nicht, dass Hiker Midnight lange vorbei ist, bevor wir gegen 23 Uhr in die Schlafsäcke kriechen.

 

 – Weiter zu Part 4 –

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