Kleine Einführung in Bärenkunde – Bärengebiete in Europa & USA

Oktober 23, 2016

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Die Rocky Mountains, der Yellowstone und Yosemite Nationalpark zählen zu den schönsten Ecken der USA. Von der Vegetation, den Granitmassiven und Bergseen durchaus ähnlich den europäischen Alpen, gibt es doch mindestens eine Sache, um die man sich in Österreich und Co. keine Sorgen machen muss: flauschige, aber doch gefährliche Bären.Als ich anfing, meine Reise für diesen November in den Angeles National Forest knapp über Los Angeles zu planen, dachte ich mir: „Gut, dass die Bären nicht so weit nach Süden kommen.“ Irgendwie landete ich dann aber doch auf einer Übersichtskarte für Bärengebiete und nur ein paar Klicks weiter spuckte Freund Google mir zahlreiche Artikel über einen Bärenangriff in genau dem Waldgebiet aus, in dem ich völlig sorglos zelten wollte. Der Übergriff fand erst diesen Juni statt, als ein unbedarfter Wanderer abends in seinem Zelt auf seinem iPad las. Der Bär erwischte ihn durch die Zeltwand hindurch mit seinen Klauen auf der Stirn. 24 Stiche waren nötig, um diese wieder zusammen zu flicken. Das könnte ich sein, dachte ich bei mir. Der Artikel verwies darauf, dass es sich hier um eine statistische Anomalie gehandelt habe, da Bären hier eigentlich nicht auftauchen. Nun wird es den Bären wenig interessieren, wenn ich ihm erzähle, dass er statistisch gar nicht hier sein dürfte. Grund genug, sich doch noch einmal eingehender mit dem Thema auseinander zu setzen.

Irrtum Nummer 1 – Bären gibt’s ja nur „da drüben“

In unserem ersten kleinen Treffen zur Fjällräven Classic-Planung für den nächsten Sommer fiel mehr als Scherz das Wort „Bär“. In jedem Scherz steckt aber doch meist ein Körnchen Wahrheit und ich warf wieder mal die Google-Maschine an. Selbstverständlich ist genau das Gebiet, welches beim Fjällräven durchquert wird, eins oder sogar DAS Gebiet, wo Bären in Europa am häufigsten und regelmäßigsten vertreten sind. War ja klar.

Irrtum Nummer 2 – In Arizona ist den Bären viel zu heiß

Da suche ich mir schon einen Wüstentrail aus und hoffe, nur der Gefahr ausgesetzt zu sein, auf eine bis zehn Klapperschlangen pro Stunde zu stoßen, um dann zu lesen, dass die kleinen Schwarzbärchen sehr wohl auch dort unten rumstromern. Sicher nicht in der Frequenz wie im Norden der USA. Aber wenn sich meine Anziehungskraft auf Quallen genauso auf Bären übertragen lässt, wir mich der einzige Bär im Umkreis von 800 km bestimmt finden und bestenfalls nur an meiner Verpflegung schnuppern wollen.

Bären sind also ein Thema. Und zwar nicht nur für USA-reisende Wanderer, sondern wie ich feststellen musste, auch hier in Europa. Ihr würdet euch wundern, wo die flauschigen Großtiere überall beheimatet sind. Und wisst ihr was? Ich erzähle es euch. In einer Mini-Serie erfahrt ihr:

  • Wo ihr Meister Petz trefft
  • Welche Bärenarten es auf den Wanderwegen der Welt gibt
  • Wie ihr euch in Bärengebieten verhaltet
  • Was ihr tut, wenn ihr tatsächlich mal einem Bären gegenüber steht

Heute geht es gleich los mit den Bärengebieten


Wo treffe ich auf Meister Petz?

Bärengebiete in Europa

Es gab eine Zeit, da waren Bären über ganz Europa verbreitet. Heutzutage hat sich der Lebensraum durch Abholzung für Landwirtschaft und Wohnraum stark reduziert. Nur rund 14.000 Bären leben derzeit in Europa jenseits von Russland. 8.000 davon findet man allein in Rumänien und angrenzende Gebirge. Mit etwa 2.600-2.800 Exemplaren leben etwa gleich viele in Norwegen/Schweden bzw. rund um Österreich, Kroatien und Bosnien & Herzegowina. Damit sind die 14.000 schon quasi voll. Nur ganz vereinzelt gibt es noch Population von teilweise unter hundert Bären in Nordspanien und Italien. Interessant ist zudem, dass 95 % der Bären in Norwegen/Schweden sich auf Schweden begrenzen und hier auf den nördlichen Teil. Auch wenn die Zahl 2.600 nach nicht wenig klingt, bedeutet das im Falle von Schweden gerade mal einen halben bis ganzen Bären auf 1.000 Quadratkilometer.

Für eine bessere Übersicht gibt es eine Karte des WWF dazu.

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Verbreitung der Bären in Europa

Bärengebiete in den USA

Grundsätzlich treiben sich Bären vor allem in den nördlichen Staaten herum, hier vorzugsweise in bewaldeten und bergigen Gebieten wie Kanada, den alpinen Nationalparks wie Yellowstone, Yosemite, Glacier, Grand Teton und den Appalachen. Je weiter südlich du dich aufhältst, um so geringer ist die Chance auf ein Zusammentreffen.

Aber auch wenn sich die Bärenpopulation hauptsächlich auf die nördlichen Gebiete der USA beschränkt, besteht dennoch immer die Möglichkeit, in Staaten wie Florida, Arizona und sogar in Mexiko einem Bären gegenüber zu stehen.
Bei einer geschätzten Anzahl von etwa 450.000 Bären allein in den Kontinentalstaaten (Alaska und Kanada ausgenommen), ist ein Zusammentreffen gar nicht mal selten, im Norden und den dortigen Nationalparks sogar recht wahrscheinlich.

Umso wichtiger ist es daher, zu wissen, welche Arten es dort mit ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen gibt und wie man sich verhält. Das erfahrt ihr im nächsten Teil zur „Kleinen Bärenkunde“.

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Verbreitung der Bären in den USA am Beispiel des am weitesten verbreiteten Schwarzbären

 

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