2. Cross Challenge

November 4, 2013

 

DAS Highlight der Laufsaison! Ich kann sagen, ich hatte lange nicht mehr soviel Spaß wie bei diesem Event. Dazu hat zu einem nicht ganz unerheblichen Teil auch das Spitzenwetter beigetragen. Wer kann Ende Oktober schon 20 Grad Celsius und strahlenden Sonnenschein erwarten?

Ziel-fotosportograf.comDie Startnummernausgabe fand direkt vor der Veranstaltung auf dem Gelände statt. Einen der begrenzt verfügbaren Parkplätze hatte ich mir bereits bei der Anmeldung im Mai gesichert. Nur die Kleiderabgabe suchten meine Begleiter und ich vergeblich. Es gab einfach keine. Also zurück zum Auto, Wertsachen, Handies und Wechselklamotten verstaut.

Kurz vor zehn begaben wir uns zum Start. Auf den Startnummern verzeichnete Startblöcke gab es nicht. Dafür wurde die Meute an Challengern durch Absperrgitter für den Wellenstart aufgeteilt. Mit Rammstein wurde die Masse angeheizt und um zehn fiel der Startschuss für die erste Welle, schwarzer und pinker Rauch (symbolisch für die 26,6 km lange Black Lane und die 13,3 km lange Pink Lane) stieg auf. Im Zwei-Minuten-Takt wurden weitere Gitter geöffnet und um 10:12 Uhr durfte ich die Challenge antreten.

Los ging es durch Wald und Wiese und die ersten, durch nächtlichen Regen gefüllten, Wasserlöcher, denen man aber noch ausweichen konnte, wenn man denn wollte. Als nächstes wurde durch Sand gelaufen. Tiefen Sand. Und über Hügel hoch und runter. Ich möchte meinen, die ersten vier Kilometer waren die anstrengensten. Danach eine lange Erholungspause am ersten Hindernis, dem “Schlammpagner”. Hier hatte sich eine regelrechte Traube an Läufern gebildet, die nur darauf wartete, endlich auf die Strohballen zu klettern, sich bis zum Bauchnabel tief in Wasserkübel hinab zu lassen und gleich danach unter Tarnnetzen auf dem Bauch durch den Matsch zu robben. An dieser Stelle dachte ich nur: “Das kann doch nicht euer Ernst sein, dass ich jetzt, wo ich noch über 9 km vor mir habe, bereits pudelnass werden soll” Oh ja! Es war deren Ernst. Also rauf auf den Strohballen, rein in den Wasserkübel und ab durch den Matsch… Und ich sah das erste Mal aus wie Sau. Warum genau hatte ich mir wasserdichte Laufschuhe angezogen? Ach ja, damit das Wasser, welches erstmal drin ist, nicht mehr raus kann!

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Ein paar hundert Meter wartete der erste Verpflegungspunkt. Auch hier sah ich Dinge, die so ganz anders waren als bei anderen Wettkämpfen. Es gab nicht nur Wasser, sondern auch Cola, Obst und Salzstangen. Und hier wie auch an den anderen Verpflegungspunkten blieben die Teilnehmer einfach mal stehen, um genüsslich ihre Bananen und Orangen zu essen und ein kleines Schwätzchen zu halten. Kein hektisches Wasserhinunterschütten und weiter, stattdessen den Wahnsinn genießen und Spaß haben.

Jetzt hieß es aber erst einmal Kilometer Schrubben. Zwischendurch mal wieder über einen Strohballenberg geklettert, durch einen Reifen geschwungen, unter einem Netz durchgekrochen, über ein Holzgerüst gesprungen, an einem Seil hoch gezogen. Und fleißig weiter gelaufen. Meine Mitläufer hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Stattdessen wurde ich teilweise von Teilnehmern und sogar Sanitätern erschrocken angesprochen, ob es mir gut ginge. Mein Zombiekunstblut war offensichtlich sehr realistisch. Zu sehr vielleicht. Nächstes mal also übertrieben mehr!

Ungefähr ab Kilometer 11 konnte ich langsam wieder Rammstein hören. So fern konnte das Ziel also gar nicht mehr sein. So nah und doch so fern, wenn man bedenkt, was jetzt noch alles kam. Ein sich schlängelnder Parcours mit der Hauptzahl an Hindernissen versprach auf den letzten zwei Kilometern noch einmal alles von den Challengern abzuverlangen. Angefangen mit einer Runde Sandsack schleppen, über Reifen und Felsen springen und einen wirklich steilen Abhang hinaufkeuchen, bei dem dankbar die Bäume zum Hochziehen genutzt wurden. Dann befand man sich quasi fast auf der Zielgeraden. Aber wirklich nur fast, denn es folgte die Garantie, wirklich vollkommen dreckig wie Sau im Ziel anzukommen.

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Vollständig im Morast versanken meine Schuhe dann im Schlammloch. Beim Herausziehen fühlten sie sich an meinen Füßen mindestens doppelt so schwer an und waren als Schuhe irgendwie nicht mehr zu erkennen. Daher freute ich mich schon fast über das folgende Hinderniss: das Wasserloch, welches eigentlich nur aus einer schlammigen Brühe bestand. Eine Stange direkt über der Wasseroberfläche sagte es an sich schon: Hier gehts darunter durch und nicht darüber. Ich dachte nur:”Ihr wollt, dass ich tauche? Da durch? Klar, mach ich doch!” Wer hiernach nicht triefend nass war, hat geschummelt. Und gerade weil man so schön nass war, durfte natürlich die nächste Kriechpassage nicht fehlen, um sich völlig zu panieren.

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Sich einmal wieder wie ein Kind bei IKEA oder McDonald’s fühlen konnte man im Bällebad. Hineinspringen und Durchwühlen war angesagt. Und dann, nach ein paar schlammigen Metern und einer zu überwindenden Holzwand, war ich plötzlich im Ziel. Nach fast zwei Stunden, die mir vorkamen, als wären sie im Flug vergangen. Was für ein unglaublicher Spaß! Ich war so nass, so dreckig, fühlte mich aber klasse. Im Ziel gab es Verpflegung und Plastikdecken als Kälteschutz, zusätzlich Feuerstellen, um sich aufzuwärmen. Meine Holzmedaille nahm ich dreckig wie Sau, aber stolz wie Bolle an.

Die Cross Challenge wird bei mir einen festen Platz in der Laufsaison einnehmen! Wo sonst kann man sich legitimiert so schön einsauen und bekommt dafür noch eine Medaille?

Meine Zielzeit: 1:59:58 (aber wen interessiert bei diesem Rennen schon die Zeit?)

Mein persönliches Streckenrating:

Teilnehmerzahl: Die Teilnehmerzahl ist auf 1.500 Läufer begrenzt. Und das ist auch berechtigt und sinnvoll, da es sich angesichts der Hindernisse nicht um eine Strecke handelt, die kontinuierlich durchgelaufen werden kann. Vor allem am ersten Hindernis, dem “Schlammpagner”, kann man schon mal eine viertel Stunde im “Stau” stehen. Und das, obwohl der Start in einigen Wellen mit ca. 2 Minuten Abstand gestaffelt ist.

Nach dem ersten Hindernis entspannt sich die Lage wieder, nur an Stationen, an denen das Tempo deutlich reduziert wird (z. B. durch Kriechpassagen), hat man wieder Zeit, sich ein wenig zu erholen.

Attraktivität: Die Strecke führt über einen Truppenübungsplatz, der ansonsten für die Allgemeinheit gesperrt ist. Rechts und links befindet sich teilweise vermintes Gelände. Die Laufstrecke ist sandig, waldig, schlammig, nass. Zu diesen natürlichen Herausforderungen finden sich zahlreiche extra für das Event aufgebaute Hindernisse. Mit anderen Worten: ein Spielplatz für Erwachsene!

Schwierigkeitsgrad: Es ist nunmal die Cross Challenge. Befestigte Straßen sucht man hier vergeblich. Tiefer Zuckersand, natürliche und künstliche Steigungen gespickt mit fiesen Hindernissen zum Klettern, Kriechen, Springen und Schwimmen (!) lassen erahnen, dass eine gewisse Grundkondition vorhanden sein sollte. Wem die Zeit egal ist – und das geht den meisten hier so – der geht einfach mal ein paar Meter und erholt sich an den Verpflegungspunkten.

Verpflegung: Insgesamt drei Verpflegungspunkte (nach 4,5 km, 9 km und im Ziel) hielten die Challenger bei Laune und wurden rege frequentiert. An allen Punkten wurde Wasser, Zitronentee, warmer Tee, Cola, Bananen, Orangenscheiben und Salzstangen angeboten. Im Ziel gab es zudem alkoholfreies Bier.

Gegen Entgelt konnte Gegrilltes und alkoholhaltige Getränke für den hungrigen Magen erworben werden.

Bewachte Kleiderabgabe: Nein! Es standen lediglich zwei Umkleidezelte zur Verfügung, in denen man unsortiert und unbewacht seine Habseligkeiten abstellen konnte. Bei einem derartigen Lauf, bei dem man angesichts des Schlammes und Wasser nichts mitnehmen kann, eigentlich ein Unding. Fast jeder hat heutzutage ein Handy dabei und frische Sachen zum Umziehen gehören bei diesem Lauf auch zum Must-have. Von daher und angesichts der hohen Startgebühr ist es mir nicht begreiflich, warum keine Kleiderabgabe angeboten wird.

Wir haben unsere Sachen daraufhin im Auto gelassen, welches auf einem ca. 500 m weit entfernten (für 5 € gebuchten) Parkplatz abgestellt war. Für Teilnehmer, die jedoch ohne Auto anreisen, ein Problem!

Auszeichnung: persönliche Urkunde zum Download und eine schöne Finisher-Medaille aus Holz

Zudem ein Funktionsshirt mit dem Motto der Cross Challenge anlässlich des Jubiläums zum 50. Cross County-Lauf.

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Cross Challege, 13k, Quelle: runtasti

2. Cross Challenge, 2013

2. Cross Challenge, 2013

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2 Comments

  • Reply XLETIX Challenge Berlin 2015 (ehem. KrassFit) | Carola's Blog Friday June 5th, 2015 at 11:58 PM

    […] erste Hindernislauf in 2015 und gleichzeitig insgesamt mein zweiter, nach der Cross Challenge 2013, überhaupt. Meine Jungs hatten es dennoch gut gemeint und unser Team gleich für die L-Distanz mit […]

  • Reply XLETIX Challenge Berlin 2015 (ehem. KrassFit) | Earn your bacon Thursday October 29th, 2015 at 03:57 PM

    […] er erste Hindernislauf in 2015 und gleichzeitig insgesamt mein zweiter, nach der Cross Challenge, überhaupt. Meine Jungs hatten es dennoch gut gemeint und unser Team gleich für die L-Distanz mit […]

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