Wandern in den Badlands: Sage Creek Wilderness

November 4, 2015

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Die Planung – Wandermöglichkeiten erschließen

Der Badlands Nationalpark in South Dakota ist einer der wenigen Nationalparks, der zwar flächenmäßig sehr groß ist, aber nur sehr wenig ausgewiesene Wanderwege, hier genannt Trails, bietet. Schaut man auf die offizielle, vom Nationalpark-Service ausgegebene Karte, gibt es nur zwei längere: den Castle Trail und den Medicine Root Trail.

Beide liegen direkt nebeneinander und überschneiden sich an einigen Punkten sogar. Die sechs weiteren Trails sind meist weit kürzer als einen Kilometer und im selben Umkreis wie die vorgenannten – im Nordosten des Parks. Wer mehr will, muss also kreativ werden.

Da der Park so viel mehr bietet und erkundet werden will, kann man auf eigene Faust das Hinterland, das in Nationalparks als Backcountry bezeichnet wird, erkunden. Für eine zweitägige Wandertour mit Zwischenübernachtung im Zelt hatte ich mir über Blogs und die Seite des Backpacker-Magazins eine Route ausgesucht, die in die sogenannte Sage Creek Wilderness führt. 35 km lang sollte die Rundtour durch die Berge der Badlands und Prärie die Schönheit des Nationalparks für Wanderwütige präsentieren. Als Übernachtungsmöglichkeit waren die Grasslands vorgesehen. Weite Grasflächen, auf denen morgens und abends die Büffel grasen. Ein in vielen anderen Nationalparks notwendiges Permit, eine Erlaubnis zur Übernachtung, braucht es in den Badlands nicht. Vorausgesetzt wird nur, dass man nicht in Sichtweite von Wanderwegen campt. Einziger Haken: es gibt auf dieser Tour keine verlässliche Wasserquelle. Flüsse und Bäche in dieser Gegend führen so sedimentreiches Wasser, dass es nicht trink- oder filterbar ist. Der Filter würde in kürzester Zeit verstopfen.

Für eine Tageswanderung sollte man pro Person etwa 4 Liter Wasser einplanen. Dazu kommt das Wasser, welches man für die Zubereitung (warmer) Speisen benötigt, also etwa 1 Liter pro Tag. Für die Zwei-Tages-Tour muss man also etwa 9 Liter Wasser mitschleppen. 9 Kilo für Wasser zusätzlich zur kompletten Wander- und Campingausrüstung. Meine groben Überschlagungen ergaben ein ungefähres Gesamtgewicht von 17 Kilo in meinem Rucksack. Uff! So der Plan.

Nun sind Pläne grundsätzlich da, um geändert zu werden. Und dieses Schicksal traf auch die Badlandstour. Eine Erkältung hatte sich pünktlich zu Urlaubsbeginn gedacht, sie wolle auch mal die schöne Gegend sehen und mich als ihren Wirt auserkoren. Entsprechend schlapp fühlte ich mich einen Tag vor der Tour und fragte mich, wie ich in diesem Zustand die vielen Kilos über soviele Kilometer schleppen sollte. Wäre dieser Trip am Ende des Urlaubs gestanden, hätte ich es vermutlich trotzdem versucht. Da ich aber nicht riskieren wollte, den Rest der Reise in der Horizontalen zu verbringen, wurde schweren Herzens die Entscheidung gefällt, aus dem Zwei-Tages-Trip nur einen zu machen. Das hieß, es war weniger Wasser zu tragen und statt kompletter Campingausrüstung nur Tagesbedarf. Und gewandert würde werden, so weit die Füße und der restliche Körper eben mitmachen.

Hast Du ein GPS-Gerät? Nutze es!

Startpunkt für die Tour blieb der Conata-Rastplatz an der Conata Road (509). Wegen Bauarbeiten war die Zufahrt zum Rastplatz gesperrt, man konnte aber ganz in der Nähe parken. Nur ein einziges Auto parkte zum Startzeitpunkt auch dort. Es war also nicht viel Betrieb zu erwarten. Auf dem Rastplatz selbst stand eine Box mit der Aufschrift „Backcountry Registration“. Eine Liste fand ich darin mit Eintragungen von Wanderern, die sich zuvor auf den Weg gemacht hatten. Pro Tag waren maximal zwei Einträge verzeichnet, quasi eine Garantie für Einsamkeit. Alle letzten Eintragungen zeichneten „Deer Haven“ als Zielpunkt der Wanderung aus. Die geplante Zwei-Tages-Route hatte ich mir zuvor auf mein GPS-Gerät geladen und konnte sehen, dass Deer Haven ein Wegpunkt darauf war. Warum nicht? Ich trug also ebenfalls Deer Haven ein. Keine zwei Meter nach der Registrierungsbox warnte ein Schild vor Klapperschlangen. In dem grasigen Gebiet war die Wahrscheinlichkeit, auf Schlangen zu treffen, gar nicht mal gering.backcountry_register

Auf ging es in die Badlands. Das Wetter war für diesen September-Tag als durchwachsen mit Regen angesagt. Noch schien zumindest die Sonne. Den ersten Teil der Route hatte ich mir grob eingeprägt. Ein wenig geradeaus und dann dem ausgetrockneten Flussbett folgen. Solange konnte ich mein GPS-Gerät ja ausgeschaltet lassen. Das Flussbett führte geradewegs Richtung der schroffen Hügellandschaft, die die Badlands ausmacht. Spitzkuppen in Pastelltönen ziehen sich kilometerweit durch das Land und tauchen es in Vanillegelb und zartes Rosa. Schon inmitten der Hügel angekommen, teilte sich auf einmal das Flussbett. Zeit, mal auf das GPS zu schauen. Der Blick darauf offenbartem, dass es weit früher an der Zeit gewesen wäre, zu checken, ob der Kurs noch stimmt. Nach einigem Scrollen auf dem winzigen Bildschirm fand ich die Route… und ich befand mich gerade ganz weit weg davon.

Was nun? Umkehren und zum Punkt zurück, an dem ich vom Kurs abgewichen war? Die digitale Karte ließ mich hoffen, dass wenn ich eine bestimmte Richtung einschlage, ich wieder auf der Route lande. Nur lagen in dieser Richtung Hügel. Klettern also. So ein paar Hügel sollten doch nicht das Problem sein. Zumindest wäre ein Überblick von dort oben zum Einschätzen der Lage hilfreich. Der Himmel zog sich langsam zu, aber ich hoffte, die Kletterpartie vor Eintreffen der Schlechtwetterfront hinter mich bringen zu können.


Hoch ging es! Beim Hochklettern merkte ich bereits, wie porös die Schicht war, die die Hügelkette bedeckte. Krümeligster Lehm, der beim sich beim bloßen Drauftreten löste und nach unten abrutschte. Oben angekommen ergab sich ein Bild, das gemischte Gefühle bei mir auslöste. Die Aussicht war atemberaubend. Eine endlose Hügellandschaft, die sich bis über den Horizont erstreckte, aber gleichzeitig Ernüchterung brachte. Hierüber führte keine Abkürzung zurück zur Route. Es blieb demnach nur, zum Punkt des Abweichens zurück zu gehen.

badlands_obstaclesAber erstmal musste ich wieder von diesem Hügel herunterkommen. Leichter gesagt als getan. Von oben sahen die Dinge doch ganz anders und viel steiler aus. Und dass die Oberfläche einfach unter den Füßen wegrutschte, half nicht wirklich weiter. Eine kleine Schneise sah vielversprechend aus und nach einem kurzen Test stellte mein Lebenspartner fest, dass man den Schuh in den bröckeligen Lehm stoßen und so Halt bekommen konnte. Er ging vor, ich wollte nachfolgen. Nachdem er unten angekommen war, versuchte ich mich an den ersten Metern. Leider hatte er bei seinem Abstieg die Schneise komplett von Lehm geräumt, so dass an der ideal Stelle nur noch eine blanke, rutschige Oberfläche war. Ich versuchte daher ein wenig neben der Schneise herunter zu klettern. Der Lehm war hier jedoch so verharrscht und dünn, dass ich meine Schuhe nicht richtig hinein stecken konnte. Alles rollte und rutschte unter mir. Die kleinen Büschchen, die ich in meiner Verzweiflung griff, rissen einfach aus. Ich klebte also dort oben am Hügel, konnte weder vor noch zurück. Wie eine Katze, die auf den Baum geklettert war und jetzt heulend dort oben saß.

badlands_hillMeine Beine fingen an zu zittern und jeder Tritt wurde unsicherer. Mit jeder Bewegung ging eine kleine Steinlawine unter mir ab. Es waren eigentlich nur ein paar Meter. Für mich ein paar zuviel in dieser Situation. Zentimeter für Zentimeter krebste ich zittern weiter, aber der Grip unter meinen Füßen wurde immer schlechter. Irgendwann passierte, was passieren musste. Ein Fuß rutschte, der andere hinterher. Meine Hände versuchten sich ins Gestein zu krallen und so sahen sie nach den Metern, die ich einfach nur noch hinab purzelte, auch aus. Mit einem gehörigen Schrecken, aber weitestgehend unversehrt kam ich unten an. Und schwor mir, das nicht wieder zu tun. Und mein GPS-Gerät zu nutzen, auch wenn ich denke, genau zu wissen, wo ich bin.

Zurück zum eigentlichen Weg

Etwa 3 km, über zwei Stunden Zeit und einige Nerven hatte das Verlaufen gekostet. Aber so waren wir immerhin direkt in und auf den Badlands gelandet. Immer positiv denken.

Zurück auf Kurs folgte ich nun strikt meinem GPS. Das führte erst über fast unbewachsene Flächen und auf einmal wurde das Gras höher und höher und der Himmel fast schwarz. Wind und Sturm legten los und der einsetzende Regen gab sein übriges dazu. Ein kurzer Blick und es war klar: das hält doch einen Wanderer nicht auf. Hardshell-Jacke an, Regenhülle über den Rucksack, Fotoapparat verstaut. Weiter. Ein ausgetretener Pfad wies an vielen Stellen den Weg. An anderen folgte ich nur noch der digitalen Karte, wenn der Weg vor lauter Gras nicht erkennbar war. Gras, bei dem man bei jedem Schritt darauf hoffen musste, den Fuß nicht auf eine Klapperschlange zu setzen. Nach der Überquerung einer großen, weißsandigen Ebene, die vor Ewigkeiten wohl einmal ein mächtiger Fluss gewesen war, kam Deer Haven in Sichtweite. Einer der wenigen Orte in den Badlands, in denen größere Baumbestände zu finden sind.

Blick auf Deer Haven

Deer Haven

Um nach Deer Haven zu gelangen, musste ich auf ein neues die Badlands-Formationen erklimmen. Doch diesmal folgte ich ja brav dem GPS, welches einen bequemen Weg hinauf zeigte. Oben angekommen war das Gras knietief und ich stand in einem Wäldchen aus Wacholder. Wacholder, der hier völlig anders aussieht als im gemäßigten Europa. Wohingegen der europäische Wacholder satt, grün und buschig daherkommt, sind die hiesigen Bestände mittelgroße, trockene, sich krümmende bizarre Baumgestalten. Für einen grandiosen Überblick über die Prärie ging es noch ein Stück höher, hinaus aus dem Wäldchen. Unwegsam, so würde ich den kleinen Abschnitt hinauf am ehesten bezeichnen. An der schroffen Kante, die erklommen werden wollte, musste erst einmal ein Punkt ausgemacht werden, der einen Aufstieg ermöglichte. Nachdem ich diesen gefunden hatte und mich ans Klettern begab, merkte ich schon wieder, wie die Steine unter mir wegrutschten. Egal. Über den Rückweg würde ich mir später Gedanken machen.badlands spalte

Alle Mühen wurden durch den wunderschönen Ausblick von dort oben belohnt. In ganz weiter Ferne konnte man eine Herde Kühe ausmachen. Ansonsten gab es nur die Badlands-Formationen und Prärie, unter mir die Bäume von Deer Haven. Den Rest füllte der inzwischen wieder blaue, von ein paar hellen Wolken geschmückte Himmel aus.badlands view

Da die Zeit schon recht weit voran geschritten war, sollte dies der weiteste Punkt an diesem eintägigen Trip sein, den man noch erreichen konnte, ohne im Dunkeln zurück gehen zu müssen. Eine knappe dreiviertel Stunde Pause, Trail Mix und Energieriegel gab es zur Stärkung und als Belohnung. Vor dem Antritt des Rückwegs konnte ich aber nicht darauf verzichten, noch einen sehnsüchtigen Blick in die Richtung zu werfen, in die es eigentlich auf der Zwei-Tages-Tour noch hätte weitergehen sollen. Es wäre sicher ein tolles Abenteuer geworden.top_badlands

Der Abstieg war erwartet interessant. Alles bewegte sich unter meinen Füßen schneller als mir lieb war. Ich versuchte erneut, nicht selbst wie die Steinchen unter mir ins Rollen zu geraten. Das gelang mir diesmal auch ganz gut. Als es doch ein wenig zu steil und rutschig wurde, ließ ich mich einfach in die Äste eines Baumes fallen. Ich mag Natur!

Der Rückweg verlief zur Abwechslung unspektakulär. Das Wetter zeigte noch einmal, welch herrliche Kontraste es hervorbringen konnte: dunkelblaue bis tiefgraue Wolken verdunkelten den Himmel, während die Sonne von der anderen Seite die Formationen hell erstrahlen ließ.

Ohne Schlangenbisse oder sonstige Blessuren kam ich zufrieden nach guten sechs Stunden und 15 km wieder am Auto an. Erschöpft, aber zufrieden. Als kleinen Ausgleich für den Verzicht auf die Übernachtung in der Wilderness hatte ich den primitiven Sage Creek Campground auf der Karte entdeckt, an dem bei Ankunft kurz nach Sonnenuntergang tatsächlich Bisons grasten und in der Nacht die Kojoten heulten. Für einen Plan B nicht schlecht!

Quelle: runtastic, Open Street Map

Quelle: runtastic, Open Street Map

Quelle: runtastic, Open Street Map

Quelle: runtastic, Open Street Map

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