Bärenarten in Europa & USA – Wo begegne ich wem?

November 16, 2016

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Im letzten Beitrag zur „Kleinen Bärenkunde“ habe ich euch schon einmal mit den Gebieten vertraut gemacht, in denen Bären überhaupt vorkommen. Dabei habe ich mich auf die Lebensräume beschränkt, die für Wanderer hauptsächlich interessant sind. Die Arktis und Grönland beispielsweise zähle ich nicht direkt zum Most-Wanted-Ziel der Wanderergemeinde, daher lasse ich auch mal den Eisbär in der folgenden Beschreibung der Bärenarten außen vor.

Welche Bärenarten gibt es in den Gebieten?

Europa

Die einzige in Europa beheimatete Bärenart ist der Braunbär, genauer gesagt der Eurasische Braunbär. Wie der Name schon sagt, ist seine Fellfarbe hauptsächlich braun, je nach Region aber auch rötliche bis blond. Im Vergleich zu seinem nordamerikanischen Verwandten ist er sehr viel kleiner.

Braunbären sind Einzelgänger und durchstreifen auf der Suche nach Nahrung oft 100 und mehr Quadratkilometer große Gebiete. Meist sind sie in der Dämmerung unterwegs, in menschenarmen Gebieten auch tagsüber. Obschon sie Fleischfresser sind, besteht ihre Kost zu dreivierteln aus Pflanzen wie Obst, Nüssen und Wurzeln. Neben Fisch erbeuten vor allem skandinavische Braunbären auch Wildtiere wie Elchkälber.

Durch die geringe Verbreitung und das natürliche Fluchtverhalten vor Menschen sind Übergriffe auf Menschen in Europa nur sehr selten. Im 20. Jahrhundert wurden nur zwei tötliche Angriffe in Europa verzeichnet, beide in Skandinavien. Das ist für uns Fjällräven-Classic-Reisende nicht unbedingt beruhigend.

USA

In den Gebieten, in denen Wanderer und Urlauber hauptsächlich unterwegs sind, kannst du zwei Bärenarten begegnen:

Grizzlybär

Die hiesigen Vertreter zählen zu den Braunbären mit der Unterart Grizzly. Genau, das sind die, die immer so gern in Gruselfilmen auftauchen. Im Gegensatz zum Eurasischen Braunbären sind sie um einiges größer und tatsächlich auch aggressiver, so dass die Zahl der Angriffe (mit tödlichem Ausgang) hier deutlich höher ist als in Europa. Ihr Erscheinungsbild ist kräftig, mit Fellfärbung von braun, rotblond, blond bis fast schwarz. Ein Buckel aus Muskeln ist ein eindeutiges Erkennungszeichen des Grizzlys. Seine Ohren sind klein und rund, die Krallen hell gefärbt.

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Wie sein europäischer Verwandter ist der Grizzly Fleischfresser mit einem großen Anteil pflanzlicher Nahrung. Die größten Chancen einem Grizzly zu begegnen, hat man in den nördlichen Bundesstaaten der USA sowie den nördlichen Nationalparks bis Yellowstone. Sein Hauptverbreitungsgebiet ist allerdings Alaska und Kanada. Von etwa 50.000 Grizzlys leben nur ca. 1.200 in den USA. Die Wahrscheinlichkeit, der anderen hier beheimateten Bärenart zu begegnen ist viel größer.

Schwarzbär

Mit gut 300.000 Exemplaren allein in den USA ist der Schwarzbär sehr viel öfter anzutreffen als der eben erwähnte Grizzly. In den nördlichen Staaten überschneiden sich ihre Lebensräume, die Verbreitung des Schwarzbären zieht sich jedoch bis hinunter nach Mexiko.

Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Fellfarbe grundsätzlich schwarz. Jedoch gibt es auch gar nicht selten Schwarzbären, die ein zimtfarbenes bis sogar blondes Fell aufweisen. Je weiter südlich, desto heller der Schwarzbär. Im Gegensatz zum Grizzly sind Schwarzbären kleiner, haben längere, spitzere Ohren, einen geraden Rücken ohne einen Muskelbuckel und dunkle Krallen. Einen direkten Vergleich zwischen den beiden Arten findest du hier.  Zwischen beiden Arten unterscheiden zu können, ist dann wichtig, wenn du einmal einem Bären gegenüberstehen solltest. Denn die Reaktion auf einen möglicherweise angreifenden Bären ist grundverschieden zwischen Grizzly und Schwarzbär. Aber dazu komme ich in einem späteren Artikel noch.

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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Begegung?

Wie der Anwalt sagen würde: es kommt drauf an! In Europa ist die Wahrscheinlichkeit, einem Braunbären zu begegnen, schon allein wegen der geringen Dichte recht niedrig. Zudem sind die Tiere scheu und vorwiegend nacht- bzw. dämmerungsaktiv. Eine Begegnung ist demnach hier recht unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

In den USA sieht es da schon anders aus. Mit einer Dichte von über 300.000 Bären hat man gute Chancen, einem von ihnen mal über den Weg zu laufen. Je nördlicher das Wandergebiet, desto höher die Begegnungswahrscheinlichkeit. In Nationalparks haben sich Bären schon teilweise an den Menschen gewöhnt und ihre natürliche Scheu verloren. Nicht selten sind sie deshalb auch in Menschennähe auf Nahrungssuche.

So unwahrscheinlich eine Bärenbegegnung in manchen Gebieten auch sein mag, so sollte man dennoch Vorkehrungen treffen und wissen, wie man sich in Bärengebiet verhält – bevor und wenn man einem von ihnen gegenüber steht. Das gibt es dann im dritten Teil zur kleinen Bärenkunde.

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