Darwin Falls: Wie Du den einzigen Wasserfall im Death Valley findest

November 18, 2015

darwin falls trail carola keßler

Als ich 2012 schon einmal im Death Valley zu Besuch war, sah ich den Nationalpark wie ihn wohl die meisten Besucher sehen: eine trockene, brütend heiße, salzige Sandwüste. Dass es hier ganze Wälder von Joshua-Trees und Nadelbäumen gibt, Rehe und Kaninchen, habe ich erst viel später im Oktober 2015 erfahren. Und ja, sogar ein Wasserfall ist im Death Valley versteckt. Auf der Suche nach einer Wanderung, die man auch im heißen Sommer überlebt, hatte ich mich von ModernHiker inspirieren lassen, der die Darwin Falls in seinem Blog beschrieb. Nur eine Meile (1,6 km) sollte es demnach vom Parkplatz zu den Wasserfällen sein.

darwin falls dirtroad

Am 3. Oktober fuhr ich also auf der 190 nach Westen, an Panamint Springs vorbei. Kurz danach ging links eine kleine Schotterstraße ohne Beschilderung ab. Aus der Beschreibung von Modern Hiker musste dies die richtige Straße sein. Erst einige hundert Meter weiter fand ich ein Schild, das Darwin Falls als Ziel auswies. Weiter 4 km fuhr ich bis zu einem kleinen Parkplatz, auf dem nur ein Auto parkte. Es schien also recht ruhig zu sein. Kein Wunder. Die Darwin Falls sind zwar auf der offiziellen Parkkarte verzeichnet, aber weder beworben noch von der Hauptstraße aus sichtbar ausgeschildert.

darwin falls parking lot

darwin falls start

Der Weg führte zunächst durch ein trockenes Flussbett in den Canyon hinein. Von Wasser, geschweige denn Wasserfall keine Spur. Nach einer guten viertel Stunde Wandern dann die ersten Rinnsale. Und es wurde auf einmal merklich grüner im Tal des Todes.

darwin falls runnel

Ehe ich mich versah, stand ich schon in einem kleinen Wald aus hohen Büschen und Bäumen. Je weiter der Weg in den Canyon hinein führte, umso dichter wurde die Vegetation. Der Trail verlief durch kniehohes Gras. Im Hintergrund ragten die kargen, schroffen Felsen des Death Valley als krasser Kontrast  empor.

darwin falls trail

darwin falls oasis

Als ich dachte, es könnte nicht mehr kontrastreicher werden, musste ich mir den Weg vorbei an einem kleinen Teich mit Schilf bahnen. Rote Libellen schwirrten munter hier herum, als sei das in dieser sonst so lebensfeindlichen Gegend völlig selbstverständlich.

darwin falls dragonfly

An mancher Stelle war der Weg nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Spätestens nach ein paar Metern merkte ich aber, ob ich die richtige Richtung gewählt hatte oder plötzlich vor einer Felswand stand. Dort, wo die Felsen ein Weiterkommen ermöglichten, war ab und an auch Klettern angesagt.

darwin falls rocky trail

Wenig später hatten sich die Rinnsale zu dem entwickelt, was ich zu finden gehofft hatte: Wasserfälle. Zunächst noch ganz kleine Kaskaden, die aber mehr versprachen. So richtig konnte ich immer noch nicht glauben, was ich hier sah.

darwin falls waterfall

Nach ziemlich genau einer Meile war er dann möglich, der Blick auf die Darwin Falls. Was den Wasserfällen an Größe fehlt, machen sie durch ihre Einzigartigkeit wett. Eine idyllische Oase inmitten der Sand- und Steinwüste des sechstgrößten Nationalparks der USA. Mit 13.628 km² ist das Death Valley fast so groß wie Schleswig-Holstein. Bestünde das Bundesland nur aus Wüste und gäbe es versteckt im Hinterland nur einen einzigen Wasserfall, wären es die Darwin Falls.

darwin falls

Mir schoss der Gedanke durch den Kopf, ob das Wasser aus einer Leitung käme, die irgendjemand zu irgendeinem Zweck dorthin gelegt haben mochte. Sicherlich nicht, um Touristen anzulocken. Dafür wird dieser Ort viel zu gut versteckt gehalten. Also suchte ich einen Weg, auf den Wasserfall zu gelangen. Der einfachste Weg schien mir über die Felsen der linken Seite zu sein. Und mit einfach meine ich nicht spazieren gehen.

darwin falls climbing

Mehr als einmal blieb mir beim Blick nach unten das Herz stehen, wenn ich nicht wusste, wo ich als nächstes den Fuß hinsetzen sollte. Ich schaffte es nach oben und setzte mich genüsslich zum Kühlen der Füße auf einen Stein im Wasserfall. Die Neugier trieb mich weiter, die Spur des Wassers zu verfolgen. Einige wenige hundert Meter weiter fand ich eine weitere Felsstufe, über die sich das Wasser in ein kleines Becken in die Tiefe stürzte.

darwin falls upper waterfall

Ich wollte noch höher, hatte aber zwei Probleme: meine Schuhe hatte ich wegen meiner nassen Füße beim unteren Wasserfall stehen lassen und mein Mut, die glatten Felsen ohne richtigen Halt weiter nach oben zu klettern, verließ mich spontan. Mit dem Gedanken, den wahrscheinlich unglaublichsten Platz im Death Valley gefunden zu haben, begab ich mich zufrieden wieder auf den Rückweg. Dass es einen Weg nach oben gegeben hätte, las ich erst am nächste Tag. So oder so wären schwierigste Kletterpassagen dabei gewesen. Schuhe hätte ich beim nächsten Versuch sicher dabei. Ob mein Mut dann auch an Bord ist, weiß ich allerdings nicht.

Map_Logo

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply