Welcher wofür? – Den richtigen Rucksack finden

Oktober 5, 2016

Zum Event Dein-Ostseeweg habe ich sie wieder in allen Farben, Formen und auch Größen bewundern können: Rucksäcke. Vom kleinen 15 Liter Rucksack bis zum Trekkingmonster mit  50 und mehr Litern Fassungsvermögen war alles mit dabei. Und das, obwohl für alle Teilnehmer die gleiche Herausforderung bestand – 100 km in 24 Stunden wandern. Natürlich war „der ideale Rucksack“ auch wieder Thema während des stundenlangen Marsches. Welcher ist zu klein, welcher zu groß, welcher genau richtig?

Ich persönlich habe mehr Rucksäcke, als vermutlich notwendig. Ein älteres Modell des ACT Trail SL 20 Liter für Tageswanderungen (zu denen auch die 100 km in 24 Stunden zählen), einen  mit 35+10 Litern für bis zu 3-Tagestouren, einen zum Inlineskaten (für die großen Touren), einen für Klettersachen, einen für Hindernisläufe und anderes. Und trotzdem brauche ich schon wieder einen neuen: für die geplante Fjällräven Classic-Wanderung nächsten August und für den Arizona Trail, wo ich über Tage und Monate meine komplette Ausrüstung mitnehmen werde.

Aber wie finde ich mich nun im Rucksack-Dschungel der vielen Hersteller und Modelle zurecht? Welcher ist der richtige für welche Aktivität? Um die Auswahl auf wenige Modelle einzuschränken, gibt es ein paar Leitfragen, die du zunächst beantworten solltest.

Männlein oder Weiblein?

Dass sich die Anatomie zwischen Frauen und Männern unterscheidet, wissen wir. In den letzten Jahren ist dieser Fakt auch bei den Rucksackherstellern angekommen, so dass einige bereits spezielle Frauenmodelle anbieten. Diese sind auf die kürzere Rückenlänge ausgelegt und auch schmaler als das männliche Pendant. Der kleine, feine Unterschied macht sich im Tragekomfort durchaus bemerkbar.

Tagestour oder Mehrtagestour?

Für einen eintägigen Wanderausflug wird sich dein Gepäck meist auf wenige überschaubare Dinge wie Tagesverpflegung und Wasser, Kartenmaterial, evt. eine Jacke und Kleinigkeiten beschränken und ein Rucksack mit 20-25 Litern locker ausreichen. Bist du mehrere Tage unterwegs und benötigst Wechselsachen und sogar Verpflegung für mehrere Tage, weil du unterwegs nicht einkehrst, werden je nach Tourenlänge durchaus Rucksäcke mit 35 + Litern notwendig.

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Warm oder Kalt?

Wie ist das Klima vor Ort? Bei sommerlichen oder gleichbleibend milden Temperaturen und trockenem Wetter wirst du natürlich weniger Kleidung mitnehmen müssen als in kalten Gebieten oder Jahreszeiten. Schwankt die Temperatur während deiner Wanderung stark, nimmst du fürs Zwiebelprinzip mehrere Kleidungsschichten mit, bei Regen ggf. sogar Regenkleidung. Das alles  muss Platz im Rucksack finden und sollte bei der Wahl der Größe berücksichtigt werden.

Einkehr oder Backpacking?

Richtest du dich darauf ein, nachts in Unterkünften zu schlafen und zu essen oder willst du völlig auf Dich gestellt in der Wildnis campen? Im zweiten Fall brauchst du einen Rucksack, der dein Zelt, Schlafsack, Isomatte und Kochgeschirr zusätzlich zur Standardausrüstung aufnimmt. Bist du in wasserarmen Gebieten unterwegs, solltest du für die Länge deines Aufenthalts auch genügend Wasser mit „an Bord“ haben. Für solche Touren sind Rucksäcke mit mindestens 60 Litern Fassungsvermögen ideal.

Kannst du dein Gepäck auf zwei Leute aufteilen, weil ihr Zelt und Kochgeschirr zusammen nutzt, kann auch ein kleinerer Rucksack ausreichen. So reicht mir zum Beispiel der Deuter ACT LITE mit nur 35+10 Litern für ein bis zwei Nächte im Zelt mit allem möglichen Ausrüstungsschnickschnack wie Kocher, Wasserfilter, Schlafsack, Isomatte, Trinkblase, Verpflegung, Hygienemittel, Handtuch und Kleinkram.

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Zugriffsmöglichkeiten und Trinksystem

Packst du systematisch von oben nach unten und kannst damit leben, im Zweifel alles auspacken zu müssen, wenn du nun den Pulli genau in der Mitte deines Rucksacks brauchst? Oder bevorzugst du es, ihn öffnen zu können wie einen Koffer? Möchtest du ihn optional durch Reißverschlüsse in mehrere Kammern trennen können oder reicht dir ein großes Fach? Trinkst du aus Flaschen oder bist du lieber mit Trinkblase unterwegs, für die dein Rucksack dann idealerweise einen Auslass haben sollte?

Jeder Rucksack ist anders konzipiert und aufgebaut, daher solltest du dir Gedanken machen, welche Art „Packtyp“ du bist und ob dich viele Fächer, Ösen und Reißverschlüsse eher unterstützen oder verwirren.

Gewicht

Nicht zuletzt wird das Eigengewicht des Rucksacks interessant. Bei kurzen Tagestouren in einfachem Gelände fallen ein paar hundert Gramm mehr nicht wirklich auf. Bist du aber sehr lange unterwegs und/oder in schwierigem Terrain mit Steigungen oder sogar Klettereinlagen, bist du froh, nicht noch zusätzlich durch das Eigengewicht des Rucksacks belastet zu werden, welches dir im Zweifel keinen Vorteil verschafft. Vor allem bei langen Trekkingtouren zählt jedes unnötige Gramm, das du nicht mit dir herum schleppen musst.

Um Gewicht zu sparen, solltest du dir daher auch überlegen, wieviel Liter Fassungsvermögen du tatsächlich für deine geplante Tour brauchst. Mehr oder zu viel Fassungsvermögen verleitet gern dazu, mehr einzupacken, als man eigentlich benötigt. Ganz nach dem Motto: „Ach, das kann auch noch mit!“ Integrierte Hüftgurte helfen zudem, das Gewicht von den Schultern auf die Hüften zu entlasten und den Rucksack zu stabilisieren.

Beraten und Ausprobieren

Um online einen ersten Überblick zu bekommen, welche Rucksäcke für dich in Frage kommen, bietet z. B. Sportscheck einen Rucksackberater an, der dich durch einige Fragen führt und dir am Ende ein paar passende Modelle vorschlägt. Ich persönlich nutze das, um schon einmal grob einzugrenzen, welche davon für mich interessant sind.

Für meine endgültige Entscheidung begebe ich mich dann aber doch direkt ins Geschäft und empfehle das jedem, der einen Outdoor- oder Sportladen in der Nähe hat, um die in die engere Auswahl gekommenen Modelle dort einmal Probe zu tragen. Diese sind meist schon vorbefüllt mit Packmaterial, um einen realistischeren Eindruck des Tragekomforts unter Belastung zu vermitteln. Bist du immer noch unsicher, ob alles passt, empfehle ich dir deinen geplanten Inhalt mit in die Filiale zu nehmen und Probe zu packen.

Ein tolles Tool zum virtuellen Probepacken und planen der Utensilien ist übrigens Lighterpack. Hier kannst du unterschiedliche Touren anlegen, deine Ausrüstung in Kategorien ordnen und das Gewicht angeben. So erhältst du einen Eindruck, welches Gewicht du voraussichtlich tragen werden wirst und kannst Sparpotentiale aufdecken.

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