Sedona, ich komme!

März 17, 2019

Wenn Pläne mal nicht so funktionieren, wie man sich das dachte, hat das nicht immer nur etwas negatives. Noch am Abend als ich realisiere, dass ich meine Caching-Route durch die widrigen Umstände bereits einen Tag vorzeitig beendet habe, durchforste ich das Internet nach schicken Wanderrouten in Sedona.

Sedona, das hatte mir Dan, mein Hitchhiker, empfohlen und tatsächlich hatte ich dieses Gebiet schon länger auf dem Schirm. Mindestens seit dem Amazon Prime Bildschirmschoner. Wie könnte ein freier Tag sonst besser angelegt sein? Außerdem wollte ich mir nach der tagelangen Sitzerei in Fliegern und Auto endlich mal wieder die Beine vertreten. Testen, ob Wandern noch funktioniert. Schnell mal in Komoot eine 25 km lange Route zusammen geklickt und dann eingestanden, dass das für den Anfang vielleicht doch ein bisschen viel ist. 25 km in Arizona sind keine 25 km in Berlin.

Wenn es mal wieder ein bisschen mehr sein darf

Früh um 10 Uhr parke ich auf dem Trailhead zur Brins Mesa, packe 2 Liter Wasser, Chips und Baby-Bananenmuffins ein. Man muss sich ja schließlich auch schon mal aufs ungesunde Essen einstellen. Hoch geht es zur Mesa mit Wahnsinnsausblick über die Sedona-Gegend.

Eine kleine Rundtour soll es werden. Kurz vor der Gabelung zum Rückweg denke ich: „Ach, komm, ist doch noch früh. Nimmst du noch die Devils Bridge mit.“ Das macht nämlich von diesem Punkt aus niemand und auf einmal bin ich allein auf dem Trail.

Etliche Flusskreuzungen später wandere ich die Off-road-Strecke entlang, die zur Bridge führt. Und damit zu Menschenmassen. Was ich schon von anderen Highlights kenne, ist auch hier angesagt: Schlangestehen zum Fotomachen auf der Brücke. Das ist nicht meins, weder das Anstehen, noch die Massen, also mache ich mich nach einem kurzen Fotostopp wieder auf den Weg. Inzwischen habe ich nämlich beschlossen, doch die große Runde zu drehen.

Nach der überfüllten Devils Bridge führte mich die Off-road-Straße dann wieder zu einen Trail, den niemand geht… und erstaunlich viele Höhenmeter nach oben. Vorbei am Chimney Rock, über einen kleinen Pass mit wunderbarem Weitblick über die Landschaft. Pässe haben schon immer etwas Magisches, wenn man nicht weiß, was einen dahinter erwartet. Als ich am Coffee Pot Rock vorbeiwandere, ist meine Tagestour auch schon fast beendet. Inzwischen bin ich schon ganz froh, wieder am Auto angekommen zu sein, denn 25 km sind nach Blinddarm-OP schon zu spüren. Trotzdem weiß ich: ich hätte den Tag nicht anders verbringen wollen.

 

Und auch am nächsten Tag zieht es mich nochmal auf die Trails in Sedona. Der Cathedral Rock wartet mit spannenden Klettereinheiten zwischen Felsspalten auf. Wie die Älteren, Korpulenteren oder sogar Hundebesitzer mit ihren Fiffis hier hoch kommen, finde ich immer wieder erstaunlich.

Nur eine kurze Autofahrt weiter wandere ich nochmal 8 km rund um den Courthouse Rock, mache in einem (jetzt) trockenen Wasserfall Pause und klettere zum Abschluss den Bell Rock hoch, bevor ich meine Weiterfahrt nach Phoenix antrete. 

Weil zwei Wanderungen nicht genug sind, kämpfe ich mich pünktlich zum Sonnenuntergang auf einen der höchsten Gipfel in Phoenix hoch. 350 Höhenmeter über 2 km muss ich in 50 Minuten schaffen, um rechtzeitig zum Showdown der Sonne ganz oben zu sein. Meine eigentliche Motivation aber habe ich aus einem YouTube-Video, in dem ein Wanderer drei zuckersüße Ringtail Cats dort oben filmt und mit Wasser versorgt. Wieviele Ringtail Cats sehe ich wohl? Richtig. Null. Sind auch einfach zu viele Verrückte mit mir auf dem Berg unterwegs. Der Sonnenuntergang über Phoenix? Doch, der war schon toll. 

 

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