Liebeskummer beim Marathontraining – wenn Kopf und Herz den Körper regieren

März 2, 2017

Liebeskummer und Laufen

Liebeskummer erwischt jeden irgendwann, ob in Teenagerjahren oder auch noch im höherem Alter. Wir kennen alle den Schmerz, der damit verbunden ist. Je nach Intensität der Beziehung fällt er mal mehr, mal weniger heftig aus. Man ist traurig, körperlich abgespannt, appetit- und lustlos. Der Körper selbst leidet mit der Psyche. Innerlich schmerzt alles, zieht sich zusammen und das Herz scheint zu rasen. Dass es das nicht nur scheint und Liebeskummer erheblichen Einfluss auf den Körper und die sportliche Leistungsfähigkeit hat, habe ich (gerade) am eigenen Leib erfahren, bzw. befinde mich noch mittendrin. Der komplette Leistungsabfall meines eigentlich guten Trainingszustands passierte quasi instant.

Was passiert da im Körper?

Hormone und biochemische Prozesse sind die kleinen Biester, die unsere Stimmung und Reaktionen des Körpers steuern. Bei Liebeskummer wird die Produktion von Glückshormonen (offensichtlich) zurückgefahren. Stattdessen übernehmen Aufputsch- und Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol die Herrschaft und bringen das Hormongleichgewicht völlig durcheinander.

Liebeskummer bedeutet Stress. Das Adrenalin versucht durch Ausschüttung den Körper gegen den Stress zu wappnen bzw. ihn dafür vorzubereiten. Sowohl Herz- als auch Atemfrequenz sowie der Blutdruck steigen. Langfristig löst jedoch das Stresshormon Cortisol das Adrenalin ab. Dauert der Stress nun länger an, hat das Cortisol negativen Einfluss auf das Immunsystem, vor allem, wenn die körperlichen und psychischen Belastungen zu hoch sind. Körperliche Beschwerden sind die Folge.

Körperliche Auswirkungen fürs Training – Nichts geht mehr

Bei Liebeskummer soll Sport helfen, heißt es. Andersherum gilt das anscheinend nicht. Wie eindeutig die Auswirkungen allerdings sind, hätte ich auch nicht gedacht. Im Dezember hatte ich mein Marathontraining begonnen und war guter Dinge. Ich trainierte 3-4 Mal die Woche konsequent und fühlte mich nicht überlastet.

Anfang Januar kam dann der (erste) Beziehungscrash, der mich an den Rand der Verzweiflung brachte. Zur Ablenkung und um wenigstens den Trainingszustand nicht zu verlieren, versuchte ich einfach weiter, dem Trainingsplan zu folgen. Aber schon das erste, an sich harmlose, Training war ein Disaster. Nach einem Kilometer fühlte ich mich wie ein schwerer laufender Sack mit Herzrasen. Meine Tränen wurden zum Glück durch den Regen getarnt. Die Datenauswertung von Garmin war sich da mit meinem Gefühl einig. Mein Durchschnittspuls lag bei 174 bpm, maximal bei 187. Soviel habe ich sonst nur im Wettkampf. Aber nicht bei 8,5 km im geschmeidigen 7:00er Pace. Meine Erholungszeit lag nach diesem Training bei erschütternden 3 ½ Tagen.

Etwa eine Woche dauerte es, bis sich meine Werte wieder normalisiert hatten. Mitte Februar lief ich im Intervalltraining mit bis zu 5:15er Pace sogar wieder mit einem Durchschnittspuls von nur 159 bpm. Meinen VO2Max-Wert hatte ich innerhalb von anderthalb Monaten von 42 auf erfreuliche 45 gesteigert.

Wie schnell anderthalb Monate Training innerhalb von zwei Tagen zunichte gemacht werden, zeigte dann der zweite und sehr finale Beziehungscrash, der mich schon einige Stunden vor der tatsächlichen Situation beschäftigt hatte. Puls wieder bei 171 bei einer 7:00er Pace, egal, wie kurz und flach die Strecke war. Kraftlos, kaum Luft bekommend habe ich mich gestern erst durchs Training gequält. Alle Leichtigkeit weg, als wäre ich noch nie gelaufen. Und schon wieder den Tränen nah. Erleichterung oder Ablenkung durchs Laufen? Eher nicht! Vielmehr Verzweiflung und Frustration, dass nicht mal das mehr funktioniert.

Der Blick auf meine VO2Max-Statistik hat mich dann noch zusätzlich geschockt. Vom 25.02. auf den 01.03. ist der Wert von 45 auf 42 gesunken. Anderthalb Monate intensives Training dahin. An mein Ziel, den Hamburg-Marathon zu laufen, ist eigentlich gar nicht mehr zu denken.

Liebeskummer VO2max

Die Psyche läuft mit

Läuferknie, Ermüdungsbruch, Zerrungen und andere Verletzungen oder Krankheiten sind also nicht das einzige, was dem Training einen Strich durch die Rechnung machen kann. Sehr viel Arbeit geschieht im Kopf. Genau der war immer mein wichtigster Verbündeter, wenn der Körper nicht mehr wollte. „Lauf weiter, das schaffst du schon“ wird gerade übertönt von „Wozu das alles überhaupt?“.  Dank Pulssensor und Auswertungen der Leistungsstatistik wird das sogar in den Diagrammen deutlich. Von meinem Blutdruck fange ich besser gar nicht an. Der lag heute abend bei 180. Buchstäblich.

Natürlich wird die Zeit auch diese Wunde heilen. Und dennoch würde ich in diesem Moment diese Wunde gegen jede Läuferverletzung eintauschen. Nachher gehe ich eine Runde laufen. Mal sehen, was mein Kopf meinem Körper zu sagen hat… ein DNF verkrafte ich schlecht. Nicht nur im Wettkampf.

Wer bis zum Ende mitgelesen hat… danke. Wer mich kennt, weiß, dass derart persönliche Beiträge rar sind. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen zu verstehen, dass Läufer auch nur Menschen sind. Und mir, alles ein wenig besser zu verarbeiten. Keine Sorge, Jammern wird nicht die Regel werden. Nach Regen kommt Sonnenschein. Meteorologisch sogar schon am nächsten Wochenende…

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23 Comments

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    Reply Andreas Donnerstag, der 2. März 2017 at 18:20

    Du schaffst den Hamburg Marathon. Ich zumindestens glaube an Dich. Alles andere habe ich Dir als PN geschrieben!

    • Carola
      Reply Carola Samstag, der 4. März 2017 at 06:13

      Danke, lieber Andreas. Hamburg ist ja nicht das einzige. Jetzt wird erstmal deinem Trainingsplan gefolgt. Egal, ob es regnet oder schneit.

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    Reply Kalle Donnerstag, der 2. März 2017 at 19:27

    Als stiller Leser deines Blogs steht es mir sicher nicht zu irgendwelche tröstenden Worte zu schreiben. Nur so viel: Aus Trauer wird Wut – und die lässt dich in HH hoffentlich fliegen !!!

    • Carola
      Reply Carola Samstag, der 4. März 2017 at 06:14

      Lieber Kalle, ich freue mich über jedes tröstende Wort. Solange Yoda nicht recht behält und aus Wut Hass entsteht 😉 Das mit dem unsäglichen Leid würde ich gern weglassen und nach vorn schauen.

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    Reply Christoph Donnerstag, der 2. März 2017 at 21:06

    Wünsche viel Kraft, egal ob in den Beinen oder im Kopf!

    • Carola
      Reply Carola Samstag, der 4. März 2017 at 06:15

      Danke, mein Lieber! Das wird schon wieder. The show must go on.

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    Reply Jürgen Donnerstag, der 2. März 2017 at 23:11

    Wenn der Kommentar erlaubt ist: „Selten ein Schaden ohne Nutzen“ 😉

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 6. März 2017 at 14:58

      Kommentar ist erlaubt 🙂 Nur den Nutzen, den seh ich leider noch nicht.

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    Reply Maren Freitag, der 3. März 2017 at 06:57

    Laufen konnte ich in so emotional belasteten Phasen auch nie. Aber intensive Krafteinheiten waren immer drin und hilfreich.
    Kopf hoch und ran an den Boxsack!

    • Carola
      Reply Carola Samstag, der 4. März 2017 at 06:17

      Laufen ist gerade echt ein Kraftakt. Pump-Training ging da besser, da kann man wenigstens nicht nachdenken 😉 Ansonsten ist mir auch gerade eher nach Boxen!

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    Reply Patrick Freitag, der 3. März 2017 at 09:46

    100% Zustimmung. Hatte ich 2016 mit zu „kämpfen“ und auch heute ist der Kopf noch gerne mal abgelenkt. Ich möchte meinen DNF in Rodgau nicht alleine darauf schieben, aber ich kann es eben verstehen. Durch die Zeit muss man wohl durch, und ich wünsche Dir alles Gute dabei. Ich hoffe, zumindest für mich irgendwann, dass eine neue Liebe mich auch wieder „fliegen“ lässt, denn dann fühlt man sich eben auch wieder wie neu geboren.

    Alles gute in HH 🙂

    • Carola
      Reply Carola Samstag, der 4. März 2017 at 06:19

      Ja, mein Lieber, da muss man/frau wohl durch. Derzeit ist leider noch die Phase aktiv, was künftig alles nicht mehr geht. Aber auch dafür werden sich Lösungen finden… bin gespannt, wie die nächsten Wettkämpfe ablaufen :/

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    Reply Sandra Samstag, der 4. März 2017 at 07:15

    Liebe Carola,

    bei mir war es andersrum, allerdings erst nach einer ersten Schockstarre, in der ich circa zwei Wochen lang wie gelähmt war. Danach konnte ich laufen wie nie zuvor (ich war damals aber auch noch kein regelmäßiger Läufer). Ich wünsche Dir, dass Du alles Gute für Dich aus dieser momentan unschönen Situation rausziehen kannst. Und die Vorfreude auf den Médoc ist da genau das richtige! Fühl Dich virtuell gedrückt, liebe Grüße, Sandra

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 6. März 2017 at 14:47

      Liebe Sandra, mal sehen, ob dieser Zeitpunkt bei mir auch noch kommt. Derzeit ist es eher die Schockstarre, in der ich stecke. Ja, Médoc ist eine schöne Ablenkung. Leider nicht die ganze Zeit lang 😉 Und lieben Dank fürs virtuelle Drücken. Das hilft auch durch die Bits und Bytes 🙂

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    Reply Annika Samstag, der 4. März 2017 at 20:55

    Hej, ich weiß gerade genau was du durchmachst! Hatte im Frühjahr 2016 erst einen Ermüdungsbruch (2 Monate Pause), dann ca. einen Monat nachdem ich wieder am Laufen war und dachte „jetzt geht es hoffentlich wieder bergauf“ hat mein Freund mit mir Schluss gemacht. Ein Rückschlag der mich mental mehr zurückgeworfen hat als der Ermüdungsbruch. Trotzdem bin ich den Berlin Marathon gelaufen und es lief super! Kopf hoch, das wird wieder.

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 6. März 2017 at 14:49

      Ach herrje, das ist ja auch keine tolle Geschichte. Aber super, dass du den Berlin Marathon dann am Ende doch gelaufen bist und es sich gelohnt hat. Ich bin nur leider mit meinem Trainingsrückstand soweit zurückgefallen, dass ein Marathon in einem Monat wohl nur unvernünftig wäre. Man soll ja auf seinen Körper hören. Und meiner sagt derzeit: nein!

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        Reply Annika Montag, der 6. März 2017 at 15:57

        Ich bin auch in Hamburg am Start, wahrscheinlich nur mit halber Kraft, denn auch bei mir läuft das Training zur Zeit nicht gerade blendend. Vielleicht sieht man sich dort, ich bin mit den adidas Runners unterwegs.

        • Carola
          Reply Carola Montag, der 6. März 2017 at 16:15

          Ja, das würde mich freuen. Die halbe Kraft lasse ich in Hamburg dann lieber auf halber Strecke und teile mir den Marathon mit meiner Freundin. Ein Hoch aufs Womens Race

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    Reply Ritter Sonntag, der 5. März 2017 at 13:33

    Ware Worte, dieses Dilemma verspüre ich seit Dezember. Das Laufen hat mir aber geholfen über das Gröbste hinwegzukommen.
    Hamburg ist ja noch ein wenig hin. Lauf dich frei. Du schaffst das.

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 6. März 2017 at 14:50

      Irgendwie gibt es viele, denen es gerade ähnlich geht. Ja, irgendwann wird bei mir auch wieder der Knoten platzen. Derzeit ist aber die Heulrate während des Laufens noch zu hoch 😉

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    Reply Sven Sonntag, der 5. März 2017 at 20:07

    Ein wirklich sehr persönlicher Beitrag von dir. Hut ab das kann sicher nicht jeder. Und damit beleuchtest du ein Thema über das ich mir noch gar keine Gedanken gemacht habe, in wie fern es sich auf das Laufen auswirken kann. Ist schon krass wie sehr es sich bei dir auf die Leistung ausgewirkt hat. Du musst dann unbedingt auch schreiben ob es umgedreht mit Schmetterlingen im Bauch zu einer Leistungsexplosion kommt. Die nächste grosse Liebe wartet sicher schon auf der Laufstrecke auf dich.
    Ich drücke dir die Daumen für Hamburg. Ich Versuche mich auch das erste Mal an einem Frühjahrsmarathon in Hamburg. Vielleicht sieht man sich ja dort.

    Alles gute bis dahin

    Sven

    • Carola
      Reply Carola Montag, der 6. März 2017 at 14:53

      Lieber Sven, danke für die motivierenden Worte. Ich hätte selbst auch nicht gedacht, dass sich die Situation so sehr aufs Laufen auswirkt. Sonst nutze ich das Laufen immer, um den Kopf frei zu kriegen. Derzeit hat es eher die gegenteilige Auswirkung. Der VO2Max ist immer noch am Sinken. Kaum zu fassen. Das frustiert dann nochmal mehr.
      Ich werde berichten, wie sich die umgedrehte Situation dann auswirkt… mal sehen, wie lange das wohl brauchen wird.
      In Hamburg sehen wir uns sehr gern. Ich werde dann eben das Womens Race laufen 😉

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    Reply Daryush Ghassemi Mittwoch, der 8. März 2017 at 15:34

    Liebe Caro, dass tut mir so leid!
    Ich bin sicher, dass du aus dieser Krise stärker als je zuvor hervorgehen wirst.
    Hoffentlich lag der Crash nicht an deine vielen Aktivitäten – denn wir würden gerne auch in Zukunft deine tollen Berichte erleben dürfen!

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