Wie verhalte ich mich in Bärengebieten? – Das Bärmuda-Dreieck

Mai 21, 2017

Teil 1 noch nicht gelesen? Schau mal hier: Kleine Einführung in Bärenkunde – Teil 1


Auf Bären kannst du sowohl tagsüber als auch nachts treffen. Daher musst du dein Verhalten stets daran anpassen, um unangenehme Begegnungen, den Verlust deines gesamten Proviants oder gar schlimmeres zu vermeiden .

Am Tag

In der Regel greifen Bären nicht grundlos an, sondern fliehen, sobald sie einen Menschen sehen, hören oder wittern. Bist du auf der Wanderschaft, sei laut, um auf dich aufmerksam zu machen und dem Bären die Chance zu geben, vor dir weglaufen zu können. Singe, klatsche, rede laut. Vor allem, wenn du um uneinsichtige Kurven und Ecken biegst. Die Vorstellung, singend und klatschend über einen Trail zu wandern und hinter der nächsten Kurve steht eine Gruppe verwunderter Touristen, amüsiert mich zwar, aber im Zweifelsfall kann es dein Leben retten, wenn dort doch ein Schwarzbär entlang schlendert und von dir überrascht wird.

Abends und nachts

Natürlich kannst du auch in Bärengebieten die Nacht verbringen. Schläfst du in Schutzhütten, ist die Gefahr sehr gering, dass plötzlich ein Bär in der Tür steht. Viele Wanderer und Outdoorliebhaber nächtigen aber gern in ihren Zelten. Ein Bär wird sich deinem Lager nicht nähern, weil er dich zum fressen gern hat, sondern deinen Proviant und alles, was potentiell essbar riecht. Das sind im Zweifel nicht nur deine Schokoriegel und Instantsuppen, sondern auch Shampoo und Zahnpasta. Vor allem Langstreckenwanderer „schützen“ ihren Proviant wohl, indem sie ihn in der Nacht unter ihren Kopf legen, in der Hoffnung, die menschliche Anwesenheit würde abschrecken. Einem sehr hungrigen Bären wird es aber das Risiko wert sein, um an die leckeren Nüsse und Schokoladen zu kommen. Dieses Vorgehen wird also in keinem Fall empfohlen. Vielmehr solltest du dafür sorgen, keinerlei Lebensmittel in oder in der Nähe deines Schlafplatzes/Zeltes aufzubewahren. Ebenso sollte sich der Platz, an dem du dein Abendessen kochst, etwa 200 m von deinem Nachtlager befinden und die Sachen, die du während des Kochens getragen hast, zum Schlafen ausgezogen werden. In Bill Brysons Buch „Picknick mit Bären“ beschreibt er sehr plastisch, dass ein Junge während des Ferienlagers aus seinem Zelt gezogen wurde, weil seine Haare noch nach Essen rochen. Der Junge hatte keine Chance.

Wohin also mit dem Essen?

Da gibt es grundsätzlich zwei gängige Möglichkeiten.

Aufhängen des Proviantsacks im Baum

Auch hier gilt zunächst wieder: das Essen sollte mindestens 200 m entfernt von der Schlafstelle zubereitet und gegessen werden. Bist du damit fertig und hast auch die Abendtoilette erledigt, werden alle Gegenstände, die Duftstoffe enthalten, in einen Sack getan. Dazu gehören neben Essen und Getränken ebenfalls Cremes, Pasten, Mückenspray, Sonnenmilch, Deos. Eben alles, was einen Geruch verbreiten und Bären anziehen kann. Bären sind neugierig und können nicht unterscheiden, ob etwas nur gut riecht oder auch gut schmeckt bis sie hinein gebissen haben. Als Faustregel gilt: alles, was du dir in den Mund steckst oder auf die Haut tust, sollte in den Sack. Den Sack befestigst du nun an einem langen Seil und suchst dir einen Baum, der folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Er ist mindestens 200 m sowohl von deiner Schlafstelle entfernt als auch von der Stelle, wo du dein Essen zubereitet hast. Es ergibt sich somit ein Dreieck, das liebevoll genannte „Bär“-muda Dreieck.
  • Er steht entgegen der Windrichtung, in welcher sich deine Schlafstelle befindet.
  • Er verfügt über einen langen, möglichst waagerecht wachsenden, stabilen Ast. Der Ast sollte etwa 5,5 m vom Boden hoch entfernt sein und so lang und stabil, dass dein Sack mit Proviant etwa 2 m vom Stamm entfernt am Ast hängen kann.

Du stellst dich nun mit deinem Proviantsack unter den Ast und wirfst ihn über den Ast hinüber, so dass das Seil noch für dich erreichbar ist. Nun ziehst du den Sack so weit nach oben, dass er etwa 2 m vom Ast herunterhängt und etwa 3,5 m vom Boden entfernt. Sinn und Zweck des ganzen: Den Sack möglichst außerhalb der Reichweite des potentiell hungrigen Bären aufhängen, so dass er nicht heran gelangt, selbst wenn er auf den Baum klettert. Und Bären sind verdammt gute Kletterer. Wer ganz sicher gehen will, verwendet gleich einen bärensicheren Beutel. Ein Ursack wäre ein solcher.

Nachteile der Methode

Die Methode, die gern auch „PCT“-Methode (nach dem Fernwanderweg Pacific Crest Trail) genannt wird, bringt aber leider auch einige Nachteile mit sich.

  • Es braucht einen Baum. In grundsätzlich baumarmen Gebieten oder oberhalb der Baumgrenze wird das Auffinden eines solchen schwierig.
  • Es braucht einen entsprechenden Ast. Die Zeit, die man für die Suche nach einem solchen verbringen muss, ist ggf. viel zu lang und die Suche am Ende evt. erfolglos.
  • Man muss ein Seil mitschleppen. Ein entsprechend langes und stabiles Seil wiegt einiges. Das wird dem Leichtgewichts- oder sogar Ultraleichtgewichtswanderer widerstreben.
  • Man muss (gut) werfen können. Mit meiner miserablen Wurftechnik würde ich entweder die halbe Nacht mit Versuchen verbringen, den Sack über den Ast zu befördern oder solange, bis sich der darüber tot gelacht hat.
  • Der Bär kommt trotzdem ran. In einigen Youtube-Videos habe ich gesehen, wie gut Bären wirklich klettern können. Meine Meinung: die kommen überall ran, wenn sie nur wollen.
  • In einigen Nationalparks sind Beutel wie der Ursack verboten und der Transport bzw. die Aufbewahrung von Nahrung mit ganz klar benannten Produkten vorgeschrieben.

Aufbewahrung im Bärenkanister

Bärenkanister. Was ist das denn? Das ist im Prinzip nichts anderes als eine kleinere Plastiktonne mit Schraubverschluss. Es gibt sie in verschiedenen Größen und von verschiedenen Herstellern. Dabei unterscheiden sich durchaus auch Preis und Gewicht der einzelnen Produkte voneinander. Eines haben sie aber alle gemein: sie sind rund und können (weg)rollen.

 

Was macht die Kanister denn nun so bärensicher? Bären sind zwar geschickte Kletterer und talentierte Fischfänger. Im Aufdrehen und Festhalten recht glatter, runder Behälter tun sie sich jedoch schwer. Durch die glatte, gewölbte Oberfläche können Bären nicht hineinbeißen, sie rutschen mit ihren Zähnen ab und der Inhalt bleibt sicher.

Weiterer Vorteil eines Bärenkanisters

Man kann ihn als Sitzgelegenheit nutzen.

Einen Eindruck, wie gut die Kanister funktionieren (und dass man sie weit vom Zelt entfernt lagern sollte), bekommt ihr im folgenden Video:

Nachteil der Bärenkanister

  • Sie sind ziemlich sperrig, auch, wenn sie leer sind.
  • Sie sind recht schwer (mindestens 1 Kilo, je nach Typ)
  • Teuer. Ein Bärenkanister kostet um die 80 €. Teilweise kann man sie aber auch in Nationalparks ausleihen.
  • Durch die runde Form rollen sie gut. In der Nähe eines Abhangs oder Gefälle kann ein „spielender“ Bär, der sich am Kanister versucht, diesen ziemlich weit entfernen. Die Suche beginnt am nächsten Morgen.

Und wenn dann doch mal ein Bär vor mir steht?

Zunächst solltest du herausfinden, welche Art Bär dir gegenüber steht. Je nachdem, in welchem Gebiet du dich befindest, ist die eine oder andere Art wahrscheinlicher oder gleich wahrscheinlich. Wenn du wo erwarten kannst, kannst du in meinem Artikel zu Bärengebieten nachlesen. Dort findest du auch eine Beschreibung, woran du erkennst, welcher Bär dich mit seiner Präsenz beehrt.

Verhalten bei Schwarzbären

Hast du den Schwarzbären als solchen erkannt, solltest du dich unbedingt lautstark durch bestimmtes Reden und Rufen bemerkbar machen. Mach die groß, zeig Präsenz und dem Bären, dass du keine Angst hast. Seid ihr in einer Gruppe unterwegs, stellt euch zusammen und werdet damit zu einem großen Objekt. Der Bär sollte sich eingeschüchtert fühlen und den Rückzug antreten. Auf keinen Fall solltest du wegrennen oder dich auf den Boden legen, denn das erkennt der Bär als Schwachpunkt an und wird angreifen oder dich als Nahrung betrachten. Greift er trotzdem an, kämpfe, trete, zeige Gegenwehr. Hast du einen Rucksack auf, lasse ihn auf dem Rücken. Er bietet zusätzlichen Schutz.

Verhalten bei Braunbären/Grizzlies

Steht dir der Bär noch passiv gegenüber, stellt sich ggf. auf um bessere Witterung aufzunehmen, verhalte dich so wie gegenüber einem Schwarzbären. Greift der Grizzly an, macht im Gegensatz zum Schwarzbären ein Totstellen tatsächlich Sinn. Grizzlybären unternehmen oftmals zunächst einen oder mehrere Scheinangriffe, indem sie von dir wegrennen und dann wieder auf dich zu. Sie versuchen damit herauszufinden, wie bedrohlich du bist. Je kleiner du bist und je näher am Boden, umso weniger bedrohlich bist du für den Bären. Er wird den Angriff voraussichtlich abbrechen.

Bei aller Vorsicht können dies nur Hinweise sein, wie man in einer entsprechenden Situation umgehen kann. Jede Situation und jedes Tier ist anders. Ist der Bär besonders hungrig? Hat er Junge dabei? Ist es ein besonders aggressiver Bär? Es gibt kein Patentrezept und keine Garantie dafür wie ein Tier auf eine Situation reagiert.

Be Bear Aware

Das wichtigste ist und bleibt der gesunde Menschenverstand. Unfälle lassen sich nie 100%ig verhindern. Gut informiert und auf eine eventuell eintretende Situation vorbereitet zu sein, ist aber der Kern, um schlimmerem zu begegnen. Bären sind wilde Tiere und so sollten sie auch behandelt werden. Gehe niemals auf sie zu, zeige eher, dass sie Angst vor dir haben müssen. Versuche niemals einen Bären zu füttern oder gar zu streicheln. Siehst du einen Bären aus respektvoller Distanz, erfreue dich an der Beobachtung und halte die Distanz. So wird ein beiden am Ende gut gehen und jeder kann die Natur auf seine Weise weiter genießen.

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