Schöne Schleichwerbung – und was gibt´s dafür?

Dezember 14, 2016

Ihr kennt das: Euer Kollege erzählt euch stolz von seinem neuen Mercedes. Sitzheizung hat er, Fahrspurassistent, Navi, Einparkhilfe, automatisch öffnender Kofferraum, Massagesitze, Weckfunktion, Kaffeekocher, automatischen Ampel-Grün-Schalter und und und. Er ist total zufrieden und glücklich mit seiner Anschaffung und würde seine Neuanschaffung jederzeit weiter empfehlen. Du freust dich für deinen Kollegen und hörst Dir seine Begeisterung an, fachsimpelst. Du kommst aber nicht auf die Idee, dass seine positiven Ausführungen von Mercedes bezahlt worden sein könnten. Es ist ein normales Gespräch, in dem jemand von seinen guten Erfahrungen berichtet.

Bei Bloggern ist das anders. Gerade aktuell habe ich wieder so ein Beispiel, in dem erstmal davon ausgegangen wird, dass eine positive Produktdarstellung natürlich bezahlt worden sein muss. Anlass war mein letzter USA-Urlaub, in welchem ich mit Zelt, Rucksack und sonstigem Outdoor-Equipment unterwegs war. In einem meiner letzten Posts dazu auf Instagram hatte ich kurz und knapp meine Ausrüstung vorgestellt, mit der ich bei einem solchen Abenteuer unterwegs bin. Warum? Nun weil ich selbst als Konsument im Netz unterwegs bin und mich von anderen Blogs und Tests inspirieren lasse, Produkte finden möchte, von denen ich keine Ahnung hatte, dass es sie gibt. Natürlich will ich bei meiner Recherche auch wissen, um welches Produkt es sich genau handelt und nicht lesen: „Ich habe einen supertollen, leichten 20 L Rucksack, einen schicken Daunen-Schlafsack, eine isolierende Isomatte und einen Kocher, der Wasser heiß macht.“ Nein, ich möchte wissen, was es ist, was mir das (Outdoor)Leben leichter machen kann. Aus diesem Grund schreibe ich auf, was genau ich mit mir herumschleppe.

Damit ihr wisst, wovon ich hier eigentlich rede, hier der verdächtige Beitrag:


Aber warum schreibe ich das hier überhaupt?

Ein Kommentar hat nun zu dem geführt, warum ich diesen Artikel schreibe. Instagramer (gibt es das Wort überhaupt?) Hebestreitwerner fragt: „Und was gibt es für die Produktwerbung?“ Hm. Mal überlegen. Meinen Rucksack habe ich mir vor etwa 5 Jahren zu Weihnachten schenken lassen. Damals habe ich noch gar keinen Sportblog gehabt, aber habe – vorausschauend wie ich bin – , bereits damals mit Deuter einen Deal gemacht, der mir einen Millionenbetrag einbringt, wenn ich 5 Jahre später einen Instagram-Post  herausbringe, in dem mein alter Rucksack erwähnt wird, obschon es das Modell heute gar nicht mehr gibt. Ihr glaubt mir nicht? Stimmt! Denn wenn ich das aktuelle Modell des ACT Trail testen würde, würde ich feststellen, dass es eine geliebte Eigenschaft nicht mehr hat: die dehnbare Helmhalterung an der Front, die ich immer wieder für meine Jacken nutze, um sie schnell zu verstauen. Der Test würde also gar nicht mal so gut ausfallen.

Um die Sache rund zu machen: meinen YetiSchlafsack, die Therm-a-rest-Isomatte und mein BigAgnes-Zelt habe ich vor rund 2 Jahren für eine Norwegenreise gekauft, den Satelliten-Messenger SPOT und meinen SoloStove-Kocher habe ich auch jeweils zu Weihnachten von meiner Familie geschenkt bekommen. Mit anderen Worten: für die Produktwerbung habe ich nüscht bekommen, außer dem guten Gewissen, hier jahrelang getestete Produkte empfohlen zu haben.

Sind solche Fragen nach Vergütung unberechtigt?

Sicher nicht! Blogger schreiben für die Öffentlichkeit und werden nicht umsonst als Social Influencer bezeichnet. Ein Test kann durchaus beinflussen, was ein Leser kauft oder auch vermeidet. Dazu gehöre auch ich. Mehr als einmal habe ich mich für ein Produkt entschieden, weil ein oder mehrere Blogger dieses positiv getestet haben. Was dazu gehört, ist Vertrauen. Vertrauen darin, dass es die ehrliche Meinung des Bloggers ist. Keine gekaufte. Dass er das Produkt auch wirklich getestet hat. 100%ig wissen tue ich das natürlich nie. Denn oft genug lese ich von Firmenanfragen an Blogger, die ihre Schuhe, Nahrungsergänzungsmittel, Kleidung oder sonstiges in Blogs platziert haben wollen… aber bitte nur mit positiven Aussagen. Wer weiß denn schon, welcher Blogger nicht doch einmal dem winkenden Geld (was in der Regel nicht die Rente sichert) erliegt und ein Produkt gut darstellt, obwohl es Grütze ist oder gar nicht erst getestet wurde?

Manchmal findet ihr auf Blogs Hinweise und Zeichen, die eine Art „Gütesiegel“ für die Arbeitsweise von Bloggern mit Firmen darstellen.

Diese „Siegel“ zeigen Richtlinien auf, die auf eine transparente Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Marken abzielen. Dazu gehört u. a. die ehrliche Meinungsäußerung des Bloggers und der Hinweis, wenn ein Artikel bezahlt wurde oder ein Produkt gesponsert. Ob Testberichte objektiv sein können, dazu hat sich die Seite Fastpacking.de mal ausgelassen.

Ja aber – warum SCHREIBE ich das denn nun?

Ganz einfach. Durch meine letzten Reisen und die, die in Vorbereitung sind, habe ich und werde ich noch viele, viele Produkte getestet haben. Einige werden mich so begeistern, dass ich sie vorstellen möchte. Vielleicht sogar, weil sie hierzulande noch (recht) unbekannt sind oder ich einfach den Service zurückgeben will, den ich selbst von anderen Seiten nutze: Produktempfehlungen für ähnlich gelagerte Abenteuer! Das heißt aber nicht automatisch, dass ich vom Hersteller, Vertreiber oder sonstwem dafür bezahlt werde oder das Produkt kostenfrei erhalten habe. Produkttests mache ich, sowohl im  Bereich der selbst erstandenen Produkte als auch auf Anfrage von Firmen. Letztere stelle ich aber explizit als solche dar. Ihr werdet also immer lesen, ob ich etwas zum Test gestellt bekommen habe. Zudem könnt ihr euch sicher sein, dass ihr im Test nichts als meine eigene Meinung lesen werdet. Das ist für das eine oder andere Produkt schon mal schlecht ausgegangen. Aber so ist das, wenn man unabhängig testet.

Also freut euch auf meine nächsten Berichte zum Thema Equipment. Vielleicht ist das eine oder andere ja auch für euch dabei!

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13 Comments

  • Reply Eric Mittwoch, der 14. Dezember 2016 at 16:53

    Man stelle sich mal vor Blogger, Menschen auf Instagram, Twitter, Facebook etc. würden für jeden Post in dem sie ein Produkt zeigen Geld verdienen. Hach, was wäre das für eine Welt. Die Firmen wären arm und die User reich. Die halbe Welt müsste nicht mehr arbeiten. 😀 😉

    Offenbar scheint es aber zu viele schwarze Schafe zu geben, sonst würden solche Gedanken nicht geäußert.

    Viele Grüße, Eric.

    • Carola
      Reply Carola Mittwoch, der 14. Dezember 2016 at 16:58

      Haha, ja Eric, das wäre was. Da hätten die Banken ja mal ordentlich mit Überweisungen zu tun. 🙂
      Klar gibt es immer schwarze Schafe, wie in jedem Business. Aber manchmal… ganz selten soll es noch sowas geben, was wichtiger ist als Bezahlung: Überzeugung. Und wenn mich ein Produkt überzeugt, empfehle ich es gern. Es hat mir schließlich gute Dienste geleistet 😉

  • Reply Sven Mittwoch, der 14. Dezember 2016 at 17:08

    Nimm dir solche Kommentare nicht zu sehr zu Herzen ab einer Gewissen Reichweite zieht man einfach Trolle an und es ist am besten diese einfach zu ignorieren oder die Kommentare zu löschen wenn Sie zu hirnlos sind :).
    Ich finde es super wie du in deinen Beiträgen die Ausrüstung erwähnst das erspart unnötiges Suchen falls man auch gerade so etwas braucht.
    Bezahlte Produkttest finde ich auch ok solange Sie als solche markiert sind aber für mich persönlich haben Sie dann nicht soviel Gewicht über eine Kaufentscheidung als unbezahlte Empfehlungen. Von daher ist es sehr wichtig das bezahlte Beiträge auch als solche Markiert werden. Aber da habe ich vollstes Vertrauen in dich das du auch in Zukunft darauf hinweißt 🙂

    • Carola
      Reply Carola Donnerstag, der 22. Dezember 2016 at 07:05

      Danke Sven! Klar, Testberichte, vielleicht sogar positive, die komplett vom Blogger selbst kommen, sind für mich auch die besten. Schließlich hat er sich lange vor Anschaffung schon mit dem Thema beschäftigt und im besten Fall sogar jahrelang Erfahrung mit dem Produkt. Manchmal aber kriege auch ich Impulse oder lerne Sachen kennen, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Dann bin ich auch mal über einen Bezahlpost dankbar 🙂

  • Reply Dirk Mittwoch, der 14. Dezember 2016 at 19:06

    Kannst du bei Gelegenheit was zu dem Spot Messenger schreiben? Wie lange halten die Batterien? Klingt spannend.

    • Carola
      Reply Carola Mittwoch, der 14. Dezember 2016 at 19:10

      Dirk, das ist witzig! Der Spot wird tatsächlich eins der Dinge sein, die ich ausführlich vorstellen werde. Nur kurz für dich: die Batterien scheinen ewig zu halten. Ich habe ihn seit Dezember 2015 bei einigen Wanderungen dabei gehabt und noch nie die Batterien gewechselt

  • Reply Carsten Jost Donnerstag, der 15. Dezember 2016 at 07:24

    Hallo Carola,

    schöner Beitrag.

    Was man aber auch im Hinterkopf haben darf, sind die vielen Leser/Fans/Follower, die nicht so negativ sind.

    Ehrlich geschriebene Testberichte werden vom Leser auch als solche wahrgenommen. Die Kennzeichnung der Herkunft des Produkts hilft dem Leser sich ein eigenes Bild zu machen. Irgendwie scheint das gerade wieder so ein Thema zu sein in der Blogosphäre.

    Gruß

    Carsten

    • Carola
      Reply Carola Donnerstag, der 22. Dezember 2016 at 07:03

      Danke, Carsten. Natürlich sind die meisten nicht so, dass sie bei jeder Produkterwähnung gleich bezahlte Werbung dahinter vermuten. Aber denken sich das vielleicht doch und sprechen es nicht aus. Ja, das Thema haben wir im Moment anscheinend wieder verstärkt, daher greife ich es gern auf, kläre auf und hoffe auf (noch) mehr zufriedene Leser, die sich ein gutes Bild machen können von dem, was ich so teste.

  • Reply Sven Donnerstag, der 22. Dezember 2016 at 06:42

    WORD!

    • Carola
      Reply Carola Donnerstag, der 22. Dezember 2016 at 07:00

      Danke 🙂

  • Reply SBSTNRNNT Donnerstag, der 22. Dezember 2016 at 08:11

    Hallo Carola,

    wichtiger und interessanter Beitrag, der zum Nachdenken anregt. Hab mich irgendwann wieder von den „Gütesiegeln“ verabschiedet, weil die aus meiner Sicht sehr inflationäre gebraucht wurden. Ich denke, dass jeder Blogger/jeder Bloggerin das Thema mit sich selbst und auf Grundlage der bestehenden gesetzlichen Bedingungen klären muss. Reinen Werbebeiträgen sieht man meist an, dass sie reine Werbebeiträge sind.

    LG
    Sebastian

  • Reply Thomas (Harlerunner) Sonntag, der 25. Dezember 2016 at 11:02

    Hi Caro,

    ich hatte bisher noch nicht solche Kommentare, aber ich kein Deine Reaktion gut verstehen und finde es auch wichtig, diese Position der Blogger einfach mal deutlich zu machen. Beim 5krunner gibt es gerade auch einen ähnlichen Rant-Beitrag. Als wenn sich alle Blogger durch Produkt-Samples gleich „kaufen“ ließen…

    So wie Du finde ich Blog-Reviews über Produkte extrem hilfreich und nutze sie regelmäßig. Ich würde mich allerdings nie nur auf eine Meinung verlassen und gerade in dem Nebeneinander unterschiedlicher Beiträge wird sehr schnell deutlich, ob vielleicht eine „geschönte“ Haltung dazwischen ist.

    Lass Dich jedenfalls von solchen Kommentaren nicht beirren. 🙂

    Herzliche Grüße

    Thomas

    • Carola
      Reply Carola Freitag, der 30. Dezember 2016 at 12:58

      Lieber Thomas, zum Glück kommen solche Kommentare ja nur sehr sehr selten. Nichtsdestotrotz will ich sie nicht einfach hinten runterfallen lassen, sondern sorge lieber aktiv für Aufklärung. Keine Sorge, beirren lassen kann ich mich nicht so schnell 😉 Dazu gibt es zu viele seltsame Menschen im Web.

      Gruß
      Caro

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