Forststeig-Tipps: Wasser, Camping, Navigation, POIs

Oktober 22, 2018

Mitte Oktober waren wir Frauen zu zweit auf dem Forststeig unterwegs. Als eingefleischte Wanderer wollten wir uns nicht auf die empfohlenen sieben Tagesetappen einlassen, sondern die gut 100 km in vier Tagen schaffen. Forststeig in vier Tagen? Ja, das ist machbar. Allerdings gibt es einiges zu beachten, weswegen ich euch hier gern mit einigen Tipps basierend auf unseren Erfahrungen versorgen möchte.

Navigation/Orientierung

Nach der Eröffnung im April 2018 und bis in den Sommer hinein las ich Berichte über mangelhafte Markierungen und Orientierungsschwierigkeiten von Forststeigwanderern. Die Strecken wurden anscheinend zum Herbst ein wenig angepasst und auch besser markiert, dennoch solltest du dich passend vorbereiten.

Kartenmaterial

Wanderkarte Sächsisch-Böhmische Schweiz

Im Juni erschien erstmals eine Papierkarte, die den Forststeig komplett in einer Karte darstellt. Der Maßstab ist nicht ideal, aber gibt einen guten Überblick über die Region. Unglücklich finde ich, dass alle Wanderwege in pink dargestellt werden, auch der Forststeig. Diesem wurden zusätzlich kleine Forststeig-Symbole hinzugefügt, was aber nur mäßig zur Übersichtlichkeit beiträgt. Man muss schon sehr genau hingucken, wo der Forststeig verläuft. Positiv ist dagegen die Darstellung aller Quellen und Schutzhütten im Gebiet.

Übersichtskarte des Sachsenforsts

An den Touristeninformationen wie auch am Bahnhof Bad Schandau erhält man ein Faltblatt, dass sich auf den Forststeig beschränkt. Der Maßstab ist sehr grob und hilft nicht, wenn man an einer Abzweigung zweifelt, in welche Richtung zu gehen ist. Sie gibt aber einen sehr guten Überblick über die Hütten und Biwakplätze und verrät, an welchen Abschnitten der Forststeig sich mit anderen markierten Wanderwegen überschneidet. Das ist deshalb wichtig, weil an diesen Stellen oftmals auf die gelben Forststeigmarkierungen verzichtet wurde. Außerdem befindet sich in der Karte das Höhenprofil und ein Empfehlung für sieben Etappen. Ich habe diese Karte auf der Wanderung weit öfter genutzt als die oben genannte Wanderkarte.

GPS-Track, digitale Karten

Auf der Seite des Sachsenforsts ist die gesamte Route als GPS-Track verlinkt. Da die Markierungen nicht immer leicht zu finden sind, ist es sehr ratsam, sich die Route vorab auf ein Mobiltelefon, GPS-Gerät oder Sportuhr zu laden. Vorab deshalb, da in dieser Region das mobile Internet nur rudimentär bis gar nicht vorhanden ist. Die GPS-Route gibt einen guten Anhalt, in welche Richtung zu gehen ist. Ab und zu weicht diese jedoch von der realen Route ab. Im Zweifel also eher der Markierung folgen.

Eine Karte mit allen Hütten und Quellen findest du am Ende des Beitrags.

Markierungen

Der Forststeig ist durch einen gelben Strich gekennzeichnet. Markierungen findest du an Bäumen, Grenzpfeilern, Felsen, grün-gelben Metallstäben und selten auch auf weißen Schildchen. Nicht immer sind diese Markierungen leicht zu finden. Mal verstecken sie sich hinter einer zugewachsenen Baumkrone, mal am Astansatz einer Tanne. Wenn gar keine Markierung zu sehen ist, empfiehlt es sich, zur letzten gesehenen zurück zu gehen und zu schauen, aus welcher Richtung ein entgegen kommender Wanderer den Strich sieht. Diese Richtung sollte in der Regel dann auch die sein, in die du gehen musst. 

 

An manchen Abzweigungen sind die Richtungen, in die man abbiegen muss, durch zwei gelbe Streifen gekennzeichnet. Der höher stehende Strich zeigt dabei immer die Richtung an, in die abzubiegen ist. In dem Bilderbeispiel also nach rechts.

Übernachtungsmöglichkeiten

Hütten

Der Sachsenforst hat einige alte Forsthütten zu Trekkinghütten ausgebaut. In ihnen findest du Sitzgelegenheiten, einen Kamin und Schlafplätze für einige Wanderer. Eine außen gelegene Komposttoilette gehört ebenfalls zur Ausstattung dazu. Trinkwasser ist allerdings mitzubringen. Um die Hütten nutzen zu können, musst du vorab Trekkingtickets in einer der Verkaufsstellen erwerben. Eine Übernachtung in einer Hütte kostet 10 € und wird durch Einlösen des Tickets vor Ort bezahlt. Die Trekkingtickets sind zwei Jahre lang gültig.

Die Standorte der Hütten sind in der Übersichtskarte des Forststeigs und im Höhenprofil ersichtlich. Leider sind diese nicht gleichmäßig verteilt, so dass die letzten bzw. ersten 40 km (je nachdem, aus welcher Richtung man startet) des Forststeigs keine Hütten oder Biwaks aufweisen.

Die Hütten sind von April bis Oktober geöffnet. Ein Anspruch auf einen Schlafplatz besteht nicht, wenn sie schon voll ist. Familien und Langstreckenwanderer haben jedoch Vorrang vor Tageswanderern.

Grenzbaude

Etwa 15 km von Schöna entfernt liegt die Grenzbaude ca. 400 m abseits des Forststeigs.

 

Kamphütte

Etwa 42 km von Schöna entfernt. Die Hütte ist schon vom Forststeig aus zu sehen und nur wenige Meter davon entfernt.

 

Rotsteinhütte

Etwa 61 km von Schöna entfernt. Die Hütte ist über einen experimentellen Weg durch ein Rodungsgebiet zu erreichen. Herrlich abgelegen.

 

Biwakplätze

Insgesamt drei Biwakplätze finden sich in unmittelbarer Nähe des Forststeigs. Diese wurden liebevoll hergerichtet und keiner gleicht dem anderen. Der Biwakplatz am Taubenteich verfügt über eine Feuerstelle, alle Biwakplätze sind ausgestattet mit Sitzgelegenheiten und teilweise Schlafkojen. Trinkwasser ist mitzubringen. Wie für die Hütten benötigst du Trekkingtickets zur Übernachtung. Eine Nacht auf dem Biwakplatz kostet 5 €. Zelte dürfen  auf den Biwakplätzen aufgestellt werden.

Die Biwakplätze sind von April bis Oktober geöffnet. 

Biwakplatz Zschirnstein

Etwa 11,5 km von Schöna entfernt. Direkt am Forststeig gelegen mit Schlafmöglichkeiten für etwa 8 Wanderer.

 

Biwakplatz Taubenteich

Etwa 17 km von Schöna entfernt. Etwa 200 m vom Forststeig gelegen mit Schlafmöglichkeiten für etwa 3-6 Wanderer (je nachdem, ob man sich eine Koje teilen möchte).

 

Biwakplatz Spitzstein

Etwa 70 km von Schöna entfernt. Direkt am Forststeig gelegen mit Sitzgelegenheiten. Dedizierte Schlafplätze gibt es nicht, man legt sich hier mit Isomatte auf den Boden oder stellt sein Zelt nebenan auf.

 

Freiübernachtung/ Boofen

Da sich die Hütten und Biwakplätze hauptsächlich in einem Bereich konzentrieren, die Abstände eher auf 5 – 6 Tage ausgelegt sind und vor allem die 40 km von bzw. bis Bad Schandau gar keine mehr aufweisen, bleibt für die Abenteurer unter uns die Freiübernachtung als Möglichkeit. Im Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz ist zwar das Zelten verboten, das Übernachten im Freien aber grundsätzlich gestattet. 

Schöne Plätze dafür finden sich am Wegesrand immer, sei es ein abgelegenes Waldstück, die Grenzplatte hoch oben mit Blick auf den Sternenhimmel und Ostrov ganz unten oder eine der zahlreichen und teilweise sehr gemütlichen Boofen. Wer nicht auf „Cowboycamping“ steht (nur Isomatte und Schlafsack), der nimmt ein Hammock (Hängematte) mit. Bäume gibt es am Forststeig mehr als genug.

 

Klassische Unterkünfte/ Forststeigpartner

Auf der Übersichtskarte des Sachsenforsts sind drei Campingplätze eingetragen, die als Partner des Forststeigs fungieren. Auf der tschechischen Seite ist dies das Autokemp, welcher als klassischer Campingplatz in den Sommermonaten das Aufstellen eines Zeltes ermöglicht und ab Herbst das Mieten einer Hütte. Bei KM 75 ab Schöna liegt der Campingplatz Nikolsdorfer Berg, den ich aber hier ausdrücklich nicht empfehlen möchte, da er von Forststeigwanderern deutlich höhere Übernachtungspreise verlangt mit Erklärungen, die dem Wanderer Gänsehaut verursachen. 

In Gohrisch, etwa 8 km von Bad Schandau entfernt befindet sich ein weiterer Campingplatz, für den man aber einige Kilometer vom Forststeig abweichen muss. 

Für denjenigen, der es bequemer mag, finden sich z. B. direkt auf dem Schneeberg bzw. im dazugehörigen Örtchen Sněžnik kleine Gasthäuser, die auch über einschlägige Buchungsportale auffindbar sind. Aber das ist ja eigentlich nicht der Sinn des Trekkings.

Wasser

Wasser ist auf dem Forststeig Mangelware… sofern man sich auf Wasser aus dem Wasserhahn bzw. käuflich zu erwerbendes Wasser verlässt. Vor allem auf dem ersten Teilstück des Weges ab Schöna finden sich immer wieder kleine Bäche und Quellen, aus denen man sich bedienen kann. Im weiteren Verlauf kreuzt der Forststeig immer wieder den sehr zuverlässig wasserführenden Fluss Biela sowie den Neuteich, der glasklares Wasser enthält. Diese Wasserquellen müssen natürlich vor dem Verzehr stets gefiltert werden! Dies kann auf unterschiedliche Weise funktionieren. Ich hatte auf der Wanderung einen UV-Filter dabei,  meine Begleiterin einen Membranfilter.

Die Wasserquellen sind in der Karte Sächsisch-Böhmische Schweiz eingezeichnet, jedoch fiel es mir aufgrund des Maßstabs schwer, diese genau zu lokalisieren. Hilfreich könnte dagegen diese digitale Übersicht einiger Quellen sein.

Wünschenswert wäre es, wenn sich hier analog zu internationalen Trails sogenannte Wasser-Caches etablieren würden. Stellen, an denen Helfer des Forststeigs oder auch Privatleute Trinkwasser für die Wanderer deponieren. Das muss keinesfalls gratis passieren, sondern eher im Rahmen einer „Kasse des Vertrauens“. Ein Wanderer zahlt gerne mal 1 € für eine kleine Flasche Cola oder Wasser am Wegesrand und Einheimische könnten sich so ein kleines Zubrot verdienen.

Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten

Der Forststeig ist darauf ausgelegt, autark die 100 km zu bestreiten. Entsprechend sollte man Verpflegung für die Anzahl an Tagen mitnehmen, die man plant, unterwegs zu sein. Entsprechend mager ist die Möglichkeit, unterwegs essen zu gehen oder die Vorräte auffüllen zu können. Man sollte nicht damit rechnen, an passenden Gelegenheiten vorbeizukommen. Dennoch gibt es einige wenige Möglichkeiten, unterwegs fürs leibliche Wohl zu sorgen.

Auch hier wären Caches mit einer „Kasse des Vertrauens“ toll, die z. B. Schokoriegel oder andere kleine Snacks für Wanderer enthalten.

Mobilfunk und mobile Daten

Die Sächsische Schweiz und hier vor allem das Gebiet, durch welches der Forststeig führt, sind mobilfunktechnisch noch in der Steinzeit. Kein Mobilfunkanbieter hat es bisher geschafft, ein zeitgemäßes Netz bis an die Grenze aufzubauen. Von Schöna bis kurz vor dem Katzenstein (also dreiviertel der Strecke) hatte ich keinen Mobilfunkempfang. Von mobilen Daten ganz zu schweigen. Wenn ihr also auf den Forststeig geht, versichert euren Lieben, dass es an der Technik liegt, worum ihr euch tagelang nicht meldet. So ein Funkloch kann in Zeiten der ständigen Erreichbarkeit aber auch Balsam für die Seele sein.

 

Wer doch auf Nummer sicher gehen will, dem empfehle ich einen Satelliten-Messenger. Den Knochen gibt es inzwischen auch schon als Mini-Version, der eine Netzabdeckung von 100 % weltweit verspricht. Ich hatte auf dem Forststeig tatsächlich stets die Möglichkeit, Nachrichten zu versenden und zu empfangen. Und im Notfall ist der SOS-Knopf gleich am Mann. 

Packliste Forststeig

Meine Packliste, mit allem, was ich dabei hatte, findet ihr hier.

Karte mit Quellen und Hütten/Biwakplätzen

Ich hoffe, die Tipps helfen euch für eine gelungene Wanderung auf dem noch jungen Forststeig. Happy trails!


Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Das heißt: Ich bekomme eine geringe Provision, wenn ihr über diesen Link ein Produkt kauft. Das Produkt selbst kostet euch jedoch keinen Cent mehr, aber es hilft mir, diesen Blog am Leben zu erhalten und mit Inhalten zu füllen.

You Might Also Like