Produkttest: McKinley Multifunktionsschuh Stowe AQX LTH Woman

October 10, 2015

Galerie oben zum Durchklicken

In meinem Urlaub haben mich die Multifunktionsschuhe von McKinley viele Kilometer durch Wüsten, Berge, Flüsse und Canyons begleitet. Mehr als 70 km habe ich in verschiedenen Wanderungen mit unterschiedlichstem Terrain und im Alltag darin zurück gelegt. Ein Fazit ist zum jetzigen Zeitpunkt durchaus schon angemessen. Aber erst einmal zum Test. 

Fakten zum Schuh

Der Stowe AQX LTH Woman ist ein leichter Trekkingschuh. Zumindest würde ich ihn in diese Kategorie einordnen. Er schließt unterhalb der Knöchel ab und bietet deshalb weniger Stabilität für den Fall, dass man zum Umknicken neigt als z. B. ein klassischer schwerer Wanderschuh. Das Obermaterial ist eine Mischung aus Nubukleder und einem atmungsaktiven Mesh-Material. Die Schuhe sollen wind- und wasserdicht sein. Die Innensohle lässt sich herausnehmen, was ich sehr positiv empfinde, da man so die Sohle nach einer gewissen Nutzung einfach in der Waschmaschine waschen kann.

Die Sohle ist gut profiliert und aus einem rutschfesten Material. Die Schnürsenkel sind recht dick und glatt, was am Anfang dazu geführt hat, dass sie trotz Doppelknotens ständig aufgingen.

Die Farbe besteht aus unterschiedlichen naturnahen braun- und grautönen, wobei Braun eindeutig überwiegt. Der McKinley-Schriftzug hinten sowie die Blüte vorne haben reflektierende Eigenschaften, so dass man im Dunkeln ein wenig besser gesehen wird, sofern die Hose nicht darüber ragt.

Die Schuhe hatte ich mir in Größe 38 gewünscht, was einer Schuhgröße mehr entspricht, als ich eigentlich trage. Gerade bei Wanderschuhen darf es an keiner Ecke drücken und es muss bei Bedarf genug „Luft“ für dickere Socken sein.

 

Die Touren

Tour 1 – Badlands, South Dakota

Distanz: 14,5 km             

Höhenmeter: 158 m hoch, 200 m runter

Bodenbeschaffenheit: Steppe, Graslandschaft, krümeliger verwitterter Lehm, Geröll/Schiefer

Auf meiner ersten Tour konnten die Schuhe gleich ihr volles Potential ausschöpfen. Was als bequeme Wanderung durch ein Flussbett begann, endete zwischenzeitlich mit Klettern und Hinabsteigen/-rutschen eines steilen
Berges, dessen oberste Schicht aus bröckeligen Lehm bestand, die kaum Halt gab. Mit den Schuhen konnte ich weitestgehend guten Halt finden. Wenn jedoch die ganze Oberschicht zu rutschen anfängt, helfen auch die griffigsten Schuhe nicht mehr. Einige Meter ging es dann sehr schnell abwärts, die Schuhe haben es jedoch sehr gut überlebt.

Auf den weiteren, zunächst flacheren Kilometern, empfand ich sie als sehr bequem. Trotz zeitweise einsetzenden Regens blieben die Füße zudem trocken.

Ein paar mehr Klettereinlagen folgten dann kurz vor dem Ziel über einen steilen Aufstieg über krümeliges Schiefergestein, welches auch mehr unter den Füßen wegrutschte, als dass es Halt gab. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich jedoch das Gefühl, nicht sicher in den Schuhen zu sein. Auch den fehlenden Halt um die Knöchel herum empfand ich nicht als Risiko.

Tour 2 – Hanging Lake, Colorado

Distanz: 6,5 km 

Höhenmeter: 310 m hoch, 310 m runter

Bodenbeschaffenheit: Waldboden, Granitfelsen, Holzplanken

 

Die Tour zum Hanging Lake, einem einzigartigen türkisblauen Ökosystems mit Wasserfällen, führte über recht kurze Distanz einige hundert Höhenmeter nach oben. Der Pfad wechselte zwischen Waldboden und Felsen, wurde aber mit zunehmender Höhe immer steiler und felsiger. Oben angekommen konnte man den See über einen Holzsteg erreichen. Ein paar Regentropfen kamen auch hier vom Himmel, die den reichlich genutzten Steg glatt werden ließen. Dank meiner Schuh hatte ich aber immer festen Halt unter den Füßen und konnte schnellen Schrittes weiterlaufen.

Auf dem Rückweg testete ich zum ersten Mal die Wasserdichtigkeit der Schuhe im parallel zum Pfad verlaufenden Flüsschen. Ich hielt den rechten Schuh für ein paar Sekunden direkt ins Wasser. Ja, die Schuhe hielten dicht, meine Socken waren hinterher komplett trocken.

Auch nach dieser Wanderung konnte ich keine Einschränkungen beim Komfort feststellen. Keine Blase, keine Druckstelle. Sehr schön!

Tour 3 – Syncline Loop, Canyonlands Nationalpark, Utah

Distanz: 18 km  

Höhenmeter: 530 m hoch, 530 m runter

 Bodenbeschaffenheit: verharrschter Wüstenboden, sandiges Flussbett, grobe Felsblöcke und Steinplatten

Die Syncline Loop ist eine der schwierigsten und anstrengendsten Wanderungen im Park. Ursprünglich wollte ich mein gewohntes Paar Wanderschuhe anziehen, da ich die McKinley-Schuhe für so eine Tour noch nicht genug eingelaufen hatte. Ich gab ihnen jedoch einen Vertrauensvorschuss, der nicht enttäuscht wurde. Mit 35 Grad Tageshöchsttemperatur brachten meine Schuhe mich mit schwerem Gepäck (6 Liter Wasser, Verpflegung und sonstiges Gepäck) über die herausfordernde Strecke.

Die Bodenbeschaffenheit war dabei so abwechslungsreich wie die Umgebung. Bequem ging es zunächst über harten Wüstenboden, dann direkt durch ein Flussbett. Meine Füße sanken zwar mit jedem Schritt im Sand ein, aber die Schuhe saßen fest genug, um keine Sandkörner oder gröberes hinein zu lassen.

Über große Steinplatten ging es weiter abwärts in den Canyon. Ins Rutschen geriet ich dabei durch die gute Griffigkeit der Schuhe aber nie.

Die wirkliche Herausforderung bestand im Überqueren des Geröllfeldes, um hinab zum Meteoritenkrater zu gelangen. Hier war deutlich mehr Klettern und Krabbeln als Laufen angesagt. Im steilen Gefälle hielten die Schuhe meine Füße stets stabil und ich knickte nie um. Auch bei höheren Steinstufen und härterem Aufkommen empfand ich die Dämpfung als ausreichend.

Trotz der hohen Temperaturen hatte ich dank der Atmungsaktivität nie das Gefühl von Schweißfüßen oder dass der Boden unter mir „brennt“.

Tour 4 – Grand Canyon, Arizona

Distanz: 20 km an zwei Tagen

Höhenmeter: 908 m hoch, 908 m runter

Bodenbeschaffenheit: hohe natürliche Stein- und Holzstufen, unzählige steile und teilweise rutschige steinige Haarnadelkurven, verharrschter Wüstenboden, Geröll

Nachdem mir die Stowe AQX LTH auf den vorherigen Wanderungen so gute Dienste geleistet hatten und ich bislang weder eine Blase noch ein anderes Zipperlein an den Füßen verspürte, durften die Schuhe auch mit auf die Reise in den Grand Canyon.

Eine neue Strecke, neue Herausforderungen. Bis hinunter zum Zielplateau wand sich der Weg in teilweise sehr hohen Stufen aus Stein oder Holz hinab. Nachdem ich diese bezwungen hatte, ging es weiter auf knieunfreundlichen steilen Stein-Haarnadelkurven.  Die Schuhe verhinderten
erfolgreich ein Ausrutschen trotz kompletter Campingausrüstung auf dem Rücken.

Ein paar Klettereinlagen gab es auch hier, aber ich wusste ja inzwischen, dass ich mich auf meine Fußbekleidung diesbezüglich verlassen kann.

Den größten Vertrauensbeweis lieferten sie aber zum Ende des ersten Tages. Das Zelt war schon aufgeschlagen und ich musste noch einmal gute 200 Höhenmeter hinab zur Wasserquelle laufen. Da die Sonne in diesen Breitengraden sehr früh (kurz nach 18 Uhr) untergeht, war der Rückweg nach oben über den steilen, bröckligen und teils schwer zu findenden Weg schon interessant. Ein Schritt daneben oder ein Abrutscher und man landete in den Tiefen des Canyons.

Am nächsten Tag erkundete ich wiederum im Dunkeln nur mit Stirnlampe die Cave of Domes, ein Höhlensystem unterhalb des Plateaus, auf dem ich genächtigt hatte. Richtig viel zu Klettern gab es hier. Ab und an waren die Steine recht rutschig, bedingt durch den Staub, der in den Höhlen aufgewirbelt wurde. Die Schuhe taten ihren Dienst und ich kam heil wieder raus aus den Höhlen und raus aus dem Canyon. Wiederum keine Blase oder Druckstelle, nur Muskelkater. Aber dafür konnten die Schuhe ja nichts.

Tour 5 – Death Valley, Kalifornien

Distanz: rund 10 km in mehreren Etappen

Höhenmeter: maximal 100 m hoch/runter

Bodenbeschaffenheit: Sandbetten und verhärtete Schlammwüste, trockene Flussbetten, Granitfelsen, Flusslauf

Auf der letzten großen Tour wurden die Schuhe wieder zum Klettern missbraucht und im einzigen Wasserfall des Death Valley dem ultimativen Wasserdichtetest ausgesetzt. Bevor ich zum „Testgebiet“ gelangte, musste ich über glatte Granitfelsen, die schräg abfielen, klettern. Auf diesen blanken Felsen geriet die Rutschfestigkeit der Schuhe schon an ihre Grenzen. Ich musste öfter noch einmal neu Halt suchen.

Letztlich führten sie mich aber zum Ziel: einen kleinen Pool beim Wasserfall. Ich setzte mich und hielt beide Schuhe direkt in den Wasserstrahl. Es dauerte nur ein paar Sekunden, dann gab doch die Mesh-Schicht nach und meine Socken waren nass. Der Lederteil dagegen hatte kein
Wasser durchgelassen.

Meine Einschätzung ist daher, dass der Schuh zwar gegen kurzzeitige Nässe resistent ist (Regen, Pfützen, kurz durch Fluss laufen), aber bei längeren Passagen durch Flussläufe, wie sie ab und an bei Wanderungen vorkommen, längerfristig nicht standhalten kann.

Nach all den Strapazen…

Nach den vielen Kilometern haben die Schuhe inzwischen auch einen gewissen Eigengeruch entwickelt. Die Sohlen habe ich herausgenommen und in der Waschmaschine gewaschen. Diese riechen jetzt zumindest wieder frisch.

Nun haben mich die Multifunktionsschuhe auf so vielen Abenteuern begleitet, dass eine Bewertung aussteht.

Merkmal Bewertung Bemerkung
Passform +++
Optik ++ Ein wenig moderner (bunter) könnte der Schuh sein
Atmungsaktivität +++
Stabilität ++ Manch einer wagt sich durch die fehlende Knöchelumschließung wahrscheinlich nicht in schwieriges Gelände
Wasserdichte + Für kurzzeitiges Aussetzen im Wasser, nicht aber für längere Flussabschnitte
Gewicht ++ Angemessenes Gewicht, aber kein Leichtgewicht
Schnürung Die Schnürsenkel gingen auf den ersten Wanderungen trotz Doppelknoten ständig auf

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit den Schuhen. Sie werden mich noch auf einigen Kilometern begleiten.

badlands_tracks

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply