Vom Mammutmarsch zum Möwenmarsch – 35 km durch Berlin

Juli 18, 2016

EYB-Wanderung Alt-Tegel

Vor zwei Monaten schlichen wir auf den Spuren des Mammuts durch die Brandenburger Pampa. Aber der Abschluss des Mammutmarschs, der ja eigentlich keiner war, sollte keineswegs das Ende unserer gemeinsamen (Trainings)Wanderungen bedeuten. Schließlich gibt es noch so viel zu entdecken, noch ewig viel zu bequatschen und immer in Bewegung zu bleiben… und das alles nicht allein.

Auch, wenn ich es langsam nicht mehr sein sollte, war ich überrascht und überaus erfreut, dass letzten Samstag wieder an die 40 von Euch in Alt-Tegel auftauchten. Unserem Startpunkt für die 35 km-Tour „Zwei Forste & eine Fähre“, die ich in liebevoller Kleinarbeit für uns ausgearbeitet hatte.

EYB-Wanderung Startgruppe

Ganz viele bekannte Gesichter und auch ein einige wenige neue. Während wir noch auf die letzten Nachzügler warteten, machten wir schon mal das inzwischen schon Tradition gewordene Gruppenfoto zum Start. Ich machte eins, sollte dann aber auch (mal) mit rauf. Also drückte ich einem vertrauenserweckenden Passanten meine Kamera in die Hand. Dass der kaum bis gar nicht Deutsch verstand und auch mit Fotoapparaten nicht sonderlich vertraut war, merkte ich dann erst, als er ihn mir wieder in die Hand drückte, irgendwas in irgendwas sagte und kein Foto drauf war. Schwamm drüber!

Kurz nach 10 verschwanden wir auch schon im Tegeler Forst. Herrliche duftende kleine Waldwege empfingen uns. Mal wurden sie breiter, mal führten sie einem einem Spielplatz vorbei, auf dem gerade ein Kinderfest stattfand.

Und keine fünf Kilometer später kam das, was man bei einer Wanderung mit mir erwarten kann: ein Berg. Genauer gesagt, der Ehrenpfortenberg, der sogar eine natürlich Erhebung darstellt. Die meisten Berge Berlins sind ja alte Mülldeponien oder Schuttberge. Wen die Geschichte des Ehrenpfortenberg interessiert, lese sich einfach das Schild durch.

Ein wenig Murren hörte ich zwar hinter mir als es bergauf ging, aber das riesige hölzerne Gipfelkreuz, das in keinem Verhältnis zu den Höhenmetern steht, sorgte für ein wenig Entschädigung.

Ab da ging es gemächlich Richtungs Hennigsdorf, dem nördlichsten Punkt unserer heutigen Reise. Während wir so vor uns hin zogen, ließen wir noch einmal den Mammutmarsch Revue passieren, diskutierten über dessen Zukunft und redeten über den im September anstehenden Ostseeweg. Es wurde bemängelt, dass ich noch gar kein Maskottchen für den Ostseeweg hatte. Stimmt! Aber was auch? Das Mammut lag so nahe, aber was für die Ostsee? Ein Seehund? Eine Krabbe? Irgendwann beschlossen wir, den Ostseeweg einfach umzutaufen in „Möwenmarsch“. Da müsste man nicht mal die Initialen ändern. Klare Sache. Der Ostseeweg heißt jetzt Möwenmarsch. Zumindest bei uns.

Über diese hoch philosophischen Gedanken waren wir dann auch schon in Hennigsdorf angekommen. Eigentlich ein paar schöne Plätze für eine Pause. Aber wie immer waren wieder ganz vorn einige richtig schnell und an den schönen Plätzen vorbei gezogen. Manuel bot sich an, nach vorn zu sprinten, um die Herde an einem geeigneten Plätzchen zum Pausieren zu überzeugen. Hinten war das Bedürfnis nach einer Pause nämlich deutlich höher als vorn.

Als schon eine einladende Wiese zum ein Hinplumpsen einlud, erklärte Karsten sehr überzeugend, dass nur 500 m weiter ein noch viel schöneres Fleckchen sei. Also Karsten, deine 500 m sind schon sehr optimistisch. Aber in der Tat fanden wir einmal über die Brücke rüber eine Wiese, die zwar nicht schöner war, aber zwei entscheidende Vorteile bot: es gab einen Imbiss und es gab Toiletten. Eis, Pommes, Döner, Kaffee… alles mögliche wurde nachgefragt. Obwohl mein Rucksack voll mit Futter war, erlag ich dem Heißhunger auf Pommes. Andere waren da standhafter.

EYB-Wanderung Pause

Auch wenn wir heute viel Zeit und nur eine kurze (!) Strecke vor uns hatten, hielten wir die Pause auch so: kurz. Je länger man sitzt, umso schwerer fällt es, wieder aufzustehen und weiterzulaufen. Und da Martin, obwohl bereits lange im Voraus angekündigt, hier nicht die Gelegenheit ergriff, baden zu gehen, zogen wir weiter nach Spandau hinein. Nach ein paar Kilometern an der Havel entlang verschwanden wir wieder im Wald. Diesmal im Spandauer Forst. Die Strecke hieß ja nicht umsonst „Die zwei Forste…“

EYB-Wanderung Ab in den Wald

Eine Mini-Rast machten wir am Kleinen Mittelheidesee. Hier wollte Martin ja ursprünglich baden. Leider war der See vor lauter Schilf nicht zu sehen. Und auch die Kuhlake, an welcher wir entlang spazierten, hatte nicht wirklich Badequalität.

Die Fähre war nicht mehr weit. Der Spandauer Forst erinnerte mich an meine Kindheit. Meine Großeltern waren oft mit mir hier gewesen, Wildschweine füttern. Leider wusste ich nicht, wo das Gehege war. Umso überraschter war ich, als uns unser Weg, den ich ja wieder nur am Rechner geplant hatte, direkt dorthin führte. Auf einmal hingen alle am Zaun und begutachteten das Rotwild und später die Schweinchen.

EYB-Wanderung Begeisterung am Tiergehege

EYB-Wanderung Spandauer Forst Brücke

Als wir bei den Schweinchen ankamen, waren „wir“ nur noch zu fünft. Alle anderen hatten ihre Faszination anscheinend deutlich schneller unter Kontrolle gekriegt und waren bereits von dannen gezogen. Völlig unverständlich für uns hintere. Wer hatte es denn da schon wieder eilig? Egal. Wir würden uns an der Fähre wieder treffen.

Und so war es dann auch. Ganz weit entfernt sahen wir die Gruppe nochmal im Wald vor uns. Ein wenig Ratlosigkeit an einer Ecke hielt sie wiederum auf, so wir keine fünf Minuten später wieder alle vereint waren und auf die Fähre warteten, die gerade beim Anlegen war. Da diese Fähre nicht nur eine reine Personenfähre, sondern vielmehr für den Autotransport von Tegel nach Spandau herhält, war die Fahrfrequenz von 10 Minuten erfreulich hoch. Niedrig dagegen war der Preis. 60 Cent kostete uns die Überfahrt pro Nase. Fast hätte ich den Fährmann übers Ohr gehauen, als ich ihm einen Euro gab und meinte „Kannst mir 50 Cent wiedergeben. Stimmt dann so“. Rechnen müsste man können.

Endspurt! Am Mittelheidesee hatte ich mutigerweise meine bequemen Wanderschuhe gegen LUNAs getauscht und war nun schon etliche Kilometer mit ihnen unterwegs. Dass die (so gut wie) keine Dämpfung haben, merkte ich schon. Eigentlich wollte ich bis zum Ende darin laufen, aber 4 Kilometer vor dem „Ziel“ gab ich klein bei und wechselte wieder in meine Wanderschuhe, die sich danach anfühlten als würde ich auf Wölkchen laufen. Durch meinen Boxenstopp war ich auf einmal gaaaanz hinten. Flotten Schrittes holte ich die letzten auf, die ersten waren aber schon wieder etliche hundert Meter voraus. Plötzlich kamen die uns entgegen. Ups. Falscher Weg. Schon war ich wieder vor uns nahm den richtigen.

Der vermeintlich richtige Weg führte uns geradewegs auf einen… Zaun. Aha. Danke GPSies. Hinter dem Zaun stand die „Dicke Marie“. Nein nein, keine voluminöse zurückgelassene Dame mittleren Alters. Die „Dicke Marie“ ist angeblich Berlins ältester Baum. Vor so einem Wahrzeichen braucht es ein Gruppenfoto.

Dahinter fanden wir dann auch den Weg, der noch einmal wunderschön durch den diesmal südlichen Teil des Tegeler Forsts führte. Ein paar Hügelchen weiter war dann aber Schluss mit Natur und plötzlich fanden wir uns schon neben einer vierspurigen Straße wieder.

EYB-Wanderung Weg Dicke Marie

Das Ende unserer heutigen Tour besiegelten wir am Wasser. Unsere beiden Wasserratten Martin und Ralf waren ja nun leider nicht zu ihrem Bad gekommen. Vielleicht hingen sie deswegen so sehnsüchtig über dem Gewässer. Nach unserem traditionellen Abschlussfoto verstreuten wir uns wieder in alle Richtungen. Für mich gab es an dem Abend noch ein leckeres Grill-Happening.

Auch ohne auf etwas zu trainieren sind diese Wanderungen immer wieder eine großartige Gelegenheit, aus dem Alltag auszubrechen und in die Natur zu gehen. Und das quasi direkt vor der Haustür. Nächstes Mal müssen wir dann aber doch ein wenig weiter raus: es geht nach Gusow, denn wir wollen die letzten 40 km wandern, die uns beim Mammutmarsch gefehlt haben. Wie immer gilt: wer dabei ist, ist dabei und jeder Neuankömmling ist herzlich willkommen!

 

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