Fjällräven Polar 2018 – Tag 1: Aufregung wie zu Weihnachten

April 19, 2018

4:20 Uhr. Der Wecker klingelt. Zum Glück habe ich alle meine Sachen gestern schon gepackt. Vor Aufregung hätte ich heute morgen sowieso die Hälfte vergessen. Es geht zum Fjällräven Polar nach Stockholm. So ganz glauben kann ich das immer noch nicht, dass ich eine der 24 auserwählten Personen sein darf, die dieses superkalte Abenteuer erleben darf.

Nur mit Handgepäck zum Flughafen zu fahren fühlt sich seltsam an, zumal ein Drittel meines Rucksackinhalts aus gebrannten Mandeln besteht. Einige Teilnehmer des Fjällräven Polar hatten schon verraten, dass sie kleine Geschenke für die anderen mitbringen und ich dachte mir, etwas zum Wegnaschen im Schnee kann so verkehrt nicht sein. Eine gut investierte Stunde, um 2 Kilo duftende Mandeln zu produzieren.

Nach guten anderthalb Stunden im Flieger kommen die ersten schneebedeckten Berge in Sichtweite. Die Schweizer Alpen. Irgendwie die falsche Richtung. Zwei Stunden später hebt dann endlich der Vogel nach Stockholm ab. Zu dem Zeitpunkt sind die meisten Teilnehmer schon in Sigtuna angekommen und essen Mittag. In der Business Class bekomme ich zum zweiten Mal Spinat in Form einer Quiche. Essenstechnisch kann ich mich über die Flugbuchung nicht beklagen, nur schade, dass ich damit als eine der letzten zu unserem Team stoßen werde.

Erstes Zusammentreffen

12:50 Uhr. Landung in Stockholm. Die Flüsse und Seen hier sind noch dick mit Eis bedeckt. Jetzt bin ich richtig aufgeregt. Sofia, die ich aus den Videos der Vorjahre kenne, wird mich abholen. Am Ausgang von Terminal 5 finde ich aber niemanden, der mich mitnehmen will. Also warte ich. Lieber an einem Punkt warten, bis man gefunden wird, als sinnlos herumzuirren.

Und das hilft. 10 Minuten später tauchen hinter mir zwei blau gekleidete, sehr große Menschen auf. Die Schweden seien alle so groß, sagt Sofia. Dann werde ich mich wohl ans Nachobengucken gewöhnen müssen.

Zusammen mit Joel, der die Teilnahme mit den meisten Zeltübernachtungen zwischen Juni und Februar gewonnen hat (70 übrigens) und Niogk aus Indien werden wir nach Sigtuna gefahren. 20 Minuten dauert es, dann werden wir von Carl und Andreas höflich aber bestimmt gebeten, schnell einzuchecken, Mittag zu essen und dann zu den anderen zu stoßen. Ich bin immer noch so vollgestopft vom Flugzeugessen, aber das Dinner auszuschlagen, wäre ein Frevel gewesen. Auch wenn es nun für mich zum dritten Mal an diesem Tag Lachs und Spinat gibt, ist das eins der besten Essen, die ich in meinem Leben je gegessen habe.

Erstes Briefing

Mit tosendem Applaus werden wir drei von den schon seit geraumer Zeit Wartenden empfangen. Endlich sind wir komplett! Na ja, fast. Vaggelis aus Griechenland fehlt noch, er kommt mit dem letzten Flieger. Carl, einer der Event Manager begrüßt uns noch einmal und übergibt dann zum theoretischen Briefing an Johan Skullman, seines Zeichen Outdoor-Experte und langjähriger Begleiter beim Fjällräven Polar. Vor Johan habe ich einen heiden Respekt. Nicht nur wegen seines hervorragenden Outdoorwissens, sondern weil jedes Bild von ihm ihn als sehr ernsten, fast strengen Menschen zeigt. Bilder können täuschen, denn Johan ist zwar bestimmt, aber gleichzeitig warmherzig mit einer guten Prise Humor. Die Lektionen über das Schichten-Modell mit für mich völlig neuen Aspekten (der Schlafsack gehört auch dazu), Ernährung und Wärmeerhaltung vergehen wie im Flug.

Und dennoch werde ich – so wie die meisten anderen auch – immer hibbeliger. Irgendwie in diesem Haus muss es diesen einen Raum geben, in dem all unser spezielles Equipment auf uns wartet. Der megadicke Daunen-Polar-Parka mit meinem Namen drauf. Winterhose, Socken, Mützen, Hardshell-Jacke usw.

Frohe Weihnachten

Um 16 Uhr ist es dann so weit. Bescherung! Noch etwas schüchtern betreten 24 aufgeregte Polar-Anwärter den „heiligen“ Raum, in dem 24 Polar-Parka darauf warten, von ihrem Besitzer gefunden zu werden. Das Gekreisch ist groß. In diesem Jahr sind die Parka nicht mehr blau-schwarz, sondern blau mit knalligem Orange. Geil! Wie alle anderen schmeiße ich mir meinen Parka über und freue mich meines Lebens. Da ist es auch egal, dass ich bei 20 Grad Innentemperatur sofort anfange, darunter zu schwitzen. Vollgepackt bis unters Kinn rennen alle in ihre Zimmer, weiter auspacken. Dicke Winterstiefel, drei Paar Handschuhe, schichtenweise Merinounterwäsche. Trotz vorheriger Größenabfrage passt bei weitem nicht alles. Fjällräven muss gedacht haben, ich habe Clownsfüße und Riesenpranken, denn Schuhe, Socken und Handschuhe sind um Welten zu groß. Zum Glück haben sie ein Stockwerk höher eine Art „Shop“ eingerichtet, bei dem nicht passende Sachen umgetauscht werden können. Bis auf die Socken bekomme ich alles kleiner. Egal, die werden schon irgendwie passen. Wie ein Schneekönig freue ich mich über meine neue Winterausrüstung.

Viel Zeit zum Freuen bleibt jedoch nicht, denn heute abend muss noch alles final gepackt werden. Alles, was mit auf die Hundeschlitten kommt und der Rest, der direkt ans Ziel transportiert werden soll. Und Abendessen gibt es ja auch noch! Das zu verpassen, geht mal gar nicht. Butterweiches Rentier an Popcorn bekommt man nicht alle Tage serviert. Dazu gibt es Spinat. Mein fünfter heute!

Völlig satt und zufrieden sinke ich gegen 22 Uhr in mein viel zu weiches Bett. Schlafen? Das versuche ich etwa eine Stunde lang. Die Aufregung ist einfach zu groß. Irgendwann zwinge ich mich zum Schlafen, denn morgen gehts wieder früh raus: um 4:30 Uhr zum Flieger nach Nordnorwegen.

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  • Martin Freitag, der 20. April 2018 at 06:14

    Na, das hört sich doch alles toll. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Hab viel Spaß!

    • Carola
      Carola Samstag, der 21. April 2018 at 09:18

      Lieben Dank, Martin, die Fortsetzung gibt es hoffentlich schon morgen Abend 🙂