Berlin-Marathon: Weiterkämpfen oder der Realität ins Auge sehen?

August 2, 2018

Six weeks to go! Mein Gott, nur noch sechs Wochen bis zum Berlin-Marathon. Oder sollte ich sagen, zum Glück nur noch sechs Wochen? Meine Stimmungslage bezüglich des Themas schwankt derzeit zwischen „Ach komm, irgendwie rockst du das Ding schon. Und wenn es 6:30 Stunden dauert“ und „Ich will einfach nur, dass der Termin vorbei ist“.

Mitte Juni wollte ich so richtig mit dem Marathon-Training durchstarten. Davor war ich immer mal recht planlos gelaufen und der Urlaub in Schottland Anfang Juni bestand hauptsächlich aus Trekking. Aber die Motivation war da, so dass ich direkt danach fleißig an der Ostsee lief, um mich gut aufzubauen. Den Schwung vom Sachsentrail mit seinen 19 km und gnadenlosen 500 Höhenmetern wollte ich bestmöglich mitnehmen und ausnutzen. Pustekuchen. Zwei Tage später lag ich mit einer Erkältung flach. Anderthalb Wochen Pause.

Mitte Juli dann der erste zaghafte Wiedereinstiegsversuch ins Training bei heißen 28 Grad. Gute 7 km, aber besser als nichts. Ein neuer Hoffnungsschimmer…der zwei Tage später gleich wieder im Keim erstickt wurde. Eine Magen-Darm-Grippe führte zu weiteren neun Tagen Laufpause, bzw. Pause von allem, inklusive Kreislauf. Ende Juli fing ich also wieder von vorne an. Wer schon einmal in so einer Situation war, der weiß, wie frustrierend es sein kann, wieder und wieder quasi bei Stand Null anzufangen. Hinzu kommt der ständig wachsende Zeitdruck im Kopf. Mit jedem Tag ohne Laufmöglichkeit sinkt meine Chance, den Marathon Mitte September zu finishen.

Dazu kommt der Fakt, dass ich absolut kein Sommerläufer bin. Natürlich war mir im letzten Herbst, als ich mich für einen Startplatz bewarb, bewusst, dass das Training hauptsächlich im Sommer stattfinden wird. Aber wer hätte da bitte gedacht, dass bereits Ende Mai um die 30 Grad sein würden? Da hoffte ich noch, es sei nur eine Laune des Wetters und es würde sicherlich noch einmal kühler werden. Nein. Die Hitzewelle hat Deutschland und Europa nun seit über zwei Monaten fest im Griff. Der wichtigsten Zeit im Training. Natürlich versuche ich, möglichst vielen Tipps zum Training in Hochsommer zu folgen. Dennoch merke ich, wie sehr mir diese wüstenähnlichen Bedingungen beim Laufen zu schaffen machen. Keine zwei Wochen nach der Magen-Darm-Grippe hatte ich schon wieder mit Diarrhoe zu kämpfen. Schuld daran ist aller Voraussicht nach die nicht aufhörende, sich stattdessen noch steigernde Hitze.

Gehe ich spät abends eine Runde laufen, wenn die Sonne untergegangen ist, ist es mit um die 30 Grad immer noch zu heiß. Ich schwitze wie ein Schwein und mein Puls ist in schwindelnder Höhe. Und eigentlich sollte man auch so kurz vor dem Schlafengehen nicht mehr trainieren, da der Körper sonst schwer zur Ruhe kommt. Stehe ich morgens um 4:45 Uhr auf, um noch vor der Arbeit eine Einheit zu absolvieren, passiert das zwar bei einigermaßen erträglichen Temperaturen, aber auf nüchternen Magen und schlaftrunken. Zum einen fehlt mir dann die Zeit, wirklich ausgedehnte Trainingseinheiten durchzuführen, aber auch die Energie.

Die Folge ist: mir macht derzeit keine meiner Trainingseinheiten Spaß. Ich merke keine wirkliche Konditionsverbesserung, ich bin nur am Schwitzen und ständig müde. Ich vermisse meine entspannten Abendläufe, denn bei 30 Grad entspannt sich nichts. So langsam frage ich mich daher, wieviel und wie lange ich noch bereit bin, mich durch dieses Wetter zu quälen. Eine Aussicht auf Besserung gibt es nicht. Weder beim Wetter, noch bei meinem Trainingszustand. Und dabei gibt es noch so viele andere schöne Dinge, die man im Hochsommer stattdessen genießen könnte…

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