2. Mammutmarsch-Trainingswanderung – Dem Frühling auf dem Mauerweg entgegen

Februar 8, 2016

mammutmarsch2 carola Keßler

Schon zwei ganze Wochen war er her, der Auftakt zum Mammutmarsch-Training, bei dem sich fast 40 wackere Wanderer aus der Umgebung und von weiterher 30 km durch den Schnee entlang des Teltowkanals gekämpft hatten. Von Winter war nur am Morgen der zweiten Trainingswanderung noch etwas zu spüren. 12 Grad und Sonnenschein sollten uns an diesem frühlingshaften Tag begleiten.

Ausgangspunkt unserer diesmal um 5 km gesteigerten Tour war wieder der S-BHF Teltow Stadt. Zum zweiten, aber auch zum letzten Mal, denn die anderen Routen starten in anderen Ecken Berlins, damit jeder mal ausschlafen kann 😉 Die halbe S-Bahn war schon mit Wandervögeln gefüllt, andere waren mit Auto gekommen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir nach dem letzten Ausflug wieder so viele Irre folgen würden. Aber ich freute mich total!

Punkt 9 Uhr begab sich unser Trüppchen Richtung Mauerweg. Gleich am Anfang musste ich die Strecke ein wenig anpassen, da ich bei einem Probelauf unter der Schneedecke bei bestem Willen nicht den Pfad gefunden hatte. Stattdessen hatte ich mich auf einer Pferdekoppel wiedergefunden. Aber der Siedlerweg war ja auch ganz schön.

mammutmarsch2 siedlerweg

Von dort ging es noch kurz durch Sigridshorst. Keine Ahnung, ob das ein Örtchen oder nur ein Ortsteil ist. Auf jeden Fall verdoppelte unsere Gruppe an diesem Samstag morgen sicherlich die Einwohnerzahl als wir einmarschierten. Keine 5 Minuten später – denn größer ist Sigridshorst nicht – fanden wir uns auf dem Mauerweg wieder, den wir für die nächsten rund 30 km nicht mehr verlassen würden. Mir war jetzt schon wieder heiß, dabei hatte ich mich bereits in Teltow von einer Schicht getrennt. War immer noch zuviel. Ich hatte ein Merino-T-Shirt an, ein Hoodie und eine Isolationsjacke. Was hab ich mir nur wieder dabei gedacht? Trennte mich von Hoodie und Isolationsjacke und trug ab da nur noch das T-Shirt. Ja gut. Und eine Softshell-Jacke. So warm war’s dann doch nicht.

mammutmarsch2 mauerweg

Wir passierten die japanische Kirschblütenallee, die leider nur im Mai in ihrer vollen rosa Pracht steht und schlappten weiter an Feldern vorbei, über die B 101 hinüber und durch Birkenwäldchen hindurch. Ein schönes Bild gaben wir ab. Wanderer, so weit das Auge reicht. Der normalerweise gut gefüllte Mauerweg war erstaunlich leer. Die müssen uns wohl kommen gehört haben, die Ausflügler.

mammutmarsch2 B96

Als wir über die B 96 hinüber waren, wurde es dann richtig wäldlich-ländlich. Kaum zu glauben, dass wir die ganze Zeit kaum einen Steinwurf von Berlin entfernt liefen. Da ging es kurzzeitig eine kleine Straße entlang, die ich schon nur des Namens wegen gelaufen wäre. Was ist eigentlich ein Roter Dudel?

mammutmarsch2 im roten dudel

Am Rande Lichtenrades steuerten die Ersten in unserem Rudel auf den Stadtteil des Mauerweges zu. Der hätte aber eine Verkürzung der Strecke bedeutet. Nee nee, so gehts nicht. Ein Blick in meine App verriet, dass es statt links, eigentlich geradeaus gehen müsste. Da lagen aber große Betonblöcke im Weg. Also möglichst unbemerkt den Plan ändern. Rechts lang, links lang, direkt auf einen großen Busch zu. Ich war zu dem Zeitpunkt etwa in der Mitte des Rudels und sehr gespannt, ob die vordersten gleich stehen bleiben oder weiterlaufen würden. Tatsächlich führte ein winziger Trampelpfad durch den Busch direkt aufs Feld. Prima! Wir waren wieder auf Kurs.

mammutmarsch2 feld

mammutmarsch2 waldweg

mammutmarsch2 mauerweg2

Nach etwa 16 km sah ich schon den einen oder anderen sehnsüchtigen und fragenden Blick nach einer Pause. In der Streckenvorbereitung hatte ich in Open Street View eingezeichnete Bänke gesehen. Leider wusste ich aber nicht sicher, ob diese frei zugänglich sind… ich hoffte es inständig und versprach Pause in 3 Kilometern. Sich ins nasse Gras oder Laub setzen wäre keine schöne Alternative gewesen. Ich kommunizierte mit der Spitze (Ich schrie über den ganzen Mauerweg. Brauche nächstes Mal Walkie-Talkies. Sind eh cool. Oder ein Megafon), damit nicht die ersten einfach an der Pausenstelle vorbei latschten. Die hatten aber auch ein Tempo drauf!

Und da war sie: die erhoffte Oase für geschundene Knochen, Gelenke und Bänder. Bänke und eine Tischtennisplatte mit genug Platz für alle. Gott sei dank, ich bin gerade noch knapp einer Steinigung entgangen. Nur 3:20 Stunden hatten wir für die 19 km gebraucht.

mammutmarsch2 pause

Etwa 20 Minuten lang wurde an Bananen, Energieriegeln, Chili con Carne, Salat und Dauerwurst geknabbert, dann machten wir uns wieder auf den Weg, um nicht auszukühlen. Aber hey! Über die Hälfte hatten wir schon hinter uns. Ein wenig lernfähig war ich dann doch gewesen. Ich hatte mir ein Wechselshirt eingepackt, das ich gegen meinen durchgeschwitzten Lappen am Körper tauschte.

Apropos Essen! Katharina, die Gute, hatte wieder an mich gedacht und mir eine ihrer neuesten Proben bezüglich Wandersnacks mitgebracht. Eine kleine exklusive Capsa-Packung mit selbstgemachtem Müsli-Riegel. Das wird wohl zum Running… naja, Walking-Gag! Der Riegel erinnerte mich geschmacklich schon ein wenig an die Stangen, die ich früher meinem Wellensittich in den Käfig gehangen habe. Nicht dass ihr mich falsch versteht: die waren total lecker. Woher ich das jetzt weiß… bleibt eurer Phantasie überlassen.

mammutmarsch2 muesliriegel

Nach guten 22 km hatte sich der Füllstand meiner Wasserblase inzwischen gut reduziert – der meiner körpereigenen aber entsprechend erhöht. Alle Hoffnungen auf ein Dixie-Klo am Stadtrand hatten sich zerschlagen. Also ab in den Brombeerbusch. Die Herde ziehen lassen. Und die zog verdammt schnell! Als ich aus meinem Busch raus kam, war da nur noch  ameisengroß ein Bündel Wanderer am Horizont zu erkennen. Das im schnellen Wanderschritt wieder aufholen? Undenkbar. Also nahm ich meine Beine in den sauschweren Wanderstiefeln in die Hand und rannte.

mammutmarsch2 pinkelpause

Ich rannte verdammt lange. Inzwischen hatten schon die Birken am Wegesrand mein Rudel verschluckt. Pinkelpausen rächen sich eben. Aber was soll man/frau machen, wenn’s pressiert?

mammutmarsch2 pinkelpause birken

Wo sind denn nur alle?

Irgendwann schaffte ich es aber doch, hechelnd an den letzten vorbei zu ziehen, um zumindest wieder in der Mitte des Stroms zu schwimmen.

mammutmarsch2 carola Keßler2

Sehr bezeichnend für den Fertigstellungsgrad unseres zukünftigen Großflughafens war ein Schild, das wir unterwegs am Wegesrand vorfanden. Bereits ein Lost Place, bevor er überhaupt fertig gebaut ist.

mammutmarsch2 BBI

Das Wetterchen war inzwischen richtig schön geworden. Ursprüglich hatte ich gar nicht vor, den Dörferblick irgend jemandem zuzumuten, fragte dann aber angesichts der zu erwartenden schönen Aussicht doch in die Runde. Die Begeisterungskurve verlief von „Ja, super, rauf da!“ über „Muss das sein?“ bis zu „Ihr spinnt wohl, ich geh doch nicht noch n Berg hoch!“ Also trennten wir uns für ein paar Minuten. Die richtig Bekloppten latschten die nicht wenigen Treppen der Nordseite hinauf, während die nicht ganz so Bekloppten lieber unten um den Berg schlichen, um auf erstere zu warten.

mammutmarsch2 doerferblick

Und hier jetzt der Anblick und das Gruppenfoto, das zweitere verpasst haben 🙂 Wir richtig Bekloppten fanden: das hat sich gelohnt! Ganz weit hinten konnte man sogar den Fernsehturm sehen.

mammutmarsch2 doerferblick ausblick

mammutmarsch2 doerferblick klassenfoto

Auf der anderen Seite des Dörferblickes liefen wir hinunter und fingen die „Meuterer“ wieder ein. Ein richtig großer Teil der Strecke lag nun schon hinter uns Tapferen. Dennoch sprach die Zeichnung auf einem Mauerstück einigen mehr als aus der Seele.

mammutmarsch2 feel

Wer noch nicht ausschließlich nur mit sich selbst zu tun hatte, konnte sich aber wenigstens an allerlei Getier am Wegesrand erfreuen. Und an Weidenkätzchen. Anfang Februar!

mammutmarsch2 weidenkätzchen1

mammutmarsch2 weidenkätzchen

Nun das richtige Getier: Schafe, Ziegen und lustig-lockige Rindviecher. Ach ja, und freilaufendes Abendessen in Form von Hühnern. Direkt an der Hauptstaße im Laub.

mammutmarsch2 schafe

mammutmarsch2 büffel

mammutmarsch2 mauerweg wasserbüffel

mammutmarsch2 mauerweg hühner

Danach verließ uns leider der ländlich-schöne Teil der Strecke und kehrte sich wieder in betongrau. Blöd, dass ich schon wieder merkte, dass ich noch den letzten Busch hätte aufsuchen sollen. Hier war ja keiner mehr. Musste ich wohl durch. Wenn ich gewusst hätte, wie lange das noch sein würde, wäre ich wohl doch noch in einen Kleingarten gesprungen.

mammutmarsch2 mauerweg altglienicke

Nach nicht einmal 7 Stunden inklusive Pause erreichten wir mit dem U-BHF Zwickauer Damm unser Ziel. Wir waren ja sowas von gut! Und auch noch gut gelaunt. Ein Siegerfoto musste noch her.

mammutmarsch2 zwickauer damm

Ganz viele bedankten sich lieb bei mir für die Organisation. Ein paar fragten mich sogar, warum ich dafür kein Geld nehme. Ganz einfach: ich hätte mir die Mühe sowieso gemacht, die Routen auszubaldowern und Termine zu finden. Natürlich hätte ich das alles auch allein erleben können. Aber mit euch zusammen macht es viel mehr Spaß und euer Feedback ist mir soviel wert.

Wenn es doch den einen oder anderen juckt und ihr mir was Gutes tun wollt: mein großer Traum ist es, in nicht allzu ferner Zukunft den Arizona Trail zu wandern. 800 Meilen von einem Ende des Staates zum anderen. Dafür gibt es einen kleinen Spenden-Button rechts auf meiner Seite.  Über meinen genauen Plan und die Herausforderungen, die das mit sich bringt, werde ich demnächst berichten, damit ihr wieder an etwas neuem Irren teilhaben könnt.

Ich hoffe, ihr hattet wieder genauso viel Freude wie ich. Ach ja, meine Kniekehlen habe ich am Abend und Sonntag noch gut gespürt. Mal abgesehen davon, dass ich kurz vom Platzen zu Hause ankam, weil ein kleines BVG-Disaster die Heimfahrt auch noch unnötig in die Länge gezogen hat. Hat eigentlich noch jemand die Frau im Entenkostüm gesehen? Sonst war aber alles schön 🙂

Wir sehen uns am 27. Februar um 10 Uhr in Heiligensee zur 40 km Tour. Diesmal entlang des nördlichen Mauerweges und hinein in die Stadt. Weitere Details gibt’s wie immer bei Facebook!

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6 Comments

  • Reply Diana Stiller Montag, der 8. Februar 2016 at 20:27

    Liebe Carola!
    Ganz ganz herzlichen Dank für die wunderbare Wanderung und für den tollen Bericht. BRAVO; BRAVO, BRAVO–mir hat es sehr sehr Freude bereitet. Es war eine großartige Wanderung bei traumhaften Wetter. Auf dem Gruppenfoto wären wir (zwei der *Meuterer* 🙂 auch sehr gern. Doch da wir in Rudow wohnen und den Dörferblick schon vielemale besucht haben, (zufluss und auch mit dem Rad), haben wir am Samstag darauf verzichtet und sind gemütlich unten entlang gegangen. Ich hab noch was zum „Roten Dudel“ gefunden.

    “ Klein ist der „Rote Dudel” in den fast hundert Jahren seines Bestehens geblieben. Ein aus wenigen Straßen bestehender Teil Mahlows, ganz im Norden der Gemeinde Blankenfelde- Mahlow gelegenEs be- zeichnet nichts anderes als eine Aus- baute, ein abgelegenes Gebäude
    oder Flurstück außerhalb der eigent- lichen Ortslage. In seiner ursprüng- lichen Bedeutung war der Begriff negativ besetzt, herablassend, sogar verächtlich gemeint. Diese Bedeu- tung ist freilich längst in Vergessen- heit geraten.
    Ähnlich verhält es sich in diesem Zusammenhang mit der Bezeich- nung „Rot”. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, vor mittlerweile gut zwanzig Jahren, er- reichte den Rat der Gemeinde Mahlow die Anfrage, ob das Wort „Rot” eventuell politisch motiviert sei, was von diesem verneint wur- de.
    Der Volksmund wiederum erzählt, dass sich in den ersten Jahren nach Entstehung des Wohnplatzes „Ro- ter Dudel” ein geistig Behinderter mit brandroten Haaren hier aufge- halten haben soll und der Name sich so herleite. Weitere solcher Geschich- ten sind heute noch im Umlauf. Erneut hilft der Blick in die Geschich- te oder besser gesagt auf alte Kar- ten und in die ältere Literatur. Bereits Willy Lademann ging der Herkunft des Namens „Roter Dudel” nach. Der Sprachforscher aus Jühnsdorf beschreibt in seinem 1956 erschie- nen „Wörterbuch der Teltower Volks- sprache“, den „Rode Dudl” als ein Stück Heide oder Wald an der Chaus- see auf der Grenze von Lichtenrade und Mahlow.
    Letzte Klärung bringt schließlich das Urmesstischblatt (Bl. 1976) von 1831 auf dem sich in unmittelbarer Nähe zur heutigen Lage des „Roten Dudel”, ein Wäldchen und der „Gro- ße Röthe Pfuhl” eingetragen findet. Als „Röten” wurden flache Wasserstellen bezeichnet, die zum „Reeten“, ins Deutsche übersetzt zum „Rotten” des Flachses verwen- det wurden. Das heißt die Flachsstengel begannen im Wasser anzurotten, so konnten die Holzteile leichter von der Faser getrennt wer- den. Diese Pfühle stellten keine Be- sonderheit dar, sondern waren in nahezu jeder Gemarkung vorhan- den, sind aber wegen des sinkenden Wasserspiegels häufig verlandet und deshalb aus dem Landschafts- bild verschwunden. “ ( Auszug aus dem Lokalanzeiger Flankenfelde /Mahlow vom 14.07.2010)

    • Carola
      Reply Carola Dienstag, der 9. Februar 2016 at 11:58

      Liebe Diana, vielen Dank für dein schmeichelndes Feedback. Wenn Du natürlich regelmäßig auf dem Dörferblick bist, sei dir die Meuterei verziehen 😉
      Ganz lieben Dank auch für die Quelle zum Roten Dudel! Mir gefällt die Gruselversion mit dem rothaarigen Verwirrten aber am besten. Ist so schön märchenhaft.

  • Reply Daniel Montag, der 8. Februar 2016 at 21:14

    Ich finde die Wanderberichte total spannend – so im halb städtischen Umfeld zu wandern ist bestimmt was anderes, normalerweise laufe ich ja nur durch die Natur 🙂

    • Carola
      Reply Carola Dienstag, der 9. Februar 2016 at 11:56

      Freut mich, Daniel, dass selbst Wanderberichte aus dem schnöden Berlin unterhalten können. Ja, es ist schon was anderes als in den Alpen oder den Nationalparks Amerikas zu wandern. Dennoch: Berlin und Brandenburg haben hübsche Ecken und auch viel Natur. Die Mischung machts 🙂

  • Reply Mietze Freitag, der 12. Februar 2016 at 08:56

    wie die Queen lächelst du vom Poster:D

    • Carola
      Reply Carola Freitag, der 12. Februar 2016 at 09:27

      Lach, jawoll, Eure Hoheit 🙂

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